Haiti: Im Nachbarland der Dominikanischen Republik finden zwei Welten nebeneinander Platz

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Datum: 18. März 2011
Uhrzeit: 09:40 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Hier in Haiti, dem Nachbarland der Dominikanischen Republik, finden zwei Welten nebeneinander Platz- eine normale und eine haitianische. Daran habe ich mich nach zwanzig Jahren längst gewöhnt, aber es bereitet mir immer wieder Schluckauf- jeden Monat. Zum Beispiel das ewige Schlange stehen. Die einen lieben das innig. Auf der Bank, vor der Bank, stunden- und selbst tagelang, sogar mit nächtlichem Biwak, in S- und SSS-Kolonnen (den mehrstöckigen S-Buchstaben in die Horizontale umgeklappt gibt es sonst gar nicht). Beim Kauf von Telefonkarten, zuweilen vor der Bäckerei, vor Hilfswerken- wenn es gratis Essen gibt, vor irgendwelchen Firmen- wenn man etwas bezahlen will. Zum Beispiel bei Hainet (Providerfirma) das Internet, fällig jeden Monat am Ersten.

Man trifft sich, man schwatzt sogar ohne Netzverbindung. Man wartet ja darauf, man ist deshalb hier. Die einen lieben das innig, ich gehöre zu den andern. Am Anfang machte ich das auch einmal mit, es war wohl das einigemal. Mit einer Flasche Rum und auf der Straße sitzend und später einem breitkrempigen Sonnenhut. Ich glaubte dennoch, auf das Schlangestehen verzichten zu können. Oder Melissa, meine Rechte Hälfte, davor zu bewahren. Ich versuchte, die monatliche Zahlung am Ersten durch einen Dauerauftrag an die Bank regeln zu können, bis auch Widerruf. Gesagt – getan, es funktioniert ja bestens. Pünktlich am Ersten jenen Monats zahlt SOGEBANK die 60 US$ Netzgebühr an HAINET, den Netzvermieter.

Ebenfalls jeden Monat, etwa 5 – 7 Tage später, stellt das Internet WIEDER ab, und ist sitze WIEDER ohne Verbindung oben in den Schwarzen Bergen. Und ihr arme Leser ohne Geschichtchen, draußen in der Welt. Ihr habt es schon selber gemerkt, jetzt kennt ihr den Grund (es gibt noch andere … ). Denn die Leute von Hainet, die merken das nicht. Und stellen WIEDER ab. Denn die wollen lieber gleich Bares sehen, sie wollen nichts von der Bank. Denn von dort können sie nicht so gut stehlen- von den Schlangen da draußen geht das besser.

Und so wiederholt sich das jetzt schon ein Jahr lang, getreulich nach jedem Monatsanfang. Das Geld liegt zwar dort bei Hainet, schon seit dem Ersten, aber die wollen das nicht gemerkt gaben. Trotz Reklamation jeden Monat. Sie lieben die Zickzackschlangen vor den Türen. Und wieder steht Melissa Schlange, diesmal einfach zum Reklamieren. Denn ein Telefon nehmen die grundsätzlich nicht ab. Da kommen höchstens alberne Sprüche, die Operateure seien alle besetzt, man solle es später versuchen, und so weiter. Und die Verbindungsausfälle betragen jetzt einfach ein paar Tage mehr, wegen dem Wiedereinschalten.

Sinnigerweise ist es derselbe, korrupte Schweinestall, in den mein Freund Ulli als falscher „Konsul von Indien“ einmal poltern ging, was unverzüglich Ordnung schaffte.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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