Ich schaffe was ich will

Bambuszaun

Datum: 20. Januar 2010
Uhrzeit: 12:06 Uhr
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Eines Nachmittags wurde unser kleiner Hund Fox an der Uferstraße von einem Auto angefahren. Er war am Kopf ein wenig verletzt, ansonsten konnte ich keine großen Verletzungen feststellen. Nachdem ich ihm gegen die Schmerzen ein aufgelöstes Aspirin eingeflößt hatte, wickelte ich ihn in eine Decke und fuhr mit ihm zum Tierarzt.

Es war derselbe Arzt, der unseren Hund Rusty tot gespritzt hatte. Auch dieses Mal gab er dem Hund mehrere Beruhigungsspritzen, um ihn besser untersuchen zu können. Mein kleiner Fox schlief daraufhin ein. Er wachte nicht wieder auf, und starb noch auf dem Untersuchungstisch. Also kehrte ich total traurig mit dem toten Hund nach Hause zurück. Wir begruben ihn neben Rusty, wo ich dann auch einen großen Stein für mein vermisstes Kätzchen platzierte. Nun waren dort schon 3 Steine mit den Namen unserer Tiere….

Zu unseren eigenen Tieren hatte sich nun noch eine kleine Hündin dazu gesellt. Wir nannten sie Susi. Ich denke, sie war noch recht jung. Das arme Tier war total abgemagert. Susi hatte das Aussehen eines zu klein geratenen Schäferhundes, doch die Ohren waren die einer großen Fledermaus. Sie war sehr verschmust und dankbar für jedes Wort, jede Geste und natürlich für jeden Happen, den sie von uns erhielt. Leider war sie ein total geschundenes Tier. Über den ganzen Rücken verteilt hatte sie große offene Brandwunden, ebenso waren ihre Ohren eine einzige Wunde. Dies war die Art mancher Menschen hier, sich streunende Hunde fernzuhalten. Wenn die Hunde auf Futtersuche in die Nähe ihrer Häuser kamen, dann schütteten sie kochendes Wasser über die Tiere, um sie zu verjagen. Solche Dinge machten mich sehr traurig und wütend. Ich versorgte die Wunden von Susi regelmäßig mit Salbe, die ich für die Pferde mitgenommen hatte. Der Rücken heilte auch nach und nach. Jedoch die offenen Stellen an den Ohren kratzte sie sich immer wieder auf. Kurzerhand nahm ich zwei Tennissocken, schnitt sie ein Stück auf, stülpte diese jeweils über ein Ohr, und band sie unter ihrem Kinn zusammen. Sie sah aus wie eine alte Oma mit Betthäubchen. Aber ich hatte Erfolg damit. Ganz langsam verheilten auch die Wunden an ihren Ohren.

Susi hielt sich immer häufiger bei uns auf bis sie plötzlich tagelang überhaupt nicht mehr kam. Kurze Zeit nach ihrem Verschwinden jedoch tauchte sie eines Abends wieder auf mit einer Kette um den Hals. Irgendwer also hatte sie an die Kette gelegt, vielleicht um uns zu ärgern? Sie war außer sich vor Freude als sie schwanzwedelnd auf unsere Terrasse sprang! Kurz darauf jedoch erschien ein entfernter Nachbar, der schon immer unfreundlich gewesen war, und behauptete, dies sei sein Hund. Susi weigerte sich, zu dem Mann zu gehen.

Der vermeintliche Besitzer nahm die Kette und schlug unvermittelt damit auf das verängstigte Tier ein. Als mein Mann ihn daran hindern wollte, gab es fast noch eine Schlägerei zwischen den Beiden. Wir wiesen den Mann von unserem Grundstück unter Androhung der Polizei. Daraufhin verschwand er auch tatsächlich ohne Hund. Susi war von da an unser Hund. Sie streunte zwar in der Gegend herum, jedoch zum Fressen und in der Nacht war sie immer da.

Susi hatte uns etwas über den Verlust unserer eigenen Tiere hinweg geholfen. Zum Glück blieb uns gar nicht viel Zeit zum Nachdenken und Trauern, da wir noch so viel zu tun hatten. Es war für uns wunderbar, das Haus und den Garten immer schöner werden zu sehen. Am Abend waren wir jedoch stets derart erledigt, dass wir bereits kurz nach dem Abendessen zu Bett gingen, zumal wir immer noch fast jede Nacht unterwegs waren, um unsere ausgerissenen Pferde wieder einzufangen. Inzwischen erledigten wir dies einzeln, je nachdem wer gerade wach wurde.

So kam es auch vor, dass ich alleine nachts im Busch umher lief, ausgerüstet mit Taschenlampe und Pferdestrick. In der Dunkelheit kämpfte ich mich dann durch das hohe Buschgras, das mir des öfteren die Beine zerschnitt. Hatte ich die Pferde gefunden und wieder zurückgeführt, reparierte ich im Schein der Taschenlampe provisorisch den kaputten Zaun. Am nächsten Tag schlug mein Mann dann frischen Bambus, um den Zaun Stück für Stück wieder stabil zu machen. Ich wurde dadurch richtig geschickt im Umgang mit Draht und Zange. Wenn die Nachbarn mich beobachteten, wie ich die schweren Bambusstämme schleppte, riefen sie mir oft zu: „Take care, you are working too hard in the hot sun!“

In dieser Zeit machte ich mir zum Leitspruch: „Alles was ich will, das schaffe ich auch!“

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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