Hunger haben ist eine Lüge

feuernde-fischer

Datum: 28. November 2009
Uhrzeit: 14:42 Uhr
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Autor: Redaktion
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Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

feuernde-fischerSie pfropfen ihren Darm, es folgen Fettsucht, Diabetes, Bluthochdruck, Verunreinigungen durch Gifte und Fremdstoffe, im Körper, auf den sie nicht hören können. Noch schlimmer als in Haiti und der Dominikanischen Republik, wo Gifte und Fremdstoffe im Meer und auf der Straße liegen. Hundert Milliarden pro Jahr sollen die ernährungsbedingten Krankheiten allein in Deutschland kosten, 30 Milliarden Herz-Kreislauf-Leiden, 20 Milliarden Karies, 3,5 Milliarden Alkohol and more. Danach pfropfen sie ihren Darm mit Medikamenten, das fördert die Volkswirtschaft.

Dabei ruinieren die Dicken nicht nur den eigenen Leib, sondern auch die Krankenkassen, ja das ganze Volk. Wer zu dick ist, hat falsche Gedanken, wer zu dünn ist, nimmt falsche Drogen. Selbst die mütterlichen Frauen, die so gut kochen können, rauchen heute Zigaretten um „schlank“ zu bleiben.

„Hunger haben“ ist eine Lüge, bei „entwickelten“ Menschen. Niemand von denen kennt Hunger, man nennt eine Esslust so. Und wenn die Esslust zur Esssucht wird, wird sie ein Fall für den Arzt.

Nicht Zigaretten rauchen, sondern essen, dass man „richtig“ bleibt. Ich sage „richtig“, nicht „schlank“, das ist kein Ziel, es kommt automatisch – Essen soll appetitlich, anregend, sauber, farbenfroh, gemischt sein, und in vernünftigen Portionen. Eigentlich ganz simpel. Ohne Ernährungslehrer, ohne Idealvorstellungen, ohne Wissenschaftler. Es ist so einfach: Nichts übertreiben, essen was & soviel man will und wenn man „Hunger hat“, man muss nur auf den Körper hören,solange er noch nicht kaputt ist .

Drei von vier Frauen, bei den „entwickelten“ Menschen, fühlen sich zu dick, obgleich nur jeder vierte Übergewicht hat. Eine Frau soll sexy und attraktiv, eine gute Mutter und Köchin, im Beruf aktiv und zupackend sein, eine mühevolle Konstellation. Seit es in Teilen der Welt für alle Lebensmittel im Überfluss gibt, lebt eine allmächtige Industrie von der Manipulation der Nahrungsbedürfnisse. Ernährung ist ein zentrales Problem des Menschen seit es Menschen gibt. Manchmal verhungerten sogar die Mächtigen. Heute ist „Food“ ein Wirtschaftsfaktor, globalisiert und ertragreich, bringt Arbeitsplätze – und Krankheiten. Damit Medikamente, nochmals Arbeitsplätze.

Auf den Körper hören gilt wenig. Studierte haben das Sagen. Ernährungslehre ist eine akademische Disziplin.
„Entwickelte“ Länder und „Entwicklungsländer“ gibt es nicht. Aber es gibt in den „entwickelten“ Ländern eine große Mehrheit von „entwickelten“ Menschen, und eine verschwindende Minderheit von „Entwicklungsmenschen“, Armen, Hungernden und so. In „Entwicklungsländern“ ist es umgekehrt. Es gibt eine kleine Minderheit von „entwickelten“ Menschen und eine große Mehrheit von „Entwicklungsmenschen“, Armen und Hungernden.

Auch hier gibt es Supermärkte wie Caribbean in Pétion-Ville, die Migros Haïtis, und andere. Hier kann man alles kaufen, zu Importpreisen versteht sich. In diesen Supermärkten drängen sich „entwickelte“ Menschen, oft gefolgt von mehreren Dienern die vollgestopfte Einkaufswagen stoßen. Die Rechnung an den Scanning gesteuerten Kassen beträgt oft tausende von Dollars. Die Märkte sind so voll „entwickelten“ Kundinnen dass man kaum hineinkommt – ich bewege mich da manchmal auch.

Aber die Mehrheit hier „Entwicklungsmenschen“, Arme, Hungernde, die kennen die Supermärkte nur von außen. Aber sie kennen den Hunger, für sie ist das kein Gefühl der Esslust. 3,3 Million Menschen sind von Hunger bedroht, ja Kinder sterben sogar vor Hunger. Das Welternährungsprogramm startet eine Initiative nach der andern dagegen. Auslöser des Hungers sind die gestiegenen Lebensmittelpreise sowie die verheerenden Schäden der Hurrikane. Ein Viertel der Haitianer sind derzeit auf Hilfe angewiesen, um zu überleben. Sie leiden unter Mangelernährung. Sie wissen nicht, wo sie am nächsten Tag Nahrung und Hilfe herbekommen.

Auch wenn es leider Organisationen gibt, die das Leid der Menschen im Eigeninteresse missbrauchen. Was tun dagegen, weiß ich auch nicht, ich kann nur versuchen, die Probleme hinauszuschreien. Bloß eines ist sicher: die Welt darf nicht einfach zusehen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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