Schlechte Haftbedingungen: Erneut Tote bei Gefängnisrevolte in Brasilien

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Datum: 10. November 2010
Uhrzeit: 16:09 Uhr
Ressorts: Brasilien, Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► Häftlinge fordern Anwesenheit von Presse und Menschenrechtlern

In Brasilien hat es nach einer Revolte in einem Gefängnis erneut mehrere Tote gegeben. In der Haftanstalt Raimundo Vidal Pessoa in der Amazonas-Metropole Manaus haben Häftlinge eines Zellenblockes am Mittwoch gegen 11 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) einen Aufstand angezettelt. Sie verwüsteten zahlreiche Zellen und steckten Matratzen in Brand. Zudem nahmen sie vier Mitarbeiter des internen Sozialdienstes und zwei Vollzugsbeamte als Geiseln.

Unter den insgesamt 828 Insassen hat es nach Angaben der Gefängnisleitung zudem drei Tote gegeben. Sie sollen während der Meuterei einem Bandenkrieg unter den Häftlingen zum Opfer gefallen sein. Die Häftlinge hatten nach Beginn der Ausschreitungen in ihren Trakt zurückgezogen und verschanzt. Von dort aus forderten sie die Anwesenheit von Vertretern der Presse und Menschenrechtsorganisationen, um auf die prekären Haftbedingungen aufmerksam zu machen. Das Gefängnis ist lediglich für 200 Häftlinge ausgelegt.

Am Nachmittag wurde zunächst eine Geisel im Austausch gegen Trinkwasser und Elektrizität freigelassen. Gegen 17 Uhr Ortszeit (20 Uhr MEZ) kamen dann auch die übrigen Mitarbeiter frei, die Häftlinge kehrten in ihre Zellen zurück. Ein Spezial-Einsatzkommando hatte den ganzen Tag über mit den Meuterern bezüglich einer friedlichen Lösung verhandelt.

Währenddessen waren die Insassen eines weiteren Zellenblocks, vornehmlich Sexualverbrecher, aus Sicherheitsgründen in den Hof der Anlage gebracht worden. Dort mussten sie nur mit Unterhosen bekleidet stundenlang ausharren.

Erst am Montag war es in der Küstenstadt São Luís im Nordosten Brasilien zu einem Aufstand in einem völlig überbelegten Gefängnis gekommen. Auslöser waren laut den Aufständischen ebenfalls die miserablen Zustände in der Anlage sowie der unzureichende Zugang zu Trinkwasser. Im Zuge der Meuterei wurden 18 Insassen von den eigenen Mithäftlingen ermordet, drei davon sollen brutal geköpft worden sein. Auch hier waren mehrere Beamte als Geiseln genommen worden, ein Polizist wurde schwer verletzt. Erst nach 30 Stunden hatten die Einsatzkräfte die Haftanstalt wieder unter ihrer Kontrolle.

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