Sinkende Bierpreise zur Fußball-Weltmeisterschaft in Ecuador schafften es in Deutschland zuletzt vielfach in die Schlagzeilen. Während über diese Maßnahme von Ecuadors Präsident Daniel Noboa breit berichtet wurde, geraten andere Entwicklungen in Ecuador weitgehend aus dem Blick. Kurz vor dem WM-Spiel gegen Deutschland ist der ecuadorianische Präsident Noboa in die USA gereist. Dort sollen Treffen mit der US-Heimatschutzministerin Kristi Noem und dem Berater des Weißen Hauses, Stephen Miller, stattfinden. Die Reise fällt in eine Phase, in der Ecuador seine Sicherheitskooperation mit ausländischen Partnerstaaten deutlich ausweitet. Denn hinter den Schlagzeilen über Fußball und Bierpreise steht ein Land, das von einer schweren Krise geprägt ist. Präsident Daniel Noboa rechtfertigt seine harte Sicherheitspolitik mit der Gewalt durch organisierte Kriminalität und Drogenkartelle. Menschenrechtsorganisationen warnen jedoch seit Monaten, dass unter dem Vorwand der Kriminalitätsbekämpfung rechtsstaatliche Garantien geschwächt und kritische Stimmen zunehmend unter Druck geraten.
Weitreichende Befugnisse für Militär und Sicherheitskräfte
Mit einem Präsidialdekret hat Noboa nun einen sogenannten „internen bewaffneten Konflikt“ ausgerufen. Die Regierung stuft kriminelle Gruppen und Drogenkartelle damit als Gegner in einem kriegsähnlichen Konflikt ein und begründet weitreichende Befugnisse für Militär und Sicherheitskräfte im Inland. Das Dekret ermöglicht zudem Begnadigungen und Amnestien für Personen, die im Rahmen der „Verteidigung des Staates“ handeln. Außerdem sieht es eine verstärkte Zusammenarbeit mit ausländischen Partnerstaaten vor. Menschenrechts-organisationen warnen, dass dadurch die Gefahr von Straflosigkeit steigt.
„Was wir derzeit in Ecuador beobachten, ist nicht nur eine Sicherheitskrise. Es ist ein Paradebeispiel für ‚Shrinking Spaces‘ – die schrittweise Einschränkung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume. Wenn soziale Proteste, indigene Mobilisierungen oder zivilgesellschaftliche Kritik an Rohstoffprojekten zunehmend als Sicherheitsproblem behandelt werden, geraten demokratische Beteiligung und Meinungsfreiheit unter Druck“, sagt Pablo Campos von SÜDWIND.Pablo Campos war wegen Forschungsaufenthalten und der Begleitung wissenschaftlicher Projekte 2025 und 2026 selbst in Ecudaor.
Menschenrechtliche Lage in Ecuador zunehmend unter Druck
Das aktuelle Dekret reiht sich in eine Serie alarmierender Entwicklungen ein: Zivilgesellschaftliche Organisationen berichten von einer zunehmenden Militarisierung der inneren Sicherheit. In den letzten Monaten wurden Staatsanwält*innen, Bürgermeister*innen sowie mehrere Aktivist*innen getötet. Auch die Pressefreiheit gerät zunehmend unter Druck. Dokumentiert sind Todesdrohungen gegen Journalisten und Einschränkungen beim Zugang zu öffentlichen Informationen. „Fußballspiele dauern 90 Minuten. Die Auswirkungen politischer Entscheidungen reichen oft Jahrzehnte. Während die Welt auf die WM-Spiele schaut, entscheidet sich in Ecuador, wie viel Raum künftig für Menschenrechte, Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement bleibt“, so Pablo Campos von SÜDWIND.







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