Alle Jahre wieder: Die Touris kommen

Ankunft-2

Datum: 08. Dezember 2009
Uhrzeit: 14:12 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Ankunft-2Die Touris, sie kommen. Sie kommen in Massen (ich spreche von der DomRep), man ködert sie wie die Fische, mit allen Mitteln: mit Sonne, blauem Himmel, weißem Sand, grünem Meer, schwarzer Haut. Und, fast vergessen, mit fiel fiel Essen (ich schreibe „viel“ mit „F“ wie „Fressen“ und „falsch“ mit „V“ wie „Voll“ ).

Item, bevor sie mich noch ganz durcheinander bringen, die Touris, sie kommen in die Dominikanische Republik zur Kreuzfahrt, aber nicht zum Reisen, sie wissen nicht wo sie sind, sie kommen zum Schlemmern. Hier (fr)isst man sich voll, Tag und Nacht, so viel man will. Eben „à gogo“.

Oder man kommt mit dem Sexbomber, oder einer Chartermühle, oder einem anderen Touri-Transporter. Und landet im Beach Club, X000 Zimmer, alles besetzt, aber viel Sonne, blauer Himmel, weißer Sand, grünes Meer, schwarze Haut. Und, das wichtigste fast vergessen, viel viel Essen, man (fr)isst sich voll, Tag und Nacht, so viel man will, „à gogo“.

Man kommt zum Schlemmern, nicht zum Baden, oder sonstwas. Draußen wartet der Touri-Bus, oder der 4×4, für denTransport zum Hotel (das Gepäck folgt später). Eigentlich sind die Touris schon so vollgepfropft dass nichts mehr reingeht, dass es unbegreiflich wird, dass die noch wegen des Schlemmerns kommen. Man muss nicht einmal genau hinsehen.

Sie bringen die Wirtschaft zum Laufen. Man zahlt ja Lande- und Hafengebühren, Grenz- und Touri-Taxen, tausende von Dollars Pauschalgebühren, „Alles inbegriffen“, Mehrwertsteuern, kauft Andenken, von den Armen, und gibt Trinkgelder. Davon lebt etwa der Driver unseres 4×4, samt seiner Frau und den fünf Kindern zuhause. Den „Lohn“ hat er noch nie gesehen, Löhne behalten die Bosse grundsätzlich für sich. Wenn er die Nutzgebühren für das Fahrzeug abrechnet, bleibt auch vom Trinkgeld nichts mehr übrig.

Nicht anders im Hotel, auf Deck, oder wie die Dinger heißen. Tausende von Angestellten, glauben die Touris, viel schwarze Haut, auch die leben von den Trinkgeldern, oder häufig von nix. Die Têtes-Boeufs ( Luxuskarossen ) ihrer Bosse müssen ja unterhalten werden, und die Unterhaltung für die Gäste ist nicht billig.

Wie schnell sind die Tage hier vorbei, bei Schlemmern und Entertainment, und schon geht es wieder zurück in den Alltag, den grauen. Ohne Sonne, blauen Himmel, weißen Sand, grünes Meer, schwarze Haut. Mit leerem Geldbeutel, und überzogenen Kreditkarten. Man lebt wieder von Hamburger, Fett-, Salz- und Zuckerspeisen. Die nächsten Schulden macht man beim Arzt, und wenn man wieder eine anständige Figur macht (wenn überhaupt), beginnt das Sparen erneut. Für die nächste Schlemmertour. Das hält die Wirtschaft am Laufen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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  1. 1
    Joern

    Jojo, die Touristenbomber… Ein sehr schöner Bericht, gefällt mir…

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