Brasilien: Rentenreform rückt in weite Ferne

alter

Rentenreform ist für die Begrenzung der brasilianischen Staatsverschuldung unerlässlich (Foto: Latinapress)
Datum: 21. Mai 2019
Uhrzeit: 05:28 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas steht ein dringend erforderlicher und tiefgreifender Wandel bevor. Kaum eine Nation bietet mit Blick auf ihr Bruttoinlandsprodukt so viel Potenzial wie Brasilien. Für die brasilianische Wirtschaft ist eine Rentenreform extrem wichtig, das angeschlagene Rentensystem muss saniert werden. Im internationalen Vergleich erlaubt das System Arbeitern einen zu frühen Renteneintritt und es zahlt zu hohe Renten, weswegen das Haushaltsdefizit zu hoch ist, um nachhaltig zu sein. Die zu den großzügigsten Rentensystemen der Welt zählende Finanzstruktur ist insbesondere für Angestellte im öffentlichen Dienst attraktiv, die sich noch vor Erreichen des sechzigsten Lebensjahres zur Ruhe setzen können und anschließend fast ihr gesamtes Schlussgehalt beziehen. Die Umgestaltung bestehender Verhältnisse gerät allerdings immer mehr ins Stocken. Laut Marcelo Ramos, Präsident der Kommission für die Rentenreform in Brasilien, verfügt die Regierung von Präsident Jair Messias Bolsonaro nicht über die notwendigen Stimmen im Kongress, um die Rentenreform zu genehmigen. In einem TV-Interview hob Ramos die Bedeutung der Reform hervor, ohne die es nach seinen Worten keinen wirtschaftlichen Fortschritt gibt.

Ramos Äußerungen heben wachsende Zweifel am Schicksal des Schlüsselprojekts der Regierung hervor, auf das Investoren und Unternehmen eigentlich hoffen. Eine am Montag (20.) veröffentlichte regelmäßige Umfrage der Zentralbank unter Ökonomen hat ergeben, dass die Wachstumsprognosen für dieses Jahr auf ein Minimum gesunken sind. Vergangene Woche brachen die Märkte wegen der Sorgen im Zusammenhang mit der Reform ein und die Emissionsbank gab an, dass die Wirtschaft im ersten Quartal „wahrscheinlich geschrumpft“ sei. Bolsonaro beschuldigte am Montag in einer Rede vor Geschäftsleuten in Rio de Janeiro verschiedene Interessengruppen, den Fortschritt des Reformprozesses zu behindern und versicherte, dass das größte Problem des Landes seine politische Klasse ist. Um die Rentenreform durchzudrücken, bräuchte die Regierung 308 Stimmen. Schätzungen gehen davon aus, dass Bolsonaro lediglich auf etwas mehr als 200 Stimmen im Unterhaus zählen kann.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

© 2009 - 2019 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!