Markt in der Schlucht

Schluchtmarkt

Datum: 27. Juni 2010
Uhrzeit: 13:26 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Sie erinnern sich meines Nachtrags zur Minouche-Geschichte vor zwei Tagen, meine früheren Kommentare wären zu positiv gewesen, es hätte letzte Nacht wieder zweimal geschüttelt, und über 1 Stunde lang geschossen, mit allen Kalibern, und unten beim Reservoir-Markt eine neue Entführung gegeben, es würde immer spannender!

Der genannte Markt heißt eigentlich …. und liegt für junge Beine abwärts eine halbe Stunde von hier, aufwärts das Doppelte. Ich nenne ihn „Reservoir-Markt“, weil hier das einzige und zugleich historische Reservoir von Pétion-Ville liegt, was für Wasser hier gefasst wird, können Sie sich ja vorstellen. Das wird zum einzigen öffentlichen Trinkwasser der einstigen Millionenstadt, das bis vor kurzem noch aus einigen Hotelhahnen floss, jetzt ist auch das abgestellt.

Die Schlucht ist ein tiefer, durch Erosion geschaffener Einschnitt in der Erdkruste, und dass die mit dem EPGFZ , also mit dem großen Bruch der im Begriff ist, die Tiburon-Halbinsel zu teilen und dabei hunderttausende von Menschen zu töten, zusammenfällt, ist wohl kein Zufall. Bis zu tausend Meter steigen die Schluchtflanken empor, und der Schluchtgrund ist das letzte Fleckchen Erde, das einen einigermaßen ebenen Platz bietet für eine Menschenansammlung und einen Markt. Solange hier kein Wasser fließt, dann aber spült eine Flutwelle Menschen und Waren weg in die Tiefe, wenn ihnen die Flucht nicht rechtzeitig gelingt.

Von unten her kann man den Platz mit einem strapazierfähigen Auto beinahe erreichen. Am Ende der Bergstraße stehen ein paar Häuser, und wohnen auch einige Menschen, beide haben das Beben überlebt, aber vorgestern, es stand in der Minouche-Geschichte, gab es hier wieder eine Entführung, und für die Freilassung sollen die Gangster …. USD verlangen. Die Schlucht ist so eng und es ist den ganzen Tag über so dunkel, dass ich mich von diesem Platz fernhalte, das Foto für Sie war eine ganz große Ausnahme. Da ist es mir oben in der Bergburg schon lieber, schon von der Aussicht her das pure Gegenteil.

Im Markt auf dem Schluchtgrund verkaufen die Diebe ihre Beute, die sie in den letzten Tagen zusammengestohlen haben, unten im Feudalort Pétion-Ville. Da steigt auch jemand aus der Familie täglich hinunter zum Einkaufen, was man so zum Kochen, Essen und Trinken braucht. Da treffen die Menschen zusammen, die etwas kaufen wollen, oder etwas zu verkaufen haben, eben die Marktteilnehmer. Die Marktfrauen, die nach einem geschwätzigen Vogel Madame Sarah heißen, steigen in dunkler Nacht zwischen drei und vier Uhr von ihren Wohnorten an den Bergflanken herunter zum Schluchtmarkt, um rechtzeitig ihre Stände einzurichten. Sie haben den Namen des aufdringlichen gefiederten Schwätzers nicht umsonst, denn immer wieder beschweren sich die Anwohner der Berghäuser über ihr lautes, nächtliches Gehabe.

Übrigens, meine Kommentare waren zu positiv. Es hat letzte Nacht auf Haiti, dem Nachbarstaat der Dominikanischen Republik, wieder 2x geschüttelt, und über 1 Stunde lang geschossen, mit allen Kalibern, und (unten beim Reservoir-Markt) 1 neue Entführung, etc. — immer spannender! Sorry ! Besonders spannend: während der nächtlichen Schießereien sang der „Nachtwächter“ mit seinem Megaphon unbeirrt weiter !!!!! Soll man da lachen oder weinen?

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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