Haiti: Jetzt morden, brandschatzen und plündern sie auch noch gegen die Blauhelme

blauhelme

Datum: 17. November 2010
Uhrzeit: 03:42 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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Neben der täglich noch mehr explodierenden Cholera, die nun auch offiziell die Dominikanische Republik erreicht hat, breitet sich rasch eine neue Seuche aus, die Anti-Minustah-Bewegung. Die Minustah ist die UNO-Bewegung zur Stabilisierung des Landes, die mit über 10’000 Blauhelmen zum mindesten so viel Sicherheit ins Land gebracht hat, dass schon etwas Hilfe und Entwicklung möglich war, dass aus tausenden echter und fiktiver Hilfsorganisationen eine neue Industrie wurde und die rudimentäre legale Regierung immer mehr aus dem Sagen verdrängen. Im Dreinreden waren die Mächtigsten schon immer die besten, auf der Welt, und in der Geschichte. Das Volk spricht schon lange von Neo-Kolonisierung und von Förderung der Interessen Onkel Sams, statt denjenigen des Fußvolkes. Haïti beginnt zu brennen.

In diese Stimmung hinein, die wie ein Brandbeschleuniger wirkt, platzt jetzt die Brandbombe, der Beweis, dass die Cholera, die andere Bombe, von nepalesischen UNO-Soldaten eingeschleppt wurde. Natürlich ein Unfall, aber ein Unfall mit Folgen bei Menschen, die Feuer im Blut haben – jetzt darf ich wohl auch mal verallgemeinern. Und Feuer ist ansteckend wie die Cholera, und alles beginnt zu brennen. Zuerst brannte die Polizeistation von Cap Haitien, der zweitgrößten Stadt des Landes, und alles rundum wurde angezündet, geplündert, es gab Tote und Verletzte, es herrscht Krieg. Krieg zwischen den Truppen der UNO, die solches verhindern sollten, und den Menschen mit dem Feuer im Blut, die alles anzünden und das Verschwinden der nepalesischen Truppen aus dem Land fordern. Die die Cholera gebracht haben. Ganz Haiti brennt.

Manifestationen in andern Städten des Nordens und in Cayes, größter Stadt im Süden. Über Tote und Verletzte dort weiß man noch nichts. Die Minustah soll schleunigst die Zelte abreißen und den Menschen rechte Häuser bringen, skandieren die Massen. Und Reparationen leisten, für die Cholera-Opfer entschädigen, die Verantwortung übernehmen. Und heute Dienstag früh wird auf Donnerstagmorgen zu Manifestationen in der Hauptstadt aufgerufen. Vor dem Gesundheitsministerium. Und die ganze Minustah soll verschwinden, die Truppe der Welt. Unverzüglich. Haiti brennt lichterloh, nur der Präsident hat sich noch nicht dazu geäußert, bisher. Wie immer. Er zeigt immer noch, wie man die Hände waschen muss, wie bisher. Ganz Haiti brennt. Und im ganzen Drama läuft die Wahlschlacht um einen neuen Staatschef weitert. Und fordert ihrerseits schon täglich Tote.

Nach meinem banausischen Wissen müsste man jetzt alle Menschenansammlungen verhindern, auch die Demonstrationen von Donnerstag. Die Armee der Welt wird sich kaum von Prüglern und Brandschatzern zwingen lassen, einen Einsatzbefehl zu verweigern, aber die Ansteckung wird sich in den Menschenmassen noch vervielfachen. Auch wenn ganz Haiti brennt, werden die Cholera-Bazillen immer noch genug Unterschlüpfe finden, um zu überleben und ihr Unwesen auch weiter zu treiben. Auch ohne Blauhelme aus Nepal und anderwso.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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