Blackout in Brasilien: 60 Millionen für Stunden ohne Strom

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Datum: 11. November 2009
Uhrzeit: 21:39 Uhr
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Autor: Dietmar Lang
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stromausfall-brasilien-normalEin Stromausfall hat in Brasilien am späten Dienstagabend weite Teile des Landes in Dunkle gehüllt. Die grossen Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro waren Auswirkungen besonders zu spüren, hier war die Energieversorgung für bis zu 6 Stunden unterbrochen.

Bis zu 60 Millionen Menschen in insgesamt 18 der 26 Bundesstaaten vornehmlich im Süden, Südosten und Mittelwesten waren vollständig oder teilweise von den Störungen betroffen. Aber auch im Nordosten des Landes gingen teilweise die Lichter aus.

Die genaue Ursache für den „Blackout“ ist noch unklar, das immense Ausmass der Unterbrechungen steht jedoch fest. Alle betroffenen Städte und Gemeinden beziehen ihre Energie von dem im Südwesten Brasiliens gelegenen Wasserkraftwerk Itaipu. Mehrere Versorgungsleitungen wurden demnach nahezu gleichzeitig auf dem Weg in Richtung São Paulo unterbrochen, physische Schäden liegen jedoch nicht vor. Eventuell könnten Blitzeinschläge oder atmosphärische Störung zu einem Dominoeffekt mit den katastrophalen Konsequenzen geführt haben, munkeln derzeit die Experten. Brasilien brauche dringend ein „intelligentes Netz“, damit sich solches in Zukunft nicht wiederhole.

Die vier Bundesstaaten São Paulo, Rio de Janeiro, Espirito Santo und Mato Grosso do Sul wurden vollständig vom Netz getrennt, als das Kraftwerk aus Sicherheitsgründen die 18 fehlerfrei arbeitenden Turbinen aufgrund der Leitungsstörung vom Netz nahm. In weiteren 14 Bundesstaaten bis hoch in den fast 4.000 Kilometer entfernt gelegenen Nordosten Brasiliens kam es zu regionalen Ausfällen: Minas Gerais, Mato Grosso, Goiás, Rio Grande do Sul, Santa Catarina, Paraná, Acre, Rondônia, Bahia, Sergipe, Paraíba, Alagoas, Pernambuco und Rio Grande do Norte.

Auch im Nachbarland Paraguay, welches das Kraftwerk am Rio Paraná in Kooperation betreibt, war von dem Ausfall betroffen. Rund 95 Prozent des Landes waren rund 20 Minuten ohne Strom, bevor die ersten Turbinen wieder zugeschaltet wurden. Itaipu ist faktisch die einzige Stromversorgung des bevölkerungsarmen Landes im Herzen Südamerikas.

Chronologie der Ereignisse

22:13 Uhr: Alle 18 Generatoren laufen im Itaipu-Kraftwerk ohne Störungen, als plötzlich das Hochspannungsnetz Unterbrechungen meldet. Die automatische Sicherheitsabschaltung des Kraftwerks wird aktiv und nimmt die Turbinen vom Netz.
22:25 Uhr: Für Paraguay wird die Energieversorgung wieder hergestellt. Zuvor lagen rund 95 Prozent des Landes im Dunkeln.
00:00 Uhr: Die erste von mehreren gestörten Linien geht wieder ans Netz.
01:15 Uhr: Die zweite Linie arbeitet wieder.
03:15 Uhr: Die dritte Linie nimmt wieder die Funktion auf.
05:15 Uhr: Entwarnung seitens der nationalen Energiekontrolle: Die Energieversorgung ist fast vollständig wiederhergestellt.

In Rio de Janeiro und São Paulo reagierten die Menschen teilweise mit Panik auf den anhaltenden Stromausfall. Menschen sassen in Aufzügen, Zügen und U-Bahnen fest, der Strassenverkehr versank im Chaos. Polizei, Krankenhäuser und viele Hotels stellten die Energie mit Notstromaggregaten sicher. Während Gäste in Kneipen und Restaurants auf die Rückkehr der Energieversorgung warteten, nutzen an anderen Orten Banditen und Kriminelle die Dunkelheit für spontane Überfälle und Einbrüche genutzt. Die Polizei in den Großstädten wurde in Alarmbereitschaft versetzt, in Rio de Janeiro kamen sogar Spezialeinheiten zum Einsatz, um die öffentliche Ordnung zu gewährleisten.

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