Bergwerks-Drama bringt Chile und Bolivien näher zusammen

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Datum: 13. Oktober 2010
Uhrzeit: 17:02 Uhr
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Autor: Dietmar Lang
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► Feindseligkeiten rücken derzeit in den Hintergrund

Mit der Rettung des bolivianischen Staatsbürgers Carlos Mamani in der Mine San José könnte eine Wende in den diplomatischen Beziehungen zwischen Chile und seinem Nachbarstaat Bolivien eingeleitet worden sein. Fröhlich und ungezwungen zeigten sich Chiles Staatspräsident Sebastián Piñera und sein bolivianischer Amtskollege Evo Morales gemeinsam am Krankenlager des einzigen Nicht-Chilenen unter den verschütteten Bergleuten, und auch in der anschließenden Pressekonferenz wurde deutlicher Optimismus einer neuen Einigkeit versprüht.

Was Diplomaten im letzten halben Jahrhundert nicht zustande gebracht haben, die könnte Mamani nun erreicht haben. Dafür musste er „lediglich“ 69 Tage in der Tiefe ausharren. Denn beide Länder denken inzwischen immer stärker über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen nach, die vor 48 Jahren unterbrochen wurden. Streitpunkt dürfte jedoch auch weiterhin der von Bolivien geforderte Zugang zum Pazifik sein, den der heutige Binnenstaat im Salpeterkrieg (1879-1884) verloren hatte. Jegliche Verhandlungen darüber lehnt Chile kategorisch ab, Morales selbst hatte noch im Juli ein mögliches „Tauwetter“ zwischen den Staaten genau davon abhängig gemacht.

Am Mittwoch war von den Spannungen jedoch rein gar nichts zu spüren. „Danke, im Namen des bolivianischen Volkes. Ich weiß nicht, wie wir das je zurückzahlen können“ dankte ein ergriffener Evo Morales vor laufenden Kameras seinem Amtskollegen, der in der Nacht zuvor am Bohrloch gemeinsam mit der Frau des Bergmanns ausgeharrt und sogar ein bolivianisches Fähnchen in die Hand genommen hatte.

Dem Geretteten ist jedoch seine Staatsangehörigkeit keinesfalls so wichtig wie den Politikern. Er fühle sich eher wie ein Chilene, liess er zuvor immer wieder verlauten. Vor drei Jahren hatte er der Arbeitslosigkeit in seinem Heimatland den Rücken gekehrt und war nach Chile gegangen. Auch seine Frau hatte in den vergangenen Tagen stets betont: „Wir sind ganz Chile dankbar, niemand hat uns aufgegeben.“

Evo Morales hat jedoch schon Pläne geschmiedet. Er möchte Mamani mit der Präsidentenmaschine gleich zurück in die Heimat bringen, wo bereits ein Haus und eine Arbeitsstelle auf ihn warten würde. Natürlich müsse dies die Familie gemeinsam entscheiden, so das bolivianische Staatsoberhaupt. Wie sich der frisch gerettete Kumpel entscheidet, ist noch unklar. Von den Ärzten hat er jedoch bereits grünes Licht erhalten.

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