“Oasis of the Seas“: Boat People in Haiti

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Datum: 01. Dezember 2009
Uhrzeit: 08:21 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Boatpeople-1Es gibt allerlei „Boat-People“ im weitesten Sinne, auch hier in Haiti. So haben wir schon von denen gehört, die mit Feuer Baumstämme aushöhlen und darin um die Wette flitzen, Taxigäste über Seen und Flüsse transportieren oder auf offenem Feuer Fische grillen. Wir haben auch von denen gehört, die in hölzernen, durstigen Ruderbooten verliebte Paare oder schwärmerische Touristen durch die Mangroven steuern. Wir haben kürzlich gelesen, wie blauhelmige Drogenjäger mit ihren Schnellbooten ins Nichts hinausjagen, während ihnen die bösen Drogenschmuggler in lautlosen, wendigen Unterseebooten vor der Nase davon tauchen, & more.

Boat-People im engeren Sinne aber sind Menschen, auch hier in Haiti. die in abenteuerlichen Do-It-Yourself-Konstruktionen, Nussschalen, Flößen und schwimmenden Kisten aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen und eine vermeintlich bessere suchen, ohne Zielkenntnisse, als Opfer ansteckender Massenreaktionen, falscher Gerüchte, Menschenhändler und Profiteure.

Von Haiti bewegen sie sich in Richtung USA, Mexiko und andern karibischen Inseln, wo das Geld überall leichter winkt, aber auch in X-anderen Weltregionen sind sie unterwegs und gehören ins Kapitel der Völkerwanderungen. So sind auch die ältesten Ureinwohner Haitis selbst, die Taino-Indianer, vor zwei- bis dreitausend Jahren aus Venezuela auf ähnliche Weise angepaddelt und können als Boat-People bezeichnet werden.

Ihre Züge haben vorherrschende Richtungen, gegen bessere Wasser- und Nahrungsquellen, Meeranstoss und Hafenlagen, oder Geld- und Arbeitsressourcen. Da sich die Züge überkreuzen oder zuwiderlaufen können, müsste man eigentlich von „Kreuzfahrten“ sprechen.

„Kreuzen“ nennt man auch das Segeln gegen den Wind. Schon der „Entdecker“ Kolumbus ist mit seinen Segelschiffen aufgekreuzt und hat die Inseln berühmt gemacht ( und ausgenommen ), und Händler wie auch Piraten erlangten große Fertigkeit in diesen Sportarten, dem Segeln, und dem Ausnehmen. Ja, Segeln auf großen und kleinen Booten wurde ein Sport, Segelrennen über die Ozeane kamen in Mode und „Kreuzfahrten“ in Mehrmastern wurden ebenso Mode wie in Luxusyachten oder im Katamaran. All die Fahrer sind Boat-People in weitestem Sinn, und die Aufzählung könnte noch verlängert werden.

Ein Kreuzfahrtsschiff ist eigentlich ein Passagierschiff, dessen Aufgabe nicht die Beförderungsleistung der Passagiere von einem Hafen zum andern, sondern die Kreuzfahrt an sich ist. Dabei liegt das Schiff eine Zeitlang vor einer touristisch attraktiven Gegend vor Anker. Die Passagiere gehen tagsüber meist an Land zum Badevergnügen und Umher tollen, zum Essen und Schlafen kehren sie auf die schwimmende Arche zurück. Kreuzfahrten sind vor allem berühmt für ihre kulinarische Kunst, Schlemmern gilt als Haupterlebnis einer Kreuzfahrt.

Kreuzfahrten wurden zum Statussymbol. Wer etwas auf sich hält, bucht von Zeit zu Zeit so eine Urlaubsreise auf einem möglichst ausgefallenen Kreuzfahrtsschiff. Und da die Kreuzfahrt-Passagiere die Fahrt ebenso zur Suche nach anderen Lebensbedingungen und anderen Weltregionen verwenden und dem Alltag per Boot entfliehen, kann man sie mit Fug und Recht ebenfalls als „Boat-People“ bezeichnen.

Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn heute legt das neueste, verrückteste, größte, teuerste, „superlativste“ Luxus-Kreuzschiff der Welt auf der Jungfernfahrt in Haiti-Labadee an, und die reichsten Boat-People der Welt besuchen die ärmsten, und kommen ganz bestimmt nicht mit leeren Händen. Die Wahl dieses ersten Ankerziels für die rund 6000 Gäste aus der Anderen Welt in der ersten Adventswoche ist eine außerordentlich beglückende Geste, die durch baldige weitere Landungen ergänzt werden soll.

Ein symbolischer Beitrag zur Völkerverständigung und eine Hoffnung auf Sieg über die Armut, ein Funke der bei Tausenden von Anwesenden und bei Millionen von Fernsehzuschauern auf der ganzen Welt zünden wird. Wünschen wir, dass dieser Funke einen weltweiten Flächenbrand entfacht, nach Manier der Haitianer, die nach alter Väter Sitte nach der Ernte ihre Felder anzuzünden pflegen, in der Überzeugung, diese werden dann in der Zukunft doppelt so viel Früchte tragen. Mit dem modernen Internet müsste das ja, so gut wie mit dem uralten Feuer, eigentlich möglich sein.

Noch versteckt sich das Christkind vor der Tür; in welchem der beiden People-Boats verbirgt es sich wohl unserem neugierigen Blick? In den Träumen unserer Kinder und derer von hier und von drüben spielt das keine Rolle. Lasst uns gemeinsam mit den Menschen von Haiti einen grandiosen vorweihnächtlichen Traum spielen: das schöne Märchen vom Goldregen möge sich bewahrheiten !

Anlässlich des Besuches der “Oasis of the Seas” in Haiti wird latina-press exklusiv von der Ankunft berichten

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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