Der Julius Bär Lifestyle Index verzeichnet einen deutlichen Anstieg von 10,2 % für die Aufrechterhaltung eines gehobenen Lebensstandards (in US-Dollar) in den letzten zwölf Monaten. Singapur bleibt die teuerste Stadt der Welt für vermögende Privatpersonen, Zürich klettert auf Platz zwei und Monaco schafft es erstmals unter die Top Drei. Der Bericht unterstreicht die wachsende Bedeutung von Währungen und Mobilität in einer fragmentierten Weltwirtschaft. Der „Julius Bär Global Wealth and Lifestyle Report 2026“ erscheint vor dem Hintergrund eines komplexen und sich rasch verändernden globalen Umfelds. Das vergangene Jahr war geprägt von erhöhter geopolitischer Volatilität, veränderten Handelsmustern, schwankenden Wechselkursen und erneuten Inflationssorgen. Obwohl sich die Finanzmärkte als widerstandsfähig erwiesen haben, wirken sich diese Faktoren spürbar auf die Lebenshaltungskosten vermögender Privatkunden weltweit aus.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Datenerhebung für den Index Ende Februar und die Feldarbeit für die Umfrage Anfang März 2026 abgeschlossen wurde. Daher sind die Auswirkungen der aktuellen Lage im Nahen Osten in unseren Ergebnissen noch nicht berücksichtigt. Der Bericht konzentriert sich daher auf das Gesamtbild der Ergebnisse, ihre Bedeutung für global mobile Personen und die Auswirkungen auf Vermögensverwaltungsstrategien. Die Trends im Lifestyle-Index und in der Lifestyle-Umfrage bleiben bestehen und wurden in vielen Fällen durch die aktuellen geopolitischen Turbulenzen verstärkt, was den diesjährigen Bericht umso relevanter macht.
Im Jahr 2026 sind die Kosten für einen gehobenen Lebensstandard im Durchschnitt um 10,2 % in US-Dollar gestiegen. Diese Kennzahl vermittelt jedoch nur einen Teil des Bildes. Wie der diesjährige Bericht zeigt, ist ein Großteil des Anstiegs nicht allein auf die lokale Preisinflation zurückzuführen, sondern auch auf starke Währungsschwankungen. Städte mit aufwertenden Währungen, insbesondere dem Schweizer Franken und dem Euro, konnten in der Rangliste aufsteigen, während Städte mit einer stärkeren Bindung an den US-Dollar an Boden verloren.
Das Städteranking basiert auf dem Julius Bär Lifestyle Index, der die Kosten eines Warenkorbs mit 20 Gütern und Dienstleistungen analysiert, die für einen gehobenen Lebensstandard in 25 Städten weltweit stehen. Für international mobile Einzelpersonen und Familien bietet der Index wichtige Einblicke, wie Währung, Wohnsitz und Lebensstil die Kaufkraft und die finanzielle Sicherheit beeinflussen können.
Regionale Ergebnisse
Singapur bleibt im vierten Jahr in Folge die teuerste Stadt der Welt für vermögende Privatpersonen. Diese Position spiegelt die hohen Kosten für Wohnimmobilien und Autos sowie die Stärke des Singapur-Dollars wider. Obwohl die lokalen Preisänderungen relativ moderat ausfielen, führt die starke Währung Singapurs dazu, dass die Kosten, in US-Dollar gerechnet, im Einklang mit dem globalen Durchschnitt gestiegen sind. Die politische Stabilität, die robuste Wirtschaft und die globale Vernetzung der Stadt tragen weiterhin zu ihrer Attraktivität in einer unsicheren Welt bei.
Zürich klettert drei Plätze nach oben und ist nun die zweitteuerste Stadt im Index. Dieser Anstieg ist weniger auf lokale Preissteigerungen als vielmehr auf die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar zurückzuführen. Monaco schafft es dank des starken Euros und seiner außergewöhnlich hohen Immobilienpreise erstmals unter die Top Drei. Hongkong fällt auf Platz vier zurück, während London, das 2025 noch ein ernstzunehmender Konkurrent um den Spitzenplatz war, auf Platz fünf abrutscht.
