Kassav war ihr täglich Brot

Taino-Fischer

Datum: 16. Juli 2010
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Die ersten Urindianer, die von Venezuela her immigrierten, waren friedliche Ackerbauern, Jäger und Sammler, man könnte sagen, Alles-Esser. Nie haben sie einem Menschen etwas zuleide getan. So fand sie Kolumbus vor, und sicherlich hat er ausgiebig von ihrem guten Herz und ihrer Gastfreundschaft profitiert.

Er selbst beschrieb in seinem Tagebuch ( 1492 ) die Arawaken und Taino-Indianer als „Menschen von unglaublicher Freigiebigkeit. Wenn man um etwas bittet, sagen sie nie nein, sondern fordern einen ausdrücklich auf, es anzunehmen und zeigen dabei soviel Liebenswürdigkeit, als würden sie einem ihr Herz schenken.“ Als Dankeschön begann damit der Völkermord an den Ureinwohnern. Damals dürften 15 Millionen Indianer in der Karibik gelebt haben, wovon 300’000 in Haiti, dem Nachbarstaat der Dominikanischen Republik. Man behauptet, sie seien vollständig ausgerottet worden. Ich bin zwar überzeugt, dass das nicht stimmt, die Frauen wurden vergewaltigt, und das Ergebnis waren doch Mischlinge, zwischen Indianern und Spaniern. Wenn ich nicht ein Erzfeind des Verallgemeinerns wäre, würde ich jetzt sagen, die Weißen (Kolumbus war auch so einer) haben eben ein schwarzes Herz.

Die karibischen Inseln waren nicht leicht zugänglich, und deshalb gab es auch noch nicht viel Großwild auf den Inseln. Vor allem die schwarzen Wildschweine wurden von den Indianern bejagt, zubereitet und gegessen. Aber sie haben nie mehr gegessen als unbedingt nötig war, und nie zu deren Ausrottung beigetragen. Das haben später erst die Spanier und dann die Franzosen fertiggebracht mit ihren Schiessgewehren.

In langen Pirogen, die mit Feuerglut und Steinwerkzeugen aus einem einzigen Baumstamm gefertigt, waren, oblagen sie der Fischerei. Die Fische wurden zur Konservierung luftgetrocknet, gepökelt oder über der Feuerglut gebraten.

Die Indianer trieben schon einigen Sport, Rennen und Ballspiele. Auch eine Art Tennis war üblich, das nach den Namen von den „Bator“, den Schlägern erhielt. Im Gegensatz zu unseren Zweier- und Vierertournieren wurden die Matches von jung und alt in ganzen Gruppen gespielt.

Bis die Spanier auftauchten, kannten sie weder Alkohol noch Eiswürfelchen; aber in der Erfindung herrlicher Vitaminbomben waren sie Meister, zum Beispiel dem Mabi. Und in unseren Breiten wurde der Cocktailmeister zu einem Lehrberuf. Den Indianern war das schon angeboren, und ich weiß, wie herrlich ihre Drinks mundeten. Obschon ich noch nicht dabei war.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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