Haiti – Dominikanische Republik: Schätze im Schutt

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Datum: 08. Mai 2011
Uhrzeit: 18:17 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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In den Krächen der Erosionskanäle der Welt gibt es noch Gold, auch in der Schweiz und in Haiti. Das ist ein Vorteil des Krachens – ich sage ja immer, bei jedem wüsten Übel müsse man zuerst die Vorteile suchen. Gold ist ein unsterbliches Naturgut. Es wird von der Erosion aus den Erdtiefen freigelegt, ungenutzt bergab getragen und landet schließlich wieder in neuen Gesteinsschichten.

Auf das Goldwaschen habe ich in Haiti verzichtet, das ist hier ohnehin verboten. Der Staat merkt nicht, dass die Goldgrübler durch ihre Arbeit materielle Werte schöpfen, bessere als die Gelddrucker in den USA! Hier will Staat Weltmeister im Stehlen bleiben, er duldet keine Konkurrenz. Er glaubt, die Goldwäscher stehlen ihm etwas – obschon sie in Wirklichkeit etwas Verlorenes retten, das sonst wieder dorthin geht, wo es halt hingehört.

Ich habe vor sechzig Jahren in den Krächen des Napfs (ein ehemaliger Berg- und Schuttkegel in der Schweiz) das Goldwaschen gelernt. Du hast richtig gelesen, dort gibt es richtige Goldwäscher-Kurse. Sinnigerweise wurde der meine von einer Bank angeboten.

Das größte Erlebnis war der innige Kontakt mit der Natur, der Genuss der Abgründe mit ihren wilden Launen und Stimmungen, ihren kaum je von Menschen betretenen, romantischen Felskulissen, den Lichtreflexen die manchmal bis in die Schluchtschlünde hinunter tanzen. Man fand das Gold als feinen Staub, gelegentlich in Körnergröße, und gelegentlich war es Pyrit und täuschte nur Gold vor. Ich habe meines verschenkt oder weggeworfen, denn solche, die so gierig sind auf Gold wie ich auf Abenteuer, die gab es immer.

Auch Goldwäscher gibt es überall wo Erosion und Flüsse wüten, und wo wüten die nicht. Haiti ist selbstverständlich prädestiniert dazu, mehr als die Schrunde des Entlebuchs oder Emmentals. Ich habe dort ganz ungewöhnliche Leute kennen gelernt. Und eine interessante Ausrüstung erstanden, statt einer Höhlenforscher- eine Goldwäscher-Ausrüstung. Die im einfachsten Fall nur aus einer gerippelten Plastikpfanne besteht. Die habe ich auch auf die Insel mitgenommen. Du kannst sie in meinem Hausschutt in Gresye finden und damit so richtig aufs Gold losgehen.

In einem Filmdöschen habe ich auch etwas selbst gesammelten Goldstaub nach Haiti mitgenommen und manchmal den Kindern gezeigt, da leuchteten ihre Augen wie im Goldfieber! Und niemand wurde staubig davon. Nun liegen Döschen und Goldstaub wieder dort wo sie hingehören, in gewöhnlichem Staub. Auf meiner Erdbebenruine kamen die Schatzsucher flugs. Sie fanden weder das Filmdöschen noch andere Schätze.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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