Das Teatro Amazonas in Manaus im Bundesstaat Amazonas und das Theatro da Paz in Belém im Bundesstaat Pará sind unter dem Titel „Theater Amazoniens“ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden. Die beiden historischen Gebäude wurden in der Kategorie der Kulturerbestätten anerkannt. Die Entscheidung fiel am Montag, dem 27. Juli, während der 48. Sitzung des Welterbekomitees in Busan, Südkorea. Brasilien verfügt derzeit über 25 Stätten auf der UNESCO-Welterbeliste.
Die beiden Theater wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und sind monumentale Zeugnisse einer Zeit, in der der Kautschukboom Amazonien zu einer der wohlhabendsten Regionen Südamerikas machte. Gemeinsam bilden sie ein weltweit einzigartiges architektonisches Ensemble: Bauwerke, deren Gestaltung Bezüge zur Fauna, Flora und Kultur der Region aufnimmt und die mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Eröffnung bis heute in vollem Betrieb sind.
Teatro Amazonas: Oper im Herzen des Regenwaldes
Das am 31. Dezember 1896 eröffnete Teatro Amazonas gilt als eines der bekanntesten Wahrzeichen von Manaus. Seine Entstehung fiel in die Blütezeit des Kautschukbooms. Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das sowohl durch seine Größe als auch durch die Raffinesse seiner Materialien beeindruckt.
Fast alles wurde aus Europa importiert: Die Stahlwände kamen aus Glasgow in Schottland, der Carrara-Marmor für Treppen, Statuen und Säulen aus Italien, ebenso wie die 198 Leuchten. Die berühmte Kuppel, die die Silhouette des historischen Zentrums von Manaus prägt, ist mit 36.000 Keramikfliesen in den Farben der brasilianischen Flagge verkleidet, gefertigt im Elsass in Frankreich. Der architektonische Stil ist von der Renaissance geprägt und mit eklektischen Elementen versehen. Gerade der Kontrast zwischen europäischer Monumentalität und der Üppigkeit des umliegenden Regenwaldes verleiht dem Gebäude eine besondere Atmosphäre, wie sie kaum in einer anderen Stadt der Welt zu finden ist. Im Inneren bietet der Zuschauerraum 684 Plätze, verteilt auf das Parkett und drei Ränge mit Logen.
Seit 1966 steht das Teatro Amazonas unter nationalem Denkmalschutz. Zum Gebäude gehört auch ein Museum mit Exponaten, die seine Geschichte dokumentieren. Dazu zählen Bühnenbildmodelle des britischen Designers Ashley Martin-Davis, die für verschiedene Ausgaben des Festival Amazonas de Ópera entstanden sind — ein Festival, das jedes Jahr Künstlerinnen, Künstler und Publikum aus aller Welt mitten in den Amazonasraum zieht.
Theatro da Paz: 148 Jahre Geschichte im Herzen von Belém
Das am 15. Februar 1878 eröffnete Theatro da Paz war das erste große Theater Amazoniens. Es entstand zu einer Zeit, als Belém als „Hauptstadt des Kautschuks“ galt und zu den wohlhabendsten Städten des südamerikanischen Kontinents zählte. Der architektonische Entwurf des Militäringenieurs José Tibúrcio de Magalhães orientierte sich am Teatro alla Scala in Mailand. Entstanden ist ein Gebäude von beeindruckenden Ausmaßen, das sowohl durch seine Architektur als auch durch seine künstlerische Ausstattung besticht.
Die Innenräume vereinen Kristallleuchter, Mosaikböden aus edlen Hölzern Amazoniens, Fresken an Wänden und Decken, Dutzende Kunstwerke sowie dekorative Elemente mit Blattgold. Die Akustik des Theaters gilt als außergewöhnlich und wird von Künstlerinnen und Künstlern, die dort auftreten, bis heute besonders hervorgehoben. Mit rund 148 Jahren ununterbrochener Geschichte ist das Theatro da Paz heute das größte Theater der Nordregion Brasiliens und eines der prachtvollsten des Landes. Zugleich gehört es zu den wenigen historischen Theatern des 19. Jahrhunderts auf dem amerikanischen Kontinent, die weiterhin vollständig in Betrieb sind und das ganze Jahr über regelmäßig Aufführungen empfangen.
Amazonien jenseits des Regenwaldes
Die Aufnahme der „Theater Amazoniens“ in das UNESCO-Welterbe rückt eine Dimension der Region in den Vordergrund, die internationale Besucherinnen und Besucher häufig überrascht: Neben der einzigartigen Natur und Biodiversität Amazoniens sind Manaus und Belém Metropolen mit Geschichte, Architektur, Gastronomie und einem intensiven Kulturleben. Über regelmäßige Flugverbindungen sind sie mit dem übrigen Brasilien und der Welt verbunden. Für Reisende, die Amazonien in seiner ganzen Tiefe kennenlernen möchten, eröffnen die beiden Theater einen Zugang zu einer überraschenden Erzählung der Region.







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