Wie man aus einem Restaurantbesuch eine Wissenschaft macht (1)

cerveja-gelada

Datum: 14. August 2010
Uhrzeit: 16:36 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: (Leser)
Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)
► Eiskaltes Bier bei tropischen Temperaturen

Neulich war ich beim Rodízio. Also in einer Churrascaria. Oder anders, ich war in einem brasilianischen Restaurant essen.

Was in Brasilien gang und gäbe ist, bedarf in Deutschland manchmal einer Erklärung. Genau, wie umgekehrt.

Was in Deutschland gang und gäbe ist, und so weiter. Zum Beispiel in Brasilien. Zum Beispiel zum Thema Bier. Immer wieder werde ich gefragt, ob und warum wir in Deutschland das Bier „lauwarm“ trinken. Wenn ich ehrlich bin, ich glaube, die Frage wird mir grundsätzlich immer von jedem Brasilianer gestellt, mit dem ich mich mehr als fünf Minuten unterhalte.

Unter „lauwarm“ versteht man dort drei bis vier Grad Celsius. Dort, in Brasilien, trinkt man es eisgekühlt, kurz vor dem Gefrierpunkt. Manchmal hat man Schwierigkeiten, Flüssigkeit aus der Flasche zu pressen, so gefroren kalt ist es. Schafft man sein Bier nicht rechtzeitig vor der Erwärmung auf maximal fünf Grad, wird die Flasche zum Abräumen für den Kellner freigegeben oder der Glasinhalt verächtlich weg geschüttet.

Mittlerweile habe ich Routine und verkaufe auch dem stolzesten Brasilianer meine erläuternde Begründung. Besonders wichtig ist bei derartigen Vorhaben: Bloß keinen Verlust in der persönlichen Sympathieskala riskieren!

Mein Monolog klingt ungefähr so:

Mein Freund, ich will es Dir gerne erklären. Völlig klar, trotz bescheidener Erfolge Deutschlands, die Brasilianer sind die besseren Fußballspieler. Wir haben keinen Rhythmus und die Technik fehlt uns sowieso. Na ja, Eure Fußballspieler sind überhaupt die besten auf der Welt.

– Der Brasilianer bekommt spätestens jetzt leuchtende Augen¸ nickt bestätigend mit seinem Kopf. –

Aber mein Freund, so wir Ihr die wahren Weltmeister des Fußballs seid, sind wir es im Bierbrauen, nicht wahr?

– Wäre ich Versicherungsvertreter, hätte ich mir an dieser Stelle auch seine Unterschrift unter einer Police erkauft. Er lächelt immer noch und auch der Kopf bewegt sich positiv. –

Also, unser Bier ist so gut, das schmeckt sogar noch, wenn es warm ist. Warm heißt, so vier, fünf oder vielleicht sechs Grad.

– Kunstpause. –

Du weißt aber auch, bei uns in Deutschland ist es oft sehr kalt?

– Nie den Blickkontakt vergessen. Immer schön in die Augen schauen. Sonst meint der Brasilianer plötzlich noch, mit dem bestätigenden Kopfnicken aufhören zu dürfen. –

Kannst Du Dir vorstellen, wie kalt es dort bei uns manchmal wird?

– Jetzt sollte der Brasilianer zwar immer noch lächeln, aber mit dem blöden Kopfnicken aufhören. Ich muss ihn dazu mittlerweile nicht mehr zwingen. Er stoppt den Kopf alleine.

Manchmal antwortet er auch: Ziemlich kalt, gell? –

Genau! Manchmal minus 20 Grad! Minus!

– Kunstpause. –

Kannst Du Dir diese Temperatur vorstellen?

– Ich nehme es vorweg, kaum ein Brasilianer kann dies, egal ob er vom Amazonas oder aus Sao Paulo kommt, obwohl es dort auch manchmal Minusgrade geben kann.

Geh mal fünf Minuten in den Kühlschrank (bei Südbrasilianern alternativ: in die Gefriertruhe), dann weißt Du, was das heißt.

Auf meinen Abschlusssatz kommt der Brasilianer meistens selbst:

„Da hat man keine Lust mehr auf ein eisgekühltes Bier.“

So ist das manchmal in Brasilien. Da will man vom Rodízio berichten und irgendetwas anderes kommt einfach so dazwischen. Na ja, vielleicht erzähle ich es dann beim nächsten Mal.

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