Der asiatisch-pazifische Raum bleibt ein Zentrum globalen Wohlstands, mit fünf Städten unter den Top Ten. Neben Singapur und Hongkong zählen auch Shanghai, Sydney und Bangkok zu den zehn teuersten Städten im Index. Sydney verzeichnete in diesem Jahr den größten Aufstieg um sechs Plätze auf Rang acht, was auf den starken australischen Dollar und die gestiegenen Importkosten für Premiumwaren zurückzuführen ist. Trotzdem stiegen die Durchschnittspreise im asiatisch-pazifischen Raum in US-Dollar um 7,4 Prozent und lagen damit unter dem globalen Durchschnitt.
Europa zählt weiterhin zu den teuersten Regionen weltweit. Die Preissteigerungen in europäischen Städten lagen im Durchschnitt bei 14,1 % (in US-Dollar gerechnet) und damit deutlich über dem globalen Durchschnitt. Dies ist vor allem auf den starken Euro und den Schweizer Franken zurückzuführen. Zürich, Monaco, Paris, Mailand und Frankfurt konnten in der Rangliste aufsteigen, während Barcelona unverändert blieb. London hingegen fiel auf Platz fünf zurück, da das britische Pfund einen ähnlichen Kurs wie der US-Dollar einschlug und so den relativen Preisanstieg der Stadt im Vergleich zu Standorten auf dem europäischen Festland begrenzte.
Im diesjährigen Global Wealth and Lifestyle Report steht für die Region Naher Osten der Kontext im Vordergrund, nicht die konkreten Ergebnisse. Dubai rutscht im diesjährigen Index auf Platz 14 ab. Dieser Rückgang ist zwar bemerkenswert, lässt sich aber eher durch die gestiegenen Preise in anderen Städten des Index erklären als durch eine Verbilligung Dubais. Der an den US-Dollar gekoppelte Dirham hat die Platzierung der Stadt maßgeblich beeinflusst. Wichtig ist, dass die Datenerhebung, wie bereits erwähnt, vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts abgeschlossen wurde. Daher spiegeln sich die Auswirkungen der aktuellen Lage im Nahen Osten nicht in den vorliegenden Ergebnissen wider.
Erstmals seit drei Jahren ist keine Stadt Amerikas unter den zehn weltweit führenden Städten vertreten. New York bleibt die bestplatzierte Stadt der Region, gefolgt von São Paulo in Brasilien auf Platz 12. Auch Santiago de Chile und Mexiko-Stadt konnten sich verbessern, begünstigt durch ein starkes lokales Preiswachstum und Währungsschwankungen. Die Unterschiede zwischen den beiden Amerikas bleiben bestehen: Nordamerika zeigte eine starke Vermögensbildung und ein stabiles Investitionsverhalten, während Lateinamerika größere Vorsicht und einen stärkeren Fokus auf den Erhalt der Kaufkraft an den Tag legte.
Bemerkenswerte Preisentwicklungen im Index
Währungsschwankungen sind zwar der entscheidende Faktor im diesjährigen Index, aber nicht der einzige Treiber der Veränderungen. Auch die Rohstoffkosten spielten eine bedeutende Rolle. Insbesondere der Goldpreis hat sich seit 2024 mehr als verdoppelt, was sich auch auf Luxusgüterkategorien wie Schmuck und Uhren auswirkte. Die Schmuckpreise stiegen um 16,4 %, die Uhrenpreise um 15,5 %.
Die Preise für Luxusgüter sind durchweg gestiegen, im Durchschnitt um 12,3 %. Dies ist auf höhere Inputkosten, unter anderem für Leder und Edelmetalle, die Kosten hochqualifizierter Arbeitskräfte sowie auf die strategische Preisgestaltung globaler Luxusmarken zurückzuführen. Viele Luxusmarken haben ihren Sitz in Europa und orientieren sich bei ihrer Preisgestaltung an stärkeren Währungen wie dem Euro oder dem Schweizer Franken, was die globalen Einzelhandelspreise zusätzlich beeinflusst. Die Preise für Waren sind stärker gestiegen als die für Dienstleistungen, wodurch sich einige Trends der Vorjahre umkehren.
