Stegemann-Interview: „Birgit Prinz hatte so einen Abgang nicht verdient!“

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Datum: 24. Juli 2011
Uhrzeit: 00:01 Uhr
Ressorts: Brasilien, Sport
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Autor: Dietmar Lang
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► 2. Teil: Kerstin Stegemann über Silvia Neid und den Abschied von Birgit Prinz sowie die Sportförderung bei der Bundeswehr

Im ersten Teil des Interviews mit Kerstin Stegemann sprach agência latina press mit der langjährigen Frauenfußball-Nationalspielerin über die 5. Military World Games in Rio de Janeiro und die dabei stattfindende Weltmeisterschaft, bei der die Bundeswehr-Auswahl das Finale erreicht hat und gegen Gastgeber Brasilien am Sonntag (24.) um Gold kämpft. Zudem analysierte die Berufssoldatin das Abschneiden der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Für die Doppel-Weltmeisterin und vierfache Europameisterin ist die durch das frühe Ausscheiden verpatzte Olympia-Teilnahme eine Katastrophe.

Sollte man aufgrund der von Ihnen gerade geschilderten Situation über personelle Konsequenzen nachdenken?
Es ist immer schwierig, natürlich wird immer gleich der Trainer ans Kreuz genagelt. Also wenn ich Trainerin gewesen wäre hätte ich einfach gesagt: „Also passt auf, ich war jetzt so viele Jahre Trainerin, ich war erfolgreich, aber ich komme einfach nicht mehr an die Mannschaft ran. Ich schaffe es nicht mehr.“ Also die Trainerin hätte die Konsequenzen ziehen müssen. Der Theo Zwanziger steht natürlich hinter seiner Trainerin, das ist auch richtig. Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Und das die Öffentlichkeit oder die Medien die Trainerin rauswerfen, so etwas darf nicht passieren. Ich denke, man gibt ihr nochmal die nächsten zwei Jahre eine Chance, aber bei der nächsten Europameisterschaft muss sie war reißen, ansonsten ist das der normale Weg, dass sie dann keine Trainerin mehr ist.

Brasilien ist ja bei der WM auch vorzeitig abgereist. Sie haben als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld früher auch schon Marta gegenüber gestanden. Sie hat sie einmal böse bei der WM in China gefoult.
Persönlich kenne ich sie nicht. Aber Marta ist eine überragende Spielerin. Für mich wäre sie allerdings keine Weltfußballerin, weil sie nicht fair ist. Denn das gehört mit dazu. Man kann überragend sein, man kann auch mal überheblich sein. Aber was sie macht, mit dem Fordern oder wirklich mit Harakiri bewusst hineinzuspringen, um jemand zu verletzen, so jemand ist für mich keine Weltfußballerin.

Die „Blutgrätsche“ – mal überspitzt ausgedrückt – ist im Männerfußball ja eigentlich alltäglich, beim Frauenfußball allerdings verpönt. Sie sind den schon einmal aufgrund einer solchen gewollten oder ungewollten Aktion vom Platz geflogen?
Ich habe noch nie eine rote Karte bekommen. Ich glaube ich habe in meinen ganzen Länderspielen zehn gelbe Karten bekommen und das als Außenverteidigerin. Ich glaube, dass die Stürmer mehr gelbe Karten gegen mich gesehen haben als umgekehrt.

Man konnte allerdings bei der diesjährigen WM schon feststellen, dass die Mannschaften energischer in die Zweikämpfe gehen. Wie hat sich der Frauenfußball in den letzten zwei Jahrzehnten seit Ihrem Karrierestart verändert?
Er ist auf jeden Fall athletischer geworden. Und dadurch natürlich auch dynamischer, weil die Spielerinnen schneller und kräftiger sind. Gerade die Jungen, die nun eine ganz andere Ausbildung bekommen haben. Man legt nun mehr Wert auf Laufschulung, Leichtathletiktraining und Krafttraining. Ich kann mich an damals erinnern, wo ich noch relativ jung war, ich habe so etwas nie gemacht. Heute ist Leichtathletiktraining oder Training mit der Hantel, was früher verpönt war, gang und gäbe. Die vorherige Bundestrainerin, die Tina Theuner, hat das ganze eingeführt. Noch vor Jürgen Klinsmann mit seinen Bändern, da waren wir schon drei Stunden weiter.

Wir waren ja schon immer relativ gut, aber zum Beispiel die Amerikaner oder die Brasilianer, die am Ball sehr gut waren. Die Amerikaner konnten Laufen, waren technisch aber nicht so gut. Wir wiederum konnten besser Fußball spielen als die USA, die konnten aber wiederum besser laufen. Das war der Ansatz, wo Tina sagte, wir müssen einfach körperlich robuster, schneller, härter werden. Und da haben wir dann einen Fitnesstrainer, eigentlich einen Sprintertrainer bekommen. Der trainierte normalerweise die Leichtathleten für die Olympischen Spiele, vornehmlich die Farbigen und Ausländer, die auf Weltspitze laufen. Und der wurde vom DFB engagiert und der hat dann mit uns das Training gemacht. Und das waren dann die paar Prozent, die uns für 2003 fehlten.

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