Die Geschichte hinter der „brasilianischen Schweiz“

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Wer nach Campos do Jordão reist, findet eine von Europa inspirierte Ästhetik, Naturlandschaften und ein mildes Klima vor, das der Stadt den Beinamen „brasilianische Schweiz“ eingebracht hat (Fotos: Governo de SP)
Datum: 08. August 2026
Uhrzeit: 12:09 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Wer nach Campos do Jordão reist, findet eine von Europa inspirierte Ästhetik, Naturlandschaften und ein mildes Klima vor, das der Stadt den Beinamen „brasilianische Schweiz“ eingebracht hat. Doch die höchstgelegene Stadt des Landes blickt auf eine weitaus brasilianischere und weniger bekannte Geschichte zurück: Von Portugiesen gegründet, wurde sie durch den Beitrag von Familien aus dem Nordosten weiterentwickelt, die dazu beitrugen, eines der wichtigsten Winterreiseziele des Landes zu prägen. Die Stadt rechnet in diesem Jahr mit 6 Millionen Besuchern. Allein während der Wintersaison halten sich etwa 2,2 Millionen Touristen in der Gemeinde auf. Campos do Jordão wurde 1874 vom Portugiesen Matheus da Costa Pinto gegründet, der das Land für eine Rinderfarm erwarb. Die Besiedlung der Stadt auf dem Gipfel der Serra da Mantiqueira gewann in den 1920er Jahren an Fahrt, zunächst jedoch mit einer anderen Bestimmung.

Laut dem Historiker Edmundo Rocha Campos zog Campos do Jordão zu einer Zeit, als es noch keine wirksamen Medikamente gegen die Krankheit gab, Tuberkulosepatienten an. Vor allem zwischen den 1940er und 1960er Jahren galten das kalte Klima, die Bergluft, die Ernährung und die Ruhe als wichtige Faktoren bei der Behandlung. Der Experte erklärt, dass sich der Tourismus in dieser Zeit zu entwickeln begann, angetrieben durch die Besuