Handbuch: Ausverkauf von Land und Natur

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FIAN veröffentlicht Handbuch zur „Finanzialisierung“ natürlicher Ressourcen (Foto: FIAN)
Datum: 05. Oktober 2020
Uhrzeit: 15:37 Uhr
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Autor: Redaktion
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Seit der Finanzkrise vor zwölf Jahren greift die Finanzindustrie verstärkt nach Landflächen und natürlichen Ressourcen. Das von der Menschenrechtsorganisation FIAN nun veröffentlichte Handbuch „Rogue Capitalism“ beschreibt eindrücklich, wie Investmentfirmen, Banken und Fonds innerhalb weniger Jahre Land und Natur zu Finanz- und Investmentobjekten umgewandelt haben. Das Handbuch illustriert diese Entwicklung an über 20 Beispielen. FIAN-Referent Roman Herre, Mit-Autor des Handbuchs: „Die Finanzindustrie hat auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten Land, Wohngebäuden und natürlichen Ressourcen ein Preisschild verpasst. Investoren schätzen allein den Wert von Ackerflächen und Immobilien auf 217 Billionen US-Dollar. Diese werden hierdurch zur Zielscheibe der Finanzwelt – was oftmals Landkonflikte, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zur Folge hat.“ Viele der Geschäfte laufen über Steueroasen und Offshore-Finanzzentren, um Regulierung, Transparenz und Besteuerung zu vermeiden.

Der Ausverkauf von Grund und Boden macht auch vor Deutschland nicht halt. So hatte sich der Agrarinvestor KTG Agrar mit einem komplexen Geflecht von rund 100 Tochterfirmen über 40.000 Hektar Ackerland beschafft, bevor er 2016 Insolvenz anmeldete. Anstatt das Land an lokale Bäuer*innen zu übertragen, wurde es über an andere Finanzinvestoren verkauft, darunter der Versicherungskonzern Münchner Rück. Auch die wachsende Einflussnahme der Finanzindustrie auf den Wohnungsmarkt ist eine problematische Entwicklung: Akteure wie Vonovia oder Deutsche Wohnen haben dazu beigetragen, dass die Mietkosten in deutschen Großstädten massiv gestiegen sind und der Wohnungsmarkt von einem gesellschafts- und sozialpolitischen Thema zu einem Spielball von Investoren geworden ist.

Das Handbuch resultiert aus einem mehrjährigen Dialog mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Basisbewegungen. Es soll helfen, ihr Wissen über den in der Wissenschaft „Finanzialisierung“ genannten Prozess, welcher Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit durchweg ignoriert, zu vertiefen. Neben Negativbeispielen wurden auch Wege des Widerstandes und Alternativen zusammengetragen.

„Klimawandel, soziale Ungleichheit und die Krise der Demokratie – die entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit – sind heute alle mit einem Wirtschaftssystem verbunden, das von den Finanzmärkten dominiert wird. Ein Ergebnis der Diskussion mit den Basisbewegungen in aller Welt war, diese Entwicklung als das zu benennen, was sie ist: Raubtierkapitalismus“, so Herre weiter.

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