Unser Leben auf Tobago

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Datum: 09. Januar 2010
Uhrzeit: 10:39 Uhr
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So gingen die Weihnachtstage sehr schnell vorüber. Einen Tag  vor Silvester war dann der Urlaub unserer Tochter und ihrer Freundin zu Ende und wir brachten die Beiden zum Flughafen. Der Abschied fiel uns allen sehr schwer. Für mich war ihre Anwesenheit noch so etwas wie eine letzte Verbindung zur alten Heimat gewesen. Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht, denn wir stürzten uns mit Eifer in die Arbeit, von der es reichlich gab.

Der Alltag holte uns sehr schnell ein.

Das Zusammenleben mit den Insulanern, die meist sehr einfach gestrickt waren, tat uns manchmal ganz neue Welten auf. Es war erstaunlich und amüsant wenn sie erzählten. So berichtete mir beim Einkaufen in unserem kleinen Dorfladen einer unserer Nachbarn, sein Vater sei vor kurzem gestorben. Er erzählte mir, ihm sei eine Beule aus dem Hals gewachsen, die immer größer geworden sei. Meine Frage, ob er denn Krebs gehabt habe, verneinte er ganz entschieden. Er erklärte mir, seinem Vater sei vor einiger Zeit eine Kokosnuss auf den Kopf gefallen. Durch den Aufprall der Kokosnuss sei im Kopf alles nach unten gerutscht, und habe am Hals heraus gedrückt. Als er meine Ungläubigkeit bemerkte wurde er regelrecht böse denn er glaubte fest an seine Geschichte.

Eine Frau aus unserer Nachbarschaft warnte mich vor Skorpionen. Sie erzählte mir, sie sei vor kurzem von einem dieser Tiere gestochen worden, als sie sich hinter dem Haus im Gras ein Mittagsschläfchen genehmigt hatte. Sie gab an, sich selbst gerettet zu haben, indem sie sofort eine Handvoll Erde mit einem Glas Wasser vermischt, und dies getrunken habe. Dieses Gebräu ziehe das Gift aus dem Körper. Dies solle ich mir merken.

Und noch eine Geschichte, die ich bei den Fischern am Strand hörte. Sie diskutierten miteinander, woher die Algen im Meer kämen. Einer der Älteren erzählte, die Algen würden folgendermaßen entstehen. Wo das weiße Wasser der Karibik mit dem grünen Wasser des Atlantiks zusammentreffe, da entstünden Algen. Der Alte sprach so überzeugt davon, dass es überhaupt keinen Sinn machte, ihm zu widersprechen. Man stelle sich vor, dies gab ein Mann von sich, der Tag für Tag aufs Meer hinaus fuhr.

So bastelten sich diese Menschen eben ihre eigenen Theorien zusammen, die sie bereits von ihren Vätern gehört hatten und auch an ihre Kinder weitergaben. Und daran würde sich vermutlich auch nichts ändern. Sie lebten in ihrer eigenen kleinen Welt, und würden auch nichts dazu lernen, da sie sich aus ihren eigenen Reihen nicht entfernten. Einige von ihnen waren noch nie am anderen Ende der Insel oder hatten diese je verlassen. Viele hatten noch nicht einmal einen Pass, den sie benötigten, um einmal ausreisen zu können, denn der kostete ja Geld.

Doch so arm manche auch waren, wunderte ich mich doch immer wieder, wenn ich bemerkte, wie sie sich gar nicht bemühten, etwas zu ändern. Wenn ich zum Einkaufen in die Stadt fuhr, entdeckte ich auf den Straßen und den Gehwegen oft Geldstücke am Boden. Es handelte sich zwar nur um Centstücke, doch auch das war Geld, und keiner der Einheimischen bückte sich nach ihnen.

Ein paar hundert Meter von unserem Haus entfernt war der Platz, wo die Fischer am späten Nachmittag an Land kamen um ihre Fänge zu verkaufen. Sie hatten sich dort am Strand ein paar primitive Tische gebaut. Wenn sie ihre Fänge an Land gebracht hatten, dann blies einer der Fischer auf einer großen Muschel. Diesen Ton konnten wir von unserem Haus aus hören. Die Fische, meist Kingfische, die sie verkauften, waren zum einen fangfrisch und lecker, dazu auch noch billig. Manchmal spazierte ich am Meer entlang oder ich fuhr mit dem Fahrrad bis zu den Fischern. Meist hatte sich schon eine Schlange aus Wartenden gebildet. Ich war stets die einzige Weiße unter den Einheimischen. Anfangs beobachteten sie mich zwar etwas misstrauisch, jedoch mit der Zeit schmolz das Eis. Sie sahen, dass ich genau wie sie eben nur ein paar Scheiben Fisch kaufen wollte. Ich war außerdem ähnlich wie sie gekleidet. Wegen der Hitze nämlich meist nur in Shorts und  leichtem Oberteil. Oft waren auch meine Klamotten, genau wie ihre eigenen, nicht ganz sauber, da ich direkt von der Arbeit auf der Koppel, im Garten oder den Pferden kam.

Also unterschied ich mich optisch nicht all zu sehr von den Einheimischen.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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