Technik hat ihre Tücken

Scarborough

Datum: 19. Dezember 2009
Uhrzeit: 11:45 Uhr
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Zum 50. Geburtstag meines Mannes flog ich zusammen mit einem befreundeten Paar nach Tobago. Ich war total neugierig, wie weit die Arbeiten am Haus inzwischen voran gegangen waren.

Joe hatte seinen Bautrupp anscheinend schwer unter Druck gesetzt. Die Männer hatten es tatsächlich geschafft, in kürzester Zeit das Gästehaus so weit fertig zu stellen, dass man provisorisch bereits darin wohnen konnte. Bei der Mentalität der Inselbewohner war dies eine unwahrscheinliche Leistung. Geplant war, dass das gesamte Haus fertig  sein sollte bis ich in drei Monaten kommen würde. Wir wollten ein großes Wohnhaus mit einer riesigen überdachten Terrasse für uns selbst haben, und daran angebaut ein Gästehaus mit zwei Studios. In diesem kleinen Gästetrakt konnten wir nun während des Urlaubs schlafen. In einem Studio waren mein Mann und ich untergebracht, im anderen unsere Freunde.

Die Arbeiter hatten uns auf die Schnelle aus Baudielen zwei Doppelbetten zusammen genagelt. Joe hatte entsprechende Matratzen gekauft, und damit das ganze etwas komfortabler wirkte, strichen die Männer diese Bettgestelle einfach mit grauer Estrichfarbe an. Die Matratzen vorher heraus zu nehmen, fiel ihnen jedoch nicht ein. Dass wir etwas verärgert waren, weil die neuen Matratzen total farbverschmiert waren, konnten sie nun mal überhaupt nicht verstehen. Es war doch nur Farbe, und die Matratzen konnten dadurch doch nur schöner werden, so dachten sie.

Natürlich war noch nichts perfekt. Wäsche wuschen wir, genau wie die Einheimischen am Fluss, nur dass wir nicht so geschickt waren wie sie, die vollen Waschkörbe auf dem Kopf zu balancieren. Es war alles noch ziemlich primitiv und abenteuerlich, aber es gefiel uns so. Bei der Kleinwäsche funktionierte das Waschen im Fluss ja noch einigermaßen gut. Manchmal fand ich jedoch noch Tage nach dem Wäschewaschen eine vermisste Socke oder eine Unterhose im Fluss, die von der Strömung weg gespült worden war. Bei der Bettwäsche wurde es schon schwieriger. Dies war jedes mal so anstrengend und zeitintensiv, dass wir uns entschlossen, eine Waschmaschine zu kaufen. Der Elektriker hatte im Haus mittlerweile die dafür erforderlichen Elektroleitungen verlegt. Voller Vorfreude fuhren wir nach Scarborough, der Hauptstadt der Insel zu einem kleinen Laden, der ein relativ großes Angebot an Elektrogeräten hatte. Zwar war es dort so eng, dass man ständig über irgendwelche Geräte steigen musste, um an andere heranzukommen, aber der Ladeninhaber bot seine Waren günstig an und darüber hinaus ließ er mit sich handeln. Wir entschieden uns für eine der besten, modernsten und teuersten Maschinen. Es gab Waschmaschinen, die nur kalt wuschen, andere schleuderten nicht, wieder andere pumpten kein Wasser ab. Es war unglaublich, was wir da zu sehen bekamen. Wir entschieden uns für eine „intelligente“ Maschine, ein wahres Wunderwerk, wie uns der geschäftstüchtige Inder versicherte. Natürlich verrieten wir ihm nicht, dass es sich in unseren Augen um ein ziemlich altertümliches Modell handelte.

Am nächsten Tag wurde die Maschine geliefert und wir probierten sie sofort aus. Man konnte mit drei verschiedenen Temperaturen waschen: Kalt, mittel oder heiß, und sie konnte schleudern! Welch ein Luxus! Doch als der Waschgang fertig war und ich die Wäsche aus der Maschine holen wollte, lag sie noch in der Waschbrühe. Also nochmals Abpumpen und Schleudern! Die Wäsche war immer noch tropfnass. Für uns war klar, die Maschine war defekt. Enttäuscht ging ich ans Telefon, um in dem Geschäft anzurufen. Sie würden am nächsten Tag Ersatz liefern und einen Spezialisten mitschicken, der erst mal die defekte Maschine checken sollte. Der Spezialist untersuchte die Maschine, und er wusste sofort, weshalb das Abpumpen nicht funktionierte. Er erklärte uns, der Absaugschlauch müsse ein Gefälle nach unten haben, sonst könne das Wasser beim Schleudern nicht herauslaufen. Es wurde uns klar, die Maschine hatte gar keine Abpumpvorrichtung! Es sei jedoch gar kein Problem. Wir sollten einfach den Boden zwischen der Maschine und dem Abflussrohr aufklopfen, um den Schlauch etwas tiefer ins Rohr einführen zu können, oder noch einfacher, die Waschmaschine auf einen Sockel stellen, um ein Gefälle herzustellen. Wir erklärten dem Mann jedoch, das einfachste wäre, wenn er die Maschine wieder mitnähme. Das tat er dann auch, und wir wuschen unsere Wäsche weiterhin am Fluss zusammen mit den Einheimischen. Später würden wir im Container unsere eigene Waschmaschine mitbringen.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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