Merkwürdige Todesfälle auf Tobago

Kasper

Datum: 19. Januar 2010
Uhrzeit: 20:36 Uhr
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Eines Mittags beobachtete ich, wie Kasper, unser kleiner Karibikhund, aus dem Brunnen vor dem Haus gierig Wasser trank, sich anschließend krümmte und auf die Pferdekoppel torkelte, wo er sich erbrach. Ich ahnte sofort, dass jemand versucht hatte, ihn zu vergiften. Kasper ging es sehr schlecht. Er zitterte nur noch, bis er schließlich bewegungslos liegen blieb. Das Gift musste den kleinen Hund gelähmt haben. Er war bei Bewusstsein, konnte sich jedoch nicht mehr bewegen. Ich befürchtete, dass er sterben würde.

Da er anscheinend nicht in der Lage war zu schlucken, kam mir die Idee, ihm Wasser einzuflößen. Ich suchte nach der Spritzkanüle, die ich von den Impfungen der Hunde noch hatte, steckte sie ihm ins Maul und spritzte ihm das Wasser direkt in den Schlund. Es klappte! Dies wiederholte ich nun stündlich, auch nachts. Auch am nächsten Tag ging es ihm immer noch unverändert schlecht. Doch er lebte. Das einzige, was er bewegen konnte waren seine Augen. Mit diesen traurigen Hundeaugen blickte er mich dankbar an. Damit er bei Kräften blieb, mischte ich unter sein Wasser püriertes Futter. Aber sein Zustand änderte sich zwei Tage lang nicht. Dann in der darauf folgenden Nacht, als ich ihm wieder seinen Futterbrei einflößte, hob er auf einmal ein wenig den Kopf. Zuerst konnte ich nicht glauben was ich sah.

Mein  tapferer Hund versuchte mühsam aufzustehen. Es gelang ihm zwar nicht, aber ich wusste nun, es ging ihm besser. Nun schöpfte ich wieder Hoffnung, dass mein kleiner Kasper gesund werden würde. Ich war so glücklich, dass ich ihn heulend in den Arm nahm und wie ein Baby wiegte. Am nächsten Morgen, als ich ihn beim Namen rief, schaffte er es tatsächlich aufzustehen, und ein paar wackelige Schritte zu machen. Ab sofort erhielt er kräftiges Futter aus dem Napf und nach ein paar Tagen war er wieder gesund. Dieser kleine Hund dankte mir seine Rettung, indem er von da an nicht mehr von meiner Seite wich.

Ein paar Tage später ging es unserer Rusty, der Hündin aus der Heimat plötzlich sehr schlecht. Sie hatte schreckliches Nasenbluten, war sichtlich geschwächt und wollte nicht mehr fressen. In der Nacht wimmerte sie. Als ich mich zu ihr auf den Boden setzte und sie streichelte, wurde sie wieder ruhiger und schlief sogar ein. Während ich so bei ihr saß, kam plötzlich mein kleines ängstliches Kätzchen Krümele ganz aufgeregt von draußen herein gerannt. Ich nahm sie auf den Arm und streichelte auch sie, bis sie sich wieder beruhigt hatte. So saß ich also die halbe Nacht auf dem Boden. Auf dem Arm hielt ich meine kleine Katze, und gleichzeitig streichelte ich beruhigend unseren Hund. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass es das letzte Mal sein sollte, dass ich mein kleines Kätzchen an mich drückte.

Am nächsten Morgen ging es Rusty noch schlechter. Sie lag nur noch apathisch da. Wir fuhren mit ihr sofort zur Tierklinik. Der Arzt sah sich unsere Rusty genau an, war offensichtlich ziemlich ratlos, vermutete jedoch eine Zeckeninfektion. Er verabreichte ihr fünf bis sechs Injektionen. Angeblich zur Stärkung, gegen die Infektion, gegen Schmerzen, zur Beruhigung und alles Mögliche. Dann schickte er uns mit dem Hund wieder heim und versicherte, Rusty sei ein sehr kräftiges Tier und würde es überstehen. Wir wollten ihm glauben, weil es uns so ungemein beruhigte. Nachdem sie die Spritzen bekommen hatte war sie eingeschlafen und danach nicht wieder aufgewacht. Auf einmal jedoch zappelte sie unkontrolliert mit den Beinen, keuchte noch ein,zwei mal, und war tot. Ich wollte es nicht wahrhaben und begann sofort mit einer Herzmassage, worauf das kleine Herz auch tatsächlich nochmals kurz anfing zu schlagen, dann war es jedoch endgültig vorbei. Unsere Rusty, unser lieber treuer Hund war von uns gegangen…

Für uns stand fest, der Tierarzt hatte sie tot gespritzt. Es traf uns fürchterlich, vor allem meinen Mann! War der Hund doch die ersten Monate hier sein einziger Freund gewesen. Ganz früh am nächsten Morgen grub er am Flussufer unter einem hohen Baum ein tiefes Loch. Hier begruben wir unseren Hund zusammen mit seinem Lieblingsspielzeug. Wir legten einen großen Stein darauf, auf den ich „RUSTY“ schrieb, und ich pflanzte Blumen ein.

Nicht nur unseren Hund hatten wir verloren, auch mein kleines Kätzchen Krümele war in der Nacht nicht mehr aus dem Busch zurückgekommen. An einem Tag hatten wir also zwei unserer Tiere verloren. Es tat furchtbar weh und wir waren sehr deprimiert und traurig. Nun hatten wir nur noch unsere Katze Minou, die zwei Karibikhunde Fox und Kasper, und natürlich unsere Pferde.

Doch auch den kleinen braunen Fox sollten wir bald darauf verlieren.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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