Flugzeugcrash: Altkommunisten in Havanna schweigen sich aus!

Datum: 05. November 2010
Uhrzeit: 18:42 Uhr
Ressorts: Editorial
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Auf Kuba ist vor ungefähr 24 Stunden ein Flugzeug abgestürzt. Dieses tragische Ereignis sollte eigentlich nicht für eine Kolumne taugen und doch veranlasst es mich, wenigstens ein paar Zeilen darüber zu schreiben. Denn die Informationspolitik des kommunistischen Landes lässt wie gewohnt zu wünschen übrig. Den ganzen Tag über habe ich mich mit der Thematik beschäftigt und erlebe nur eines, welches ich bezeichnend finde: kaum Infos und dann noch vermutlich die Falschen.

Nicht dass bereits Details über das Unglück hinaus in die Welt getragen wurden, sie werfen jedoch mehr Fragen auf als sie Antworten geben. Und ich spreche dabei noch nicht einmal von einer möglichen Unglücksursache, die mit Sicherheit am Ende nur die Experten klären können. Nach Jahrzehnten des Castro-Regimes zeigt so eine Katastrophe mal wieder die Schwächen des Systems. Keine deutlichen Informationen über die Staatsmedien oder die zuständigen Behörden. Lokalzeitungen und die Parteijugend berichten ausführlich und doch wiederholen sie nur das, was im Staatsfernsehen bereits am Vormittag vorgetragen wurde.

Die zivile Luftfahrtbehörde ist nicht erreichbar, Telefon und Internet zu dem abgeschotteten Inselstaat ist faktisch zusammengebrochen. Eine Webseite der staatlichen Fluggesellschaft Aerocaribbean gibt es nicht, und die Führung in Havanna meldet sich derzeit mehr als diskret zu Wort. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung fehlt völlig, die der Luftfahrtbehörde ist so gehalten, also würde jeder Buchstabe einzeln berechnet.

Eine Meisterleistung war dann auch die Veröffentlichung der Passagierliste, die gleich mehrfach noch korrigiert werden dürfte. Waren nun zwei Österreicher [Austria] an Bord und waren es doch Australier [Australia]? Die Nachnamen lassen darauf schliessen, aber auch nach 12 Stunden ist das Rätsel noch nicht gelöst. Auch die Auslandsvertretungen tappen mehr oder minder im Dunkeln. Während in Kuba von 9 Todesopfern mit argentinischer Staatsbürgerschaft gesprochen wird, bereitet man sich im Land der Gaúchos bereits auf einen mehr vor. Mag sein, dass die Fehlermargen in Kuba im Laufe der Revolution an Bedeutung verloren haben, in anderen Ländern zählt man die eigenen Verluste eben etwas akribischer.

Interessanterweise sind jedoch in den Morgenstunden anstelle detaillierter Informationen über Unglück und Co. die ersten hochauflösenden Fotos der Leichen im Netz gelandet. Von privater Hand hochgeladen. Auch wieder etwas, was zum Nachdenken anregt. Motive und Hintergründe sind unbekannt. Die staatliche Nachrichtenagentur ACN wartete am Abend mit der Schlagzeile auf, dass der spanische Ministerpräsident Zapatero kondoliert hat. Sie bezieht sich dabei allerdings nicht auf Regierungskreise im eigenen Land sondern auf die spanische Nachrichtenagentur EFE.

Abgerundet werden die in alle Welt verbreiteten Meldungen inzwischen durch die angeblichen Augenzeugenberichte. „Sie flog tief, machte komische Flugbewegungen und kam runter“ lautet der Tenor derzeit. Anschliessend sei sie explodiert. 40 Kubaner und 28 Ausländer tot. Mit Feuerlöschern (!!!!) sei der Brand bekämpft worden, hunderte Freiwillige hätten sich durch das unwegsame Gelände vorgekämpft.

Nun wurde die Blackbox gefunden. Das melden die Jungkommunisten. Die Altkommunisten lassen sich durch so etwas nicht aus ihren Revolutionsträumen reißen und schweigen weiter. Erstmal abwarten. Hat ja die letzten Jahrzehnte auch funktioniert.

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Die Kolumne von latinapress Herausgeber Dietmar Lang – Gedanken und Erfahrungen über das Leben in Lateinamerika und der täglichen Berichterstattung von Nachrichten aus Südamerika und der Karibik.

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  1. 1
    Chris

    Geht es hier um das tragische Ereignis Flugzeugabsturtz oder um einen Koomunismus der nie einer war ? Was ist an “ Feuerlöschern “ denn nun wieder schlimm? Ist doch absolut lobenswert das diese Leute sich den Weg gebahnt hatten um zu helfen , und das überhaupt Löschmittel vorhanden waren .
    Das die Kommunikation mit ausländischen Medien noch nie die Stárke solcher Gesellschaftsformen war ist auch kein Geheimnis.
    Logisch das es so natürlich auch nicht geht , die entsprechenden Botschaften sollten schon lángst ausreichend informiert sein , egal ob Sozialismus oder nicht..

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