Lustvoll arbeiten macht glücklich

Betonieren

Datum: 18. Dezember 2009
Uhrzeit: 15:30 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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BetonierenKommt halt drauf an, was man darunter versteht. Unter Arbeit, und unter Glück. Nach dem Verständnis von Heinrich Glücklich ist glücklich „wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“, auch nach der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß. Nach meinem Verständnis gar nicht, dazu fehlt mir der Fatalismus. Und Jeanne Hersch sprach vom „Glück der Kuh auf der grünen Wiese“. Ich finde dass man sein Glück sehr willentlich beeinflussen kann und soll. Das ist der Unterschied zur Kuh, die wohl über nicht sonderlich viel Willen verfügt. Glück kann man „auf der Wiese“, in einer Beziehung, bei einer Freizeitbeschäftigung, in der Religion, aber auch in der Arbeit finden. „Glück ein vielschichtiger Begriff, der Empfindungen von momentanem Glücksgefühl bis zu anhaltender Glückseligkeit einschließt, aber auch als ein äußeres Geschehen begegnen kann“.

Arbeitslosigkeit ist vorerst ein riesiges Problem und frustriert, kann aber auch eine Chance sein. Die gewonnene Zeit kann für Weiter- und Umbildungen genutzt werden, neue Teilzeitbeschäftigungen oder selbständige Arbeit können entstehen, Arbeitslosigkeit kann einen neuen Anfang und eine neue Chance bedeuten. Dabei muss wahrscheinlich der Lebensstandard neu angepasst werden, mindestens am Anfang. Es ist schwierig, den Lebensunterhalt zu sichern, speziell wenn noch Kinder zu versorgen sind. Trotzdem muss immer versucht werden, die Vorteile der Situation zu entdecken und zu nutzen.

Ein Arbeitsloser ist glücklich, wenn er wieder eine Arbeit findet. Es ist ein momentanes Glücksgefühl. Wenn ihm der Job zusagt, ihm weitere momentane Glückserlebnisse liefern, kann sich eine anhaltende Glückseligkeit einstellen. Nicht nur dass er nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen ist, nein er findet wenn möglich auch eine Erfüllung in der neuen Tätigkeit. Er hat eine Grundlage gefunden, um weitere Wünsche zu befriedigen. Vielleicht macht es ihn glücklich, andere glücklich zu machen und ihnen zu helfen – jetzt kann er das.

In einem bestehenden Arbeitsprozess ist es wichtig, Lust an der Arbeit zu empfinden – sonst ist die Suche nach einem anderen Job angezeigt. Ein Vorgesetzter soll versuchen, sein Team immer wieder neu zu motivieren, die Mitarbeiter zu fördern und zu beloben und aufzumuntern, Teambildung zu betreiben und bösartige Absichten wie Mobbing zu bekämpfen.

Momentanes Glücksgefühl erlebte ich immer wieder auf meinen Reisen, das später bei Rückerinnerung zur nachhaltigen Glückseligkeit wurde. Zum Beispiel machten mir in der Sahara stets die Kunstschmiede Eindruck. Sie zaubern aus Metallen freudvoll Kunstwerke, und sie verstehen sich aufs Zaubern generell – sind dortzulande angesehene Magier, Priester, Heiler, Weise und Berater. Sie haben eine andere Einstellung zur Arbeit. Jeder Schmied ist auch „Schmied seines Glücks.“

Ein anderes Glückserlebnis waren die Königsfrauen in Afrika. In Kamerun erlebte ich Frauen die in Gruppen singend und tänzelnd ihre großen, hölzernen Mörser stampften. In Haiti macht mir immer wieder Eindruck, wie Bauarbeiter während der Arbeit singen und sie ihr Gesang sichtlich anfeuert, zum Beispiel beim Betonieren. Solche Beobachtungen erfolgen meistens an Gruppen, aber auch bei der Arbeit singende Einzelpersonen habe ich erlebt, besonders Frauen. Da lässt sich doch bestimmt von einem Glückszustand sprechen, oder?

Ich habe auch Bauern gesehen, die hier zur Arbeit singen. Sogar Fischer die auf ihren Einbäumen singen und tanzen. Hier in Haiti wird mit Selbstverständlichkeit und Freude gearbeitet, wenn man Arbeit hat. Auch an Feiertagen, an Weihnacht, bis in die Nacht. Es gibt sogar „glückliche“ Arbeit ohne Entgelt. Dort wo das Nötigste gegeben ist.

Ähnliches ist mir in Europa kaum begegnet. Ich glaube, dass im Abendland die meisten arbeiten weil sie müssen, ihr Glück höchstens beim Schwatzen suchen, beim privaten Telefonieren oder Internetsurfen während der Arbeitszeit, oder nach der Arbeit in der Freizeit. Wie bekannt ist der Blick auf die Uhr, man erwartet ungeduldig Feierabend. Ich glaube dass diese Unglücklichen eben den falschen Beruf haben, zu dem sie in der Jugend gezwungen wurden. Weil es die Eltern so wollten. Und viele haben auch keine Lust und keinen Mut mehr um zu wechseln.

Wer aber Lust an seiner Arbeit hat, der wird auch glücklich sein. Auch wenn er seinem Glück nicht Ausdruck gibt wie die Afrikanerinnen oder die Haitianer. Wer Lust an der Arbeit hat, der braucht keine Freizeit, keine Ferien mehr. Denn dann würde er a la Hobby nur wieder dasselbe tun wie an seiner Arbeit. Dann lassen sich Arbeit und Hobby nicht mehr unterscheiden.

Ist Geld Glück? Mit Geld kannst Du ein Buch kaufen, aber kein Wissen. Mit Geld kannst Du eine Uhr kaufen, aber keine Zeit. Mit Geld kannst Du Luxus kaufen, aber kein Glück. Mit Arbeit kannst Du zu Geld kommen, aber noch besser zu Glück.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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