Neue Spinnenart im Amazonas imitiert parasitären Pilz

spinne

Taczanowskia waska sp. nov. (Araneae: Araneidae) Quelle: David Diaz-Guevarra Copyright: David Diaz-Guevarra
Datum: 07. April 2026
Uhrzeit: 19:58 Uhr
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Autor: Redaktion
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Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) hat eine neue Spinnenart aus dem ecuadorianischen Amazonasgebiet beschrieben: Taczanowskia waska. Die Art zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Form der Mimikry aus: Sie stellt den ersten dokumentierten Fall dar, in dem eine Spinne das Erscheinungsbild eines parasitären Pilzes imitiert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Zootaxa veröffentlicht. Die Entdeckung gelang im Llanganates-Sangay-Korridor, einem der artenreichsten Gebiete der Erde. Zunächst wurde das Tier bei einer nächtlichen Exkursion für einen Pilz gehalten – ein Hinweis auf die bemerkenswerte Tarnstrategie der neuen Art.

*Täuschung durch Form und Verhalten*

Taczanowskia waska ahmt den Fruchtkörper eines Pilzes der Gattung Gibellula nach, der auf Spinnen wächst. Auffällig sind dabei verlängerte Strukturen am Hinterleib sowie eine helle, pilzähnliche Oberfläche. Zusätzlich verharrt die Spinne regungslos an der Unterseite von Blättern – genau dort, wo auch der Pilz typischerweise vorkommt. Diese Kombination aus äußerer Erscheinung und Verhalten deutet auf eine ausgeprägte Anpassung hin. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Mimikry sowohl dem Schutz vor Fressfeinden als auch der Jagd dient: Als vermeintlich uninteressantes Objekt wird die Spinne möglicherweise seltener erkannt und kann ihre Beute leichter überraschen.

*Ein bislang einzigartiger Fall*

Laut Studie handelt es sich um den ersten dokumentierten Fall, in dem eine Spinne einen parasitären Pilz imitiert, der ihre eigenen Artgenossen befällt. Die Entdeckung liefert damit neue Erkenntnisse zur Evolution von Mimikry und zur ökologischen Rolle solcher Anpassungen. Die Gattung Taczanowskia gilt als selten und wenig erforscht. Viele Aspekte ihrer Lebensweise sind bislang kaum bekannt – auch weil Vertreter dieser Gruppe in der Natur nur selten beobachtet werden. An der Studie beteiligt war Nadine Dupérré vom Museum der Natur Hamburg des LIB. Sie untersuchte Vergleichsexemplare aus wissenschaftlichen Sammlungen und trug zur taxonomischen Einordnung der neuen Art bei.

*Citizen Science als Ausgangspunkt*

Die Entdeckung begann mit einer Beobachtung auf der Plattform iNaturalist. Dort wurde das vermeintliche Pilzexemplar von Nutzerinnen und Nutzern als Spinne erkannt und in der Folge wissenschaftlich untersucht. Der Fund unterstreicht die Bedeutung von Citizen Science für die Biodiversitätsforschung. „Solche Funde zeigen, welchen Wert wissenschaftliche Sammlungen haben. Sie ermöglichen es, neue Arten einzuordnen und mit historischem Material zu vergleichen. In Kombination mit internationaler Zusammenarbeit und Citizen Science eröffnen sich so neue Möglichkeiten, Biodiversität zu erforschen“, erklärt Nadine Dupérré. Die Entdeckung verdeutlicht die hohe, oft noch unerschlossene Artenvielfalt tropischer Regionen. Gleichzeitig zeigt sie, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und neue Datenquellen für das Verständnis globaler Biodiversität sind.

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