Auswandern nach Tobago: Trautes Heim – Glück allein?

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Datum: 21. Dezember 2009
Uhrzeit: 16:21 Uhr
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Die Position meines Mannes als Bauherr gestaltete sich recht schwierig. Er hatte es nicht leicht. Regnete es am Morgen, so erschienen seine Leute einfach nicht zur Arbeit. Leider war dies während der Regenzeit, die von Mai bis Dezember dauerte, sehr häufig der Fall. War das Wetter jedoch schön, so gaben sie an, eine Pause zu benötigen, da sie in der heißen Sonne nicht arbeiten könnten. Kam er ihnen autoritär, so verließen sie ganz einfach die Baustelle und er stand alleine da. Irgendwann führte er ein, ihnen nach Erreichen eines gesetzten Wochenzieles ausreichend Rum zu spendieren. Und dies wirkte! Von da an wurde er von Ihnen akzeptiert und der Bau ging voran.

Die Männer arbeiteten auf der Baustelle meist mit nacktem Oberkörper und ohne jegliche Schutzkleidung. Sie trugen weder Handschuhe noch Schuhe oder gar Helme. Da gab es dann ab und zu schon kleine Unfälle, wenn zum Beispiel einer der Arbeiter in einen scharfkantigen Gegenstand trat und sich die Fußsohle aufschnitt. Dazu benötigte man jedoch keinen Verbandskasten oder gar einen Arzt.  Sie schütteten sich ein wenig Rum in die Wunde zum Desinfizieren. Gegen den Schmerz wurde ein ordentlicher Schluck aus der Flasche getrunken, und damit war das Problem behoben.

Manchmal wurde der Bau leider auch unfreiwillig gestoppt, weil  Sand, Ziegelsteine oder Bauholz nicht zu bekommen waren. Jegliches Baumaterial wurde von der Nachbarinsel Trinidad geliefert, und oft klappte diese Belieferung eben nicht, weil der Fährbetrieb zwischen den Inseln wegen Reparaturarbeiten oder dergleichen eingestellt worden war.

Das Baumaterial, das auf der Baustelle lag, musste nachts bewacht, also gegen Diebstahl gesichert werden. Einer der Arbeiter, der sowieso keine Bleibe hatte, übernahm dies. Er bereitete sich im Rohbau ein Lager aus den Materialien, und so hatte er wenigstens ein Dach über dem Kopf. Ohne diese Maßnahmen wären wir mit dem Bau nicht weiter gekommen, dafür aber irgendein Nachbar, der sich mit unseren Einkäufen seine Hütte ausgebaut hätte.

Das erforderliche Material für die Elektroarbeiten wollte unser Elektriker stets selbst einkaufen. Also gab mein Mann ihm das nötige Geld mit, er legte ihm nach dem Einkauf die Belege vor, und dann wurde abgerechnet. Dies klappte auch stets gut, bis er eines Tages nach dem Einkauf nicht mehr erschien, und wochenlang auch nicht auffindbar war. Später  erfuhr man, dass er bei einem Unfall sein Auto zu Schrott gefahren hatte. Für die Reparatur hatte er kurzerhand unser Geld verwendet. Natürlich ließ er sich bei uns danach nicht mehr blicken. Bei uns stoppte dadurch der Bau. Irgendwann später, als er dachte, über die Sache sei nun genug Gras gewachsen, kam er mit furchtbar schlechtem Gewissen und einem großen Sack Orangen aus seinem Garten wieder bei uns vorbei. Es tat ihm alles Leid und er bat darum, wieder arbeiten zu dürfen. Also gab Joe ihm eben zähneknirschend das erforderliche Geld für das Material noch einmal. Der Hausbau gestaltete sich schwierig und ich beneidete Joe nicht um diesen Job!

An einem unserer letzten Urlaubstage wollten unsere Freunde unbedingt Langusten essen. Wir beauftragten einen jungen Mann damit, uns diese Lobster, wie die Einheimischen sie nennen, zu besorgen. Er fand diese Tiere am Wasserfall unter großen Steinen. Ein paar Stunden später kam er mit einem vollen Beutel, in dem es nur so zappelte zurück. Als er mir den Beutel geben wollte, entdeckte ich, wie sich überall die großen Zangen und langen Fühler der Krebse durch die Tüte bohrten. Nein, das konnte ich nicht! Diesbezüglich war ich wahrscheinlich etwas empfindlich. Wenn ich mir vorstellte, dass ich diese zappelnden Tiere ins kochende Wasser werfen sollte, da wurde mir ganz schlecht! Ich sagte dem Mann, er solle mir die Tiere tot bringen. Am nächsten Tag kam er wieder und brachte mir die toten Lobster. Sie waren original wie er sie mir am Vortag geben wollte, in der gleichen Plastiktüte einfach in den Gefrierschrank gesteckt worden. Nun waren sie tief gefroren. Ich durfte nicht darüber nachdenken, welch langen Tod diese Tiere hatten erleiden müssen. Ich nahm auf jeden Fall an dieser Mahlzeit nicht teil.

Der Urlaub ging sehr schnell zu Ende und damit kam auch der Abschied für weitere Monate. Dann jedoch würde ich für immer nach Tobago kommen und bleiben. Mein Mann versprach beim Abschied noch, alles daran zu setzten, diese Zeit zu nutzen, um das Haus bis dahin fertig stellen zu lassen.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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