Gefängnisse in El Salvador: Angelpunkt des organisierten Verbrechens

prisao

Datum: 04. November 2010
Uhrzeit: 09:56 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)
► Hort der Kriminalität

Jahrzehnte der Vernachlässigung, Korruption und Kriminalität haben El Salvadors Gefängnisse zu einem Hort der Kriminalität gemacht. Angesichts chronischer Überbelegung ist von Rehabilitation keine Rede mehr, im Gegenteil die Gefängnisse wurde zur Kaderschmiede für Verbrechen.

Nach Regierungsangaben werden etwa 80% aller Erpressungen von den Gefängnissen aus mit geschmuggelten Mobiltelefonen koordniert. Familienmitglieder und korrumpierte Gefängniswärter versorgen die Häftlinge mit Handys und Aufladegeräten. Im März 2009 plante der wegen Mord zu 30 Jahren Haft verurteilte Darwin Ticas die Entführung von 11 Personen in San Miguel.

Die vom Gefängnis aus geplanten Verbrechen tragen beträchtlich zur wachsenden Kriminalität bei, welche El Salvadors Gesellschaft zu zerreißen droht. Selbst in Hochsicherheitsgefängnissen werden immer wieder verbotene Gegenstände konfisziert. Allein im August wurden 14.000 Gegenstände gefunden, darunter über 1.300 Handys und eben so viele Computerchips sowie mehr als 400 Akkus.

Ohne Kooperation des Wachpersonals ist dies nicht zu erklären, daher wurden in den letzten Monaten über 90 Wärter entlassen. Präsident Funes ordnete sogar militärische Patrouillen in der Umgebung der Gefängnisse an, um den Schmuggel von Handys zu unterbinden.

Außerdem rächen sich jetzt Jahrzehnte der Unterfinanzierung des Strafvollzugs. El Salvadors Gefängnisse sind auf eine Kapazität von 8.100 Insassen ausgelegt. Derzeit sind jedoch 24.000 Häftlinge auf engstem Raum eingesperrt – eine Überbelegung um 300%. Die Folge davon sind katastrophale hygienische Bedingungen, schlechte Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser sowie die Unmöglichkeit von Rehabilitationsprogrammen. So beklagt Menschenrechtsombudsmann Oscar Luna den schlechten Einfluss von Schwerverbrechern auf Jugendliche unter derart beengten Bedingungen.

Ähnliche Zustände herrschen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ips auch in anderen Ländern Lateinamerikas, wie Mexiko und Brasilien. Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft in Mexiko werden dort 60% der Gefängnisse und Rehabilitationszentren für Jugendliche von der Drogenmafia kontrolliert. Dieser Einfluss führt in Mexiko auch zu Morden in den Gefängnissen.

Anzeige
wandere aus, solange es noch geht

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

Publiziert in News-Partnerschaft ► El Salvador InfoblogEl Salvador-Info
© 2009 - 2016 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!