Für die an der FIFA-Weltmeisterschaft teilnehmenden Länder bedeutet Größe nicht immer Tore und Ruhm

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Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 dürfte ein Publikum anziehen, das überwiegend aus Menschen besteht, die sich normalerweise nicht regelmäßig für Fußball interessieren (Foto: Lucas Figueiredo/CBF)
Datum: 22. Juni 2026
Uhrzeit: 12:07 Uhr
Ressorts: Lateinamerika, Sport
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Autor: Redaktion
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Das größte Sportereignis der Welt – die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft der Männer – ist nun in vollem Gange und zieht Milliarden von Fernsehzuschauern sowie Millionen von Zuschauern in den Stadien an. Es mangelt nicht an weiteren beeindruckenden Statistiken, die das Ausmaß der 23. Ausgabe des Turniers verdeutlichen. Eine Rekordzahl von 48 Mannschaften hat an 16 Spielorten in drei nordamerikanischen Ländern mit 108 Spielen begonnen und kämpft um ein Rekordpreisgeld von fast 900 Millionen US-Dollar. Für Demografen bietet ein Blick auf die teilnehmenden Länder zudem einen Einblick in eine Welt, die sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Und es wirft eine spannende Frage auf: Inwieweit beeinflussen Faktoren wie die Bevölkerungsgröße und das Durchschnittsalter eines Landes allein die Erfolgschancen?

Warum Größe nicht alles ist

Die Bandbreite der in diesem Jahr vertretenen Länder ist bemerkenswert, ebenso wie die Altersspanne der Talente, die auf dem Platz stehen. Portugals Cristiano Ronaldo ist mit 41 Jahren immer noch im Einsatz, während der 18-jährige Spanier Lamine Yamal als einer der vielversprechendsten jungen Stars des Fußballs antritt, nachdem er seinem Land zum Gewinn der Europameisterschaft 2024 verholfen hat. Die Elfenbeinküste hat mit einem Medianalter von 25,4 Jahren den jüngsten Kader mitgebracht, während der Iran mit 31,3 Jahren den ältesten stellt. Diese Zahlen spiegeln möglicherweise Trends in den jeweiligen Ländern wider: Das Medianalter der Bevölkerung in der Elfenbeinküste beträgt gerade einmal 18,1 Jahre, verglichen mit 34,3 Jahren im Iran. Dennoch ist der Zusammenhang zwischen der Fußballnationalmannschaft eines Landes und dem Alter seiner Bevölkerung nicht immer eindeutig.

Japan hat mit einem Medianalter von 49 Jahren die älteste Bevölkerung aller Nationen bei diesem Turnier, während sein Kader – der weithin als einer der stärksten Asiens gilt – ein Medianalter von nur 27,4 Jahren aufweist. Damit befindet er sich in einem statistischen „Sweet Spot“ der Turniergeschichte: Das optimale Durchschnittsalter für einen WM-Finalisten wird mit 26 bis 28,5 Jahren angegeben. Auch die Bevölkerungsgröße mag bei einer Weltmeisterschaft als offensichtlicher Vorteil erscheinen. Mehr Menschen sollten einen größeren Talentpool bedeuten, aus dem man schöpfen kann, und tatsächlich deutete eine aktuelle Analyse darauf hin, dass dies ein wichtiger Prädiktor für die WM-Qualifikation ist. Brasilien würde sicherlich zu dieser Theorie passen. Mit mehr als 211 Millionen Einwohnern ist es die zweitbevölkerungsreichste Nation des Turniers und mit fünf Weltmeistertiteln auch die erfolgreichste.

Gleichzeitig ist die Bevölkerungsgröße keine Garantie für den Sieg. China und Indien haben sich jeweils nur einmal für die Männer-Weltmeisterschaft qualifiziert, während die Vereinigten Staaten trotz einer Bevölkerung von über 340 Millionen nur einmal das Halbfinale erreicht haben. Dieselben statistischen Modelle, die die Bedeutung der Bevölkerungszahl hervorheben, zeigen auch eklatante Ausreißer. Italien, das über einen riesigen Talentpool verfügt, hat die Qualifikation verpasst. Dann gibt es jene kleinen Nationen, die scheinbar über ihre demografischen Verhältnisse hinaus spielen. Curaçao ist mit nur 185.000 Einwohnern die kleinste Nation, die sich jemals für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Jeder Spieler des Kaders spielt als Profi im Ausland – viele davon in den Niederlanden –, was verdeutlicht, wie Fußballtalente weit über die Landesgrenzen hinaus gefördert werden können.

Ein weiterer herausragender Fall ist Uruguay. Mit nur 3,4 Millionen Einwohnern hat die südamerikanische Nation zweimal die Weltmeisterschaft gewonnen und gilt nach wie vor als einer der großen Überflieger des Sports. Die Bevölkerungszahl mag zwar dazu beitragen, Fußballtalente hervorzubringen, doch die Weltmeisterschaft legt nahe, dass auch andere Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Demografie und Dividenden

Wie jüngste Analysen nahelegen, können Wohlstand, Trainingssysteme und eine tief verwurzelte Fußballkultur genauso wichtig sein wie die Größe des Talentpools eines Landes. Das gleiche Prinzip gilt auch außerhalb des Sports. Demografen argumentieren seit langem, dass die Zukunftsaussichten eines Landes nicht nur davon abhängen, wie viele Menschen es hat, sondern auch von der Altersstruktur seiner Bevölkerung und davon, wie effektiv es sein Humankapital entwickelt. Viele der am Turnier teilnehmenden Länder mit jüngerer Bevölkerung – insbesondere in Afrika, Asien und im Pazifikraum – verfügen über eine wachsende Erwerbsbevölkerung und einen hohen Anteil junger Menschen, die gerade ins Erwachsenenalter eintreten. Ökonomen bezeichnen die Chancen, die sich aus einer relativ großen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ergeben, als „demografische Dividende“.

Auch die Migration gewinnt zunehmend an Bedeutung. In weiten Teilen Europas macht die Einwanderung mittlerweile einen erheblichen Anteil am Bevölkerungswachstum aus und trägt dazu bei, Arbeitskräftemangel und die Alterung der Bevölkerung auszugleichen. Die Weltmeisterschaft spiegelt diese Realität wider, da viele Nationalmannschaften auf Spieler zurückgreifen, deren Familiengeschichte sich über mehrere Länder erstreckt. Doch weder eine junge Bevölkerung, noch eine starke Migration noch die schiere Bevölkerungsgröße garantieren Erfolg – weder auf dem Spielfeld noch außerhalb. Der Schlüssel – sofern diese Weltmeisterschaft den Ländern überhaupt eine Lehre in Sachen Demografie bietet – liegt in der Investition in die Menschen.

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