Digitale Schulden breiten sich in Lateinamerika aus und verändern den institutionellen Markt

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Die künftige digitale Währung der brasilianischen Zentralbank soll im nächsten Jahr eingeführt werden und wird den Namen DREX tragen (Foto: TVScreen)
Datum: 22. Juli 2026
Uhrzeit: 14:16 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Tokenisierung hat in Lateinamerika eine neue Phase erreicht. Was einst ein Versprechen war, hat sich zu einer im Aufbau befindlichen Infrastruktur entwickelt. Aufsichtsbehörden, Banken und Unternehmen legen nun den Grundstein für den Kapitalmarkt der kommenden Jahrzehnte. Tokenisierung bedeutet, Rechte an einem realen Vermögenswert, wie beispielsweise einem Schuldtitel, in digitale Einträge in einer Blockchain umzuwandeln. Die Blockchain ist das Netzwerk, das Transaktionen öffentlich und dezentral erfasst und validiert. Der Prozess ermöglicht den Handel mit diesen Vermögenswerten in Bruchteilen und auf nachverfolgbare Weise. Der globale Markt für tokenisierte Vermögenswerte könnte bis 2030 ein Volumen von 14 bis 16 Billionen US-Dollar erreichen. Diese Schätzung stammt von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG). Der Wert entspricht einem Vielfachen des jährlichen BIP ganz Lateinamerikas.

Warum ist Lateinamerika in den Wettlauf um die Tokenisierung eingestiegen?

Jahrelang stand die Region am Rande der globalen Kapitalströme. Das Problem war nicht der Mangel an wertvollen Vermögenswerten. Es war die teure, langsame und wenig inklusive Finanzinfrastruktur, die das internationale Geld mit den lokalen Möglichkeiten verband. Die Tokenisierung verändert diese Logik grundlegend. Ein in Asunción (Paraguay) oder Buenos Aires (Agentinien) begebenes Wertpapier kann nun auf globale Liquidität zugreifen. Die Handhabung ähnelt nun der einer Aktie, die in einem internationalen Index gehandelt wird. Die Technologie ist ausgereift. Und die Regulierungsbehörden der Region haben beschlossen, zu handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Die Zahlen untermauern diese Entwicklung. Der globale Markt für tokenisierte Wertpapiere überschritt im April 2026 einen On-Chain-Wert von 12,8 Milliarden US-Dollar. Der On-Chain-Wert ist der direkt in der Blockchain verzeichnete Gesamtwert. Prognosen zufolge sollen digitale Schuldtitel bis 2030 die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten. Laut BitGo, einem Unternehmen für die Verwahrung digitaler Vermögenswerte, liegt der Mittelpunkt dieses Wandels weder an der Wall Street noch in Europa. Verwahrung bezeichnet die sichere Aufbewahrung und den Schutz dieser Vermögenswerte. „Wir beobachten, wie die Region ihre eigene Version des Kapitalmarkts des 21. Jahrhunderts aufbaut, und das darf nicht unbemerkt bleiben. Es handelt sich um einen historischen Meilenstein. Tokenisierte Wertpapiere stellen nicht die Zukunft des Kryptomarktes für den Alltag dar. Sie sind bereits die Gegenwart des institutionellen Marktes. Und die Länder, die von Anfang an eine regulierte Verwahrungsinfrastruktur aufbauen, werden diejenigen sein, die die Spielregeln festlegen“, erklärt Luis Ayala, Geschäftsführer von BitGo für Lateinamerika.

Brasilien ist Vorreiter bei der Tokenisierung von Vermögenswerten

Brasilien ist der fortschrittlichste Markt der Region. Das Projekt „Drex“ der Zentralbank zielte auf die Abstimmung von Kreditsicherheiten ab. Drex ist der Real in digitaler Form, die offizielle digitale Währung, die derzeit von der Zentralbank entwickelt wird. Unterdessen hat der Privatsektor die Führung übernommen. Das Volumen der Token für Vermögenswerte aus der realen Welt stieg innerhalb eines Jahres um 1.134 %. Diese Vermögenswerte sind unter der Abkürzung RWA (Real World Assets) bekannt. Es handelt sich um traditionelle Vermögenswerte, die eine digitale Version auf der Blockchain erhalten, wie beispielsweise Schuldverschreibungen und Forderungen. Das Volumen übersteigt bereits 250 Millionen US-Dollar und Prognosen deuten darauf hin, dass die Tokenisierung im Land Kredite in Höhe von bis zu 1,2 Billionen Dollar freisetzen könnte. Die Frage der Institutionen hat sich geändert. Es geht nicht mehr darum, ob sie ihre Vermögenswerte tokenisieren sollen. Die Frage ist vielmehr, welche Verwahrungsinfrastruktur sie nutzen sollen, um den globalen Standards zu entsprechen.

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