Haiti: Nach der Wahl ist vor der Wahl

martelly

Datum: 15. März 2011
Uhrzeit: 08:57 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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Die Präsidentschaftskandidaten Martelly und Manigat wollen für einen schrittweisen Abbau der MINUSTAH kämpfen. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass Haiti seine Sicherheitsfunktionen aus eigener Kraft erfüllen kann. Die MINUSTAH ist eine Friedensmission der Vereinten Nationen in Haiti, die sich auf eine Resolution des Sicherheitsrates vom 30. April 2004 stützt, um gegen die von Haiti ausgehende Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit anzugehen. Die MINUSTAH nahm am 1. Juni 2004 die Arbeit auf. Das Mandat wurde mehrfach verlängert, zuletzt durch eine Resolution vom 13. Oktober 2009.

Truppensteller der militärischen Komponente von MINUSTAH sind Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Frankreich, Guatemala, Jordanien, Kanada, Korea, Nepal, Paraguay, Peru, Philippinen, Sri Lanka, Uruguay und die U.S.A. Die Polizeicorps der Mission werden durch Ägypten, Argentinien, Bangladesh, Benin, Brasilien, Burkina Faso, Chile, China, Cote d’Ivoire, El Salvador, Frankreich, Guinea, Indien, Jamaica, Jemen, Jordanien, Kamerun, Kanada, Kroatien, Kolumbien, Madagaskar, Mali, Nepal, Niger, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Ruanda, Rumänien, Russland, die Schweiz, Senegal, Serbien, Spanien, Sri Lanka, Togo, Tschad, Türkei, die U.S.A. und die Zentralafrikanische Republik gestellt.

Außer zerbrechlicher Sicherheit und zaghafter Entwicklung haben die Truppen in fünfstelliger Stärke Cholera, Verwirrung und viel Hilflosigkeit gebracht. Es ist ja auch viel verlangt Werte durchzuboxen, die das Weltgesicht will, aber immer größere Teile des Volkes nicht mehr. Demokratie, Politik, Abstimmungen, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Wahrheit, und wie die tausend fremden Werte noch heißen, haben allesamt versagt- die Menschen haben genug davon. Aber immer noch keine Wohnung – außer den Häuptlingen- und kaum zu essen.

Martelly und Manigat schmarotzen von dem Schlamassel und machen große Worte, profitieren von denen, die ihnen noch glauben. Es sind immer weniger. Dafür sind es immer mehr, die den Houngans und Geistlichen nach-, und in die Peristyle und in die Kirche laufen.

Ende Februar hat sich Michel Joseph Martelly in aller Heimlichkeit mit Präsident René Préval unterhalten, auch sein Cousin, Premierminister Jean Max Bellerive und einzelne Mitglieder des Wahlrats sollen daran teilgenommen haben. Martelly hätte sich für die Entgleisungen während der Schlammschlacht entschuldigt. Er bedauere die Vorkommnisse, die eben zu einer Wahlkampagne gehörten, welche wie ein Showgeschäft ablief.

Auch Präsident Préval zeigte sich versöhnlich und machte glauben, den Freundeskreis hätte hier im Nachbarland der Dominikanischen Republik nie ein Wässerlein getrübt. So wurde es auch für die Zukunft versprochen. Micky würde alles tun, um dem Noch-Präsidenten seine Dankbarkeit zu erweisen- falls er selber mit dem hohen Amt beehrt würde. Gemäß Zeugenaussagen aus dem Palast hätte Martelly jetzt auch die Unterstützung der Plattform INITE für seine Kampagne. Wenn der ausgebootete Jude Célestin die Politik Prévals wirklich weiterführen wolle, wäre er sogar bereit, zu dessen Gunsten auf seine Kandidatur zu verzichten. Sweet Micky hat sich auch verpflichtet, im Falle eines Sieges von allen politischen Verfolgungen abzusehen und jedermann in Haiti ein Leben in Würde und Sicherheit zu ermöglichen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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