Population des Amazonasdelfin stark bedroht

Datum: 11. Juli 2010
Uhrzeit: 12:47 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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► Artenforscher schlagen Alarm

Der leuchtend rosa Amazonasdelfin ist so gelehrig und neugierig, dass er immer mehr zur leichten Beute für die Netze und Harpunen der Fischer wird. An den Ufern des Amazonas wurden seine sterblichen Überreste in Rekordzahlen erdeckt. Die Fischer verwenden dabei sein Fleisch als Köder für andere Arten.

Amazonasdelfine sind 2 bis 3 Meter lang. Ihre Farbe verändert sich mit dem Alter: Jungtiere sind silbergrau, ältere Amazonasdelfine werden rosa. Der Kopf ist rundlich, die lange Schnauze deutlich von ihm abgesetzt. Die Augen sind winzig und verkümmert, sind aber noch funktionsfähig. Einmalig unter allen Flussdelfinen ist die Behaarung der Schnauze, die mit steifen Borsten besetzt ist. Er erreicht ein durchschnittliches Gewicht von 85 bis 160 Kilogramm.

Das Mamiraua Reservat (Mamirauá Sustainable Development Reserve) ist mit einer Fläche von 1.124.000 Hektar das grösste Schutzgebiet in Brasilien. Das Amazonas-Forschungsinstitut, eine Einrichtung der brasilianischen Regierung, untersuchte und überwachte in den letzten Jahren eine Fläche von 11.000 Hektar. „Wir untersuchten eine Fläche von 11.000 Hektar. In den letzten 17 Jahren ist die Population des Amazonasdelfin um 7% pro Jahr gesunken. Jedes Jahr sterben rund 15.000 dieser einzigartigen Tiere“, teilte Vera da Silva, Experte des Amazonas-Forschungsinstituts mit.

Nach Angaben von da Silva werden die Tiere von Fischern gefangen und geschlachtet. Die Regierung räumte inzwischen ein, dass es ein Problem gibt. Es ist illegal, wie bei allen Wildtieren im Amazonas, Delfine ohne Erlaubnis der Regierung zu töten. Allerdings sieht die Praxis ganz anders aus. Ein Gebiet, das zwei Drittel des Bundesstaates Amazonas umfasst, wird von fünf Agenten überwacht. „Es ist eine Frage der Priorität und die Regierung hat sich jetzt auf die Probleme der Entwaldung konzentriert“, teilte Andrej Silva, Beamter des brasilianischen Instituts für Umwelt und natürliche erneuerbare Ressourcen (IBAMA) mit. „Der Tod dieser Delphine ist eine Tatsache.“

Für Fischer sind Delfine attraktiv wegen ihres fetten Fleisches, ein wirksames Lockmittel, um einen großer Fisch Namens Piracatinga zu fangen. Diese Welsart ist im benachbarten Kolumbien äusserst beliebt. Der Verbrauch ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Nach Angaben des kolumbianischen Instituts für ländliche Entwicklung (Incoder) stieg der Verbrauch von 884 Tonnen im Jahr 2007 auf 1.430 Tonnen in 2008 und 2.153 Tonnen im Jahr 2009. Ein Grossteil des Bedarfs wird dabei mit Lieferungen aus Brasilien gedeckt.

Ein einfaches wirtschaftliches Kalkül verschärft das Problem zusätzlich. Mit dem Fleisch eines einzigen getöteten Delfins kann der Fischer etwa  500 kg Piracatingas fangen. Laut da Silva werden die Fische mit 50 Cent pro Kilo verkauft. In nur einer einzigen Nacht kann somit fast das doppelte des monatlichen Mindestlohnes in Brasilien erzielt werden. „Die Menschen in der Region sind sehr arm, zudem ist der Delfin durch seine grosse Neugierde recht einfach zu töten“, erklärte Antonio Miguel Migueis, Forscher an der Universidade Federal do Pará.

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  1. 1
    Antonietta

    Durch Jahrzehnte lang andauernden Walfang wurden viele Wal- und Delfinarten an den Rand der Ausrottung gebracht. Auch heute sind diese faszinierenden Meeressäuger immer noch der Bejagung und zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Meeresverschmutzung, durch Boote und Unterwasserbohrungen verursachter Lärm, Verlust ihres Lebensraumes, Beifang in Fischnetzen und die globale Erwärmung, die unsere Meere verändert, sind einige der vom Menschen verursachten Bedrohungen.

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