Osterbrauch in Haiti: Drachen bevölkern den Himmel

Osterdrachen-2

Datum: 18. April 2011
Uhrzeit: 14:58 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Hier in Haiti ist alles anders, das wissen meine unzähligen und treuen Leser bei latina-press seit langem – auch die Spiele und die Osterbräuche. Wimmer- und Plastikspiele, Roboter, Krächzer und Flimmerer beginnen ihr Unwesen, aber den meisten ist Kob (Geld) zu kostbar für Zeitvertreib.

In den Inselbergen verbreitet ist das Drachenspiel, das sich in der herrschenden Thermik völlig aufdrängt, während des ganzen Jahres und zu jeder Tageszeit. Kleine und große Kinder ergötzen sich an den wilden Kapriolen ihrer Papierdrachen, die hier auf Französisch „Cerf-Volants“ (Fliegende Hirsche) genannt werden. Drüben auf dem amerikanischen Festland gibt es auch Hirsche, die fliegen nicht und den Weg auf die Insel haben sie auch nie gefunden.

In Kréol nennt man sie „Caps“, aber „Fliegende Hirsche“ klingt noch schöner. Und gerade darauf achte ich gegenwärtig, weil ich für mein zweites Buch, das schon im Korrektorat ist, immer noch einen besseren Titel suche. Es hieß zuerst „Strolchenstreiche von Strick und Struck“, wobei mit dem Struck ein Jugendfreund von mir, mit dem Strick ich selbst gemeint war. Das Buch beschreibt mein Leben und Werden und ergibt einen Hintergrund, um meine späteren Bücher besser zu verstehen.

Nach dem ersten Lesen meines Manuskripts schrieb mir zu meiner Enttäuschung ein Freund, er rate mir dringend, den Titel neu zu erfinden. Erstens spiele Struck nur ganz am Anfang eine Rolle und zweitens seien das nicht bloß Strolchengeschichten, was ich zu bieten habe. Der Titel suggeriere ein Kinder- oder Jugendbuch, was es in keinem Falle sei. Damit spräche ich eine falsche Lesersparte an. Darüber hinaus werde „die wirklich bedeutende Persönlichkeit Otto Hegnauer durch diesen Buchtitel in einer fast lächerlichen Weise verniedlicht und verharmlost“ (danke für die Blumen). Das Lustige müsse ich nicht eigens suchen oder betonen, das liege einerseits in den Ereignissen, dann auch in meinen Zwischenbemerkungen und schließlich und vor allem in meinem Schreibstil. Also ging ich wieder auf Erfindertour.

„Von der Leseratte zur Erlebnisrakete“ stieg ein nächster Vorschlag. Der trifft zwar den Nagel auf den Kopf, töne aber etwas technisch und bedürfe noch einiger Würze. Würziger würde ein „Geier“ oder etwas milder ein „Drachen“ anstelle der „Rakete“ klingen, allerdings würde dabei auch ein „Cap“ aus Papier verstanden? Doch könnte mich auch der Gedanke an ein feuerspeiendes Ungeheuer keineswegs stören- und eine gewisse Zweideutigkeit möchte willkommene Neugier und Fantasie entfachen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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