Ecuador: Weltsozialforum für Migration

migration

Datum: 14. Oktober 2010
Uhrzeit: 21:54 Uhr
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Meine heutige Station ist Quito, die Hauptstadt Ecuadors, die vor einigen Wochen wegen Unruhen und einem vermeintlichen Staatsstreich auch in Deutschland in den Nachrichten war. Etwa zwei Wochen später sind immer noch militärische Sicherheitskräfte in der ganzen Stadt präsent. Doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen, obwohl dies auch die Teilnehmerzahl und Ansprachen auf der Konferenz, über die ich berichten werde, beeinflusst hat: das Weltsozialforum für Migration.

In den letzten vier Tagen kamen Repräsentanten, vor allem zivilgesellschaftlicher Organisationen und Bewegungen aus aller Welt zusammen, um über die aktuellen Problematiken der Migrationsflüsse zu debatieren. Das Forum stand unter dem Motto „Menschen in Bewegung für Global Citizenship: das Modell durch die Konstruktion von Akteuren stürzen“. Dabei waren die Hauptaktionsfelder „Globale Krisen und Migrationsflüsse“, „Menschenrechte und Migration“, „Vielfalt, Zusammenleben und sozialkulturelle Transformationen“, „Neue Formen der Sklaverei, menschlichen Ausbeutung und Leibeigenschaft“.

Ich zähle das auf, weil es unglaublich ist, mit welchen Themen wir uns im 21. Jahrhundert ernsthaft und auf globaler Ebene auseinandersetzen müssen, weil genau das tagtäglich auf der ganzen Welt passiert: Menschen, müssen ihr zu hause verlassen, weil es inzwischen, neben Konflikten und Kriegen durch die globale Marktwirtschaft und deren Folgen in vielen Orten auf der Welt unmöglich geworden ist, ein würdevolles Leben führen zu können.

Diese Menschen werden kriminalisiert, verschleppt, verkauft, festgenommen, abgeschoben, oder zu vielen Jahren bis lebenslang in Arbeitsverhältnisse gezwungen, die buchstäblich neue Formen der Sklaverei sind. Vorrausgesetzt sie kommen auf den fast grundsätzlich gefährlichen Migrationsrouten, wie zum Beispiel von Afrika nach Europa oder Mittelamerika nach Nordamerika nicht um.

Dass dies Beispiele für die rigurose und systematische Verletzung gegen jegliche Menschenrechte sind, liegt auf der Hand und diese Situation wird die allgemeine wirtschaftliche Lage noch akzentuiert. Dass Migranten allerdings grundsätzlich die in Wirtschaft durch ihre schlechtbezahlte Knochenarbeit und die Ersparnisse, die sie an ihre Herkunftsländer schicken, einbringen, ist in manchen Ländern, vor allem Europas fast Tabuthema geworden.

Leider haben Migranten nur in den wenigsten Fällen die Möglichkeit, ihre Bürgerrechte effektiv geltend zu machen, vor allem wenn sie von lokalen burokratischen und rechtlichen Strukturen eingeschüchtert werden und zum Großteil nicht einmal über ihre Rechte Bescheid wissen oder aufgeklärt werden. In der Hinsicht gab es viel Austausch auf dem Forum, allerdings fehlten wirklich neue Denkansätze. Die Süd-Nord-Orientierung der Debatten war allgegenwärtig, wo es doch interessant wäre, die Interessen der afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten zu vereinen und auf der Ebene neue Kooperations-und Aktionsmöglichkeiten zu finden.

Zumindest waren sich jedoch alle Repräsentanten einig: die neoliberalen Strukturen sind grundsätzlich die Auslöser für massive Migrationsströme, wobei gleichzeitig die Länder, die diese Strukturen fördern, letztendlich die Grenzen immer weiter schließen. „Wie kann es sein, dass Gelder und Güter immer schneller und unkomplizierter reisen können, während Menschen immer weiter von diesen Prozessen ausgeschlossen werden?“ fragt ein Teilnehmer. Vielleicht sollten wir vor allem in Europa grundsätzlich die Debatte über Migration grundsätzlich einmal in diese Richtung bringen.

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Katrin Wilkniss kennt die Problematik der gerechten Verteilung von Ressourcen für soziale Initiativen in Lateinamerika. Mit ihrer Kolumne will sie denjenigen eine Stimme geben, die dort arbeiten, wo die Gelder der Entwicklungshilfe ankommen.

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