Hugo Chávez, der unberechenbare Despot

Datum: 29. Juli 2010
Uhrzeit: 17:23 Uhr
Ressorts: Editorial
Leserecho: 7 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► Venezuelas Präsident sorgt für Unruhe in der Region

Es brodelt in Südamerika. Dabei ist es nach Meinung vieler nur ein einziger Mann, der die gesamte Region in Unruhe versetzt: Hugo Chávez. Die Glaubwürdigkeit des venezolanischen Staatsoberhauptes ist bei vielen seinen Amtskollegen auf ein Minimum geschrumpft, zu unberechenbar ist er in den vergangenen Jahren geworden. Jüngster Höhepunkt war der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Kolumbien, statt im Gespräch eine Lösung zu suchen und dabei endlich Transparenz zu gewährleisten. Doch Nachgeben bedeutet Gesichtsverlust. Zumindest dieser Auffassung schien der Despot in der bolivarischen Republik zu sein, in seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts.

Es versetzte die Truppen in Alarmbereitschaft, schloss faktisch die Grenzen zum Nachbarland und hetzte andere realitätsfremde Staatsoberhäupter wie Raúl Castro, Daniel Ortega oder Rafael Correa gegen den „imperialistischen Feind“ auf. Dass die Lage mehr als ernst ist und Chávez alles zuzutrauen ist, merkte man an den Reaktionen in den Nachbarländern. Argentinien, Brasilien, Paraguay und sogar Bolivien boten sich als Vermittler der Krise an oder verurteilten sie als Gefährdung der Sicherheit des gesamten Subkontinenten. Sie fürchten alle eine militärische Eskalation, wobei die Initiative nicht unbedingt von Venezuela ausgehen müsse. Auch Kolumbien könnte trotz gegenteiliger Beteuerungen auf die anhaltenden Provokationen reagieren, befürchten Analysten. Die Regierung des scheidenden Staatspräsidenten Uribe hat vor allem durch die illegale Militäraktion vor 2 Jahren in Ecuador einiges an Vertrauen verspielt.

Der lachende Dritte könnte am Ende die Gruppe der Guerillas, Rebellen oder Terroristen sein – wie auch immer man sie offiziell bezeichnen will. Ihr alles zermürbende Politik setzt sich dann am Ende durch. Die FARC soll sich derzeit in Venezuela vor den kolumbianischen Militärs verstecken und dies mit Wissen der Führung in Caracas. Behauptet zumindest Kolumbien. Eine internationale Kommission soll dies daher innerhalb von 30 Tagen überprüfen, so die Forderung Bogotás auf einer Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten, wo auch gleich die angeblichen Beweise für die Existenz von Lagern in Venezuela vorgelegt wurden.

Ein Diktator, wie Chávez erst kürzlich von einem paraguayischen Oppositionspolitiker bezeichnet wurde, gibt solchen Forderungen natürlich nicht nach. Vielmehr verkriecht sich Chávez in seinem Regierungspalast, fährt mit seinen stundenlangen Fernsehshows fort und behauptet zudem, er sei „zum Tode verurteilt“. Auch würden die USA in Kürze sein Land angreifen, lässt er über die von ihm kontrollierten Medien verbreiten. Die Menschen in Venezuela, seit Jahren durch eine katastrophale Wirtschafts- und Sozialpolitik gepeinigt, sollen sich seiner Ansicht nach in ihrer Not jetzt auch noch auf einen Krieg vorbereiten.

All dies bestärkt nun die anderen Länder Südamerikas, noch vehementer für den Frieden und eine diplomatische Lösung zu werben. Denn keiner ist sich wirklich sicher, was Chávez wirklich zuzutrauen ist. Er redet schon seit langer Zeit viel zu viel. Und nun geht die Angst um, dass er wirklich handeln könnte. Es brodelt in Südamerika.

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Die Kolumne von latinapress Herausgeber Dietmar Lang – Gedanken und Erfahrungen über das Leben in Lateinamerika und der täglichen Berichterstattung von Nachrichten aus Südamerika und der Karibik.

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  1. 1
    togo

    was hier nicht beachtet wird:

    die provokation geht von kolumbien aus. immerhin unterstellt das regime in bogota venezuela eine unterstützung der farc. die beweise waren lachhaft. die von kolumbien veröffentlichten bilder waren teilweise aus dem jahr 2007 und eindeutig in kolumbien gemacht.

    die befürchtungen von chávez sind nicht unbegründet. schon 2004 gab es einen ähnlichen fall:

    „2004 wurden in Caracas mehr als 100 kolumbianische Paramilitärs in venezolanischen Armeeuniformen verhaftet, als sie einen bewaffneten Aufstand vorbereiteten. Nach Angaben des ehemaligen Direktors für Informationstechnologie des kolumbianischen Geheimdienstes DAS, Rafael García, plante der kolumbianische Geheimdienst neben der Ermordung von Hugo Chavez und seinem damaligen Vizepräsidenten José Vicente Rangel auch die Ermordung von Innenminister Jesse Chacón und Generalstaatsanwalt Isaías Rodríguez, sowie Aktionen in Venezuela, die zum Ziel hatten, die Wirtschaft des Landes zu stören und die Bevölkerung zu verunsichern.“

    die sozialpolitik als katastrophal zu bezeichnen ist nicht nachvollziehbar.

    hier einige daten

    armut-anteil der bevölkerung 1998: 49%
    2009: 23%

    extreme armut: 1998: 21%
    2009: 6%

    „Der Präsident der UN-Generalversammlung, Ali Abdussalam Treki, lobte die Entwicklungen der venezolanischen Sozialpolitik kürzlich als vorbildhaft für andere Länder. In Bezug auf den Bericht des Statistikinstituts sagte er: „Was Venezuela in Bezug auf die Millenniums-Entwicklungsziele erreicht hat, sollte als Modell für alle andere Länder dienen.““

  2. 2
    Sisyphus

    Chavez ist wirklich auf der Höhe der Zeit. Sozialismus und jede menge Lob aus der islamischen Welt. Besonders Sozial die Waffenkäufe, besichert mit Öleinnahmen und der Vergabe von Förderrechten im orinocco Becken an Russland – konsequent, ist man doch technisch und organisatorisch unfähig, in Eigenregie Öl zu fördern. Da unterscheidet sich der Sozialismus des 21 jhd nicht von dem des 20ten. Friedensbemühungen kann ich keine erkennen.