Christian Gattiker, Forschungsleiter bei Julius Bär, kommentierte: „Währungen stehen einmal mehr im Vordergrund – aber die eigentliche Geschichte wird durch das Zusammenspiel von Währungen, Vermögenswerten und Verhalten bestimmt.“
Ergebnisse der Lebensstilumfrage
Die Lifestyle-Studie untersucht das Leben und die Konsumgewohnheiten vermögender Privatpersonen in Europa, im asiatisch-pazifischen Raum, im Nahen Osten, in Nordamerika und Lateinamerika. Sie analysiert zudem Veränderungen im Konsumverhalten und in der Einstellung zu globaler Unsicherheit, Nachhaltigkeit und finanziellen Bedürfnissen. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild, und die gewonnenen Erkenntnisse und Daten ergänzen den Lifestyle-Index wesentlich.
Nach weiteren turbulenten zwölf Monaten zeigt die diesjährige Umfrage, dass geopolitische Unsicherheit zu einem nahezu allgegenwärtigen Problem geworden ist. In allen Regionen gaben zwischen 82 % und 95 % der Befragten an, sich Sorgen um die Geopolitik zu machen – von besorgt bis sehr besorgt. Diese neue globale Lage beeinflusst das Konsum-, Planungs- und Investitionsverhalten vermögender Privatpersonen.
Während der Wohlstand der Befragten in allen Regionen weiter wächst, hat sich ein ausgeprägtes zweigleisiges Luxuskonsumverhalten herausgebildet. Die Ausgaben im asiatisch-pazifischen Raum und im Nahen Osten übertreffen die Ausgaben in Europa, Nordamerika und Lateinamerika deutlich, wobei Europa den stärksten Rückgang verzeichnet. Erlebnisorientierte Ausgaben dominieren weiterhin in allen Regionen, angeführt von einer starken Nachfrage nach Luxushotellerie und gehobener Gastronomie.
Die Ausgaben für Gesundheitsthemen sind ebenfalls stark gestiegen und waren neben Freizeitreisen eine von nur zwei Kategorien, die in allen Regionen Zuwächse verzeichneten. Dies bestätigt die anhaltende Relevanz des Trends „Gesundheit ist Reichtum“, da wohlhabende Menschen Gesundheit und Langlebigkeit zunehmend als zentrale Bestandteile ihres Gesamtvermögens betrachten.
Die Umfrage zeigt außerdem, dass vermögende Privatpersonen ihr Konsumverhalten angesichts von Zöllen, Währungsschwankungen und globaler Unsicherheit anpassen. Mindestens jeder dritte Befragte hat bereits den Herkunftsort einiger seiner Luxusgüterkäufe verlagert. Mehr als die Hälfte würde nun in Erwägung ziehen, für den Kauf von Luxusgütern ins Ausland zu reisen und so Zölle zu umgehen, während rund ein Viertel dies bereits tut.
Das Anlageverhalten hat sich ebenfalls verändert. Die überwiegende Mehrheit der Befragten in allen Regionen hat ihre Portfolios angesichts steigender makroökonomischer und politischer Risiken angepasst. Traditionelle Anlagen bilden zwar weiterhin das Fundament der Portfolios, doch vermögende Privatkunden setzen zunehmend auf defensive Strategien, darunter Edelmetalle, geografische Diversifizierung und höhere Liquidität.
Investoren im asiatisch-pazifischen Raum (APAC) zeigen ein anpassungsfähiges Anlageverhalten: 73 % diversifizieren ihre Portfolios, darunter 53 %, die mehr Edelmetalle investieren, und 46 %, die ihre geografische Streuung ausbauen. Auch Investoren im Nahen Osten verfügen über gut diversifizierte, langfristig orientierte Portfolios mit starkem Interesse an alternativen Anlagen und Sammlerstücken. Europa bleibt konservativer und setzt auf Vermögenserhalt und fondsintensive Portfolios. Nordamerika hingegen weist die größte Konstanz in der Finanzstrategie und das stärkste gemeldete Vermögenswachstum auf. Lateinamerika nimmt eine Mittelstellung ein: Hier konzentrieren sich die Investoren auf Einkommensgenerierung und Vermögenserhalt, zeigen aber gleichzeitig Interesse an zukünftigen Trends.
Der globale Wohlstands- und Lebensstilbericht 2026 zeigt insgesamt, dass Wohlstand heute weit über finanzielle Vermögenswerte hinausgeht. Er umfasst Lebensstil, Sicherheit, Gesundheit, Mobilität und ein harmonisches Zusammenleben der Generationen.







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