Peru: Der grausame Winter in den Bergen von Arequipa

frio

Datum: 30. Juli 2010
Uhrzeit: 17:26 Uhr
Ressorts: Natur & Umwelt, Peru
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Autor: Redaktion
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► Menschen und Tiere leiden unter extremen Temperaturen

Der Winter in der Region Arequipa, im Süden Perus, ist grausam. Die Kälte ist so intensiv, dass die Haut verbrennt, die Planzen verwelken und immer mehr Nutztiere getötet werden.

Arequipa liegt auf über 2.300 m Höhe. Die Küste des Pazifik liegt nur 75 km Luftlinie entfernt und beschert der Stadt normalerweise das ganze Jahr über ein mildes und sonniges Klima. Dieses Jahr ist alles anders. Der Boden und die Bäche sind gefroren. Die Menschen in der Region haben sich entschieden, nur noch einmal pro Woche zu baden. Dies tun sie nicht aus mangelnder Hygiene, sondern weil ein einfaches Bad zu einer Lungenentzündung führen könnte und sie in der Kälte töten würde.

Die Region wird durch die Vulkane in der nahen Umgebung beherrscht, den 5.822 m hohen kegelförmigen Misti, den 6.057 m hohen Chachani und den kleineren und entfernteren Pichu Pichu. Nicht weit von Arequipa liegen auch die Schluchten des Cotahuasi- und des Colca Cañon, die mit bis zu 3000 m Höhenunterschied mit zu den tiefsten der Welt zählen. In den letzten Tagen wurden Tiefsstemperaturen zwischen 12 und 15 Grad unter Null aufgezeichnet.

Prudencio Coaguila, 55 Jahre, steht in der Küche seiner ärmlichen Behausung. Zusammen mit seiner Frau versucht er den Ofen für die Zubereitung des Abendessens in Gang zu bekommen. Prudencio wirkt ungelenkig, trägt er doch fünf Pullover, zwei Paar Hosen, einen Hut und Wollsocken. Neben ihm steht sein 12 jähriger Sohn und seine 2 jährige Enkelin, welche die gleiche Menge an Kleidung tragen. Nachts schläft die siebenköpfige Familie in einem Bett. Obwohl unter mehreren Decken eingehüllt, ist der Wind eisig und die Kinder wachen schreiend und frierend auf.

Nach Auskunft des medizinischen Zentrums leiden 80% der Bevölkerung in der Region Arequipa an akuten Atemwegsinfektionen (ARI). Jeden Tag kommen etwa 10 bis 12 neue Patienten hinzu. Bisher gab es unter der Bevölkerung keine Verluste, aber die Tiere erleben nicht das gleiche Schicksal. Auf dem Hof von Prudencio stehen 485 Alpakas und 100 Schafe im Futter. Vor ein paar Tagen erfroren mehr als 20 Jungtiere.

„Wir leben von diesen Tiere. Ihr Tot ist ein unwahrscheinlicher Verlust“, so Prudencio. Er klagt über die mangelnde Unterstützung durch die Behörden. Medikamente und Futter für die Tiere gibt es nicht mehr. Der Bürgermeister von San Antonio de Chuco, Ricardo Tola, räumte ein, dass die Beihilfe von der Regionalregierung von Arequipa nicht die abgelegenen Dörfer erreicht. So sind die Menschen auf sich gestellt und warten weiter auf Hilfe, die sie allerdings bald erreichen muss, denn für die nächsten Tage ist mit keiner Wetterbesserung zu rechnen.

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