    Der wirtschaftliche Niedergang wird neben der venezolanischen Bevölkerung zukünftig eher Russland treffen. Wenn die Bezahlung der Waffenlieferungen aus bleibt oder die Ölkonzessionen eingezogen werden, kommen dann auch keine Grußkarten aus Moskau mehr. Kuba oder Ecuador sind da schon einen Schritt „weiter“.

  3. 3
    togo

    @Sisyphus: Schon einmal die Militärausgaben Venezuelas angeschaut. Die liegen im lateinamerikanischen Mittelfeld und sind in der letzten Zeit auch gefallen. Brasilien, Chile und Kolumbien geben um einiges mehr aus.

    Im Orinoco-Becken wird nicht nur mit russischer Hilfe Öl gefördert. Auch Chinesen, US-amerikaner, Briten, Inder usw. helfen bei der Förderung!

  4. 4
    roland-g

    „Schon einmal die Militärausgaben Venezuelas angeschaut. Die liegen im lateinamerikanischen Mittelfeld und sind in der letzten Zeit auch gefallen.“
    Quelle?

    Wie kann man Venezuela mit Brasilien vergleichen, oder Chile; selbst Kolumbien dürfte größer als VE sein

    „die sozialpolitik als katastrophal zu bezeichnen ist nicht nachvollziehbar. “
    das ist ein Lacher (sorry)
    und auch hier fehlt die Quelle

  5. 5
    Sisyphus

    @togo
    Ich hatte Verwandte im Ostblock und mir braucht keiner was bezüglich des Filzes und der Statistiken sozialistisch geführter Länder erzählen. Dazu kommt noch die starke Position etablierter Großfamilien in Südamerika. Korrupt ist dort eigentlich jeder und alles, egal, welche Etikette sich Chavez um hängt. Er bedient auch nur seine Klientel mit Gütern, die er anderen Playern weg nimmt und die selbstverständlich auf die richtige Zeit warten, sich zu revanchieren – auf die in Südamerika übliche Art, versteht sich. Da bleibt Chavez nur, ewiger Präsident zu bleiben. Er ist ja beim Umbau der Demokratie und Castro ist nicht umsonst sein Vorbild.

    Die soziale Lage in Venezuela ist trotz des Ölreichtums erbärmlich. Größere Investitionen der industrialisierten Staaten gibt es derzeit nicht, selbst Brasilien hält sich zurück. Zwangsenteignungen, Verstaatlichungen, Grenzschließungen, martialische Rhetorik, selbst die Bedienung der Staatsanleihen wird moniert, da kommen nur minimale Investitionen. Und das ist auch gut so. Schließlich wird „die Ausbeutung“ durch das Ausland dann geringer, oder? Dumm nur, das die Staatsbetriebe in Rekordtempo verrotten.
    Venezuela wird sein Öl also weiter den USA verkaufen, weil es selbst über keine nennenswerte Industrie verfügt und das Sozialsystem sonst kollabiert. Die Wertschöpfung wird in den industrialisierten Ländern betrieben wozu auch Russland und China gehören. Die werden Chavez fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel, wenn es nichts mehr zu holen gibt und freuen sich über jeden Rüstungsauftrag gegen Petrodollar. Dort schafft Chavez Politik tatsächlich Arbeitsplätze.

  6. 6
    Leonel

    HUGO CHAVEZ: SUPPORTER OF THE TERRORISTS OF THE WORLD

    To: International supporters of democracy and human rights Citizens of the world, Latin Americans, Colombians and Venezuelans. On behalf of the Colombian and Venezuelan civil society, we call on all international human rights and democracy advocates to hear our cry for help and not ignore what is happening in Venezuela under the arbitrary and hypocritical leadership of Hugo Chávez Frias. The Colombian government has exhausted all possible diplomatic ways to ask its Venezuelan counterpart for their cooperation in combating terrorism – specifically against the guerrillas who have plagued their people for decades. Hugo Chávez, President of Venezuela, has ignored such requests. He continues to provide protection and arms to criminal organizations as well as develops terrorist training centers in his country. We urgently appeal to your solidarity by virtually signing this petition.

    http://www.petitiononline.com/Chavezno/petition.html

  7. 7
    james connolly

    @ leonel
    schöne rechtsextreme propaganda, aber leider keine argumente

    wenn venezuela tatsächlich am boden ist, warum wurde chavez dann dreimal ganz demokratisch gewählt?
    wenn venezuela tatsächlich am boden ist, warum findet man dies dann nicht in den rechten medien der westlichen welt genüßlich ausgebreitet?

    der bericht scheint wie der cuba blog sämtliche politischen, historischen und wirtschaftlichen hintergründe venezuelas unberücksichtigt zu lassen, um nicht zu sagen, dass er recht plumb daherkommt.

    man muß ja kein freund von chavez sein, aber eine intellektuelle auseinandersetzung mit der entwicklung venezuelas seit der bolivarischen revolution sieht gewiss anders aus.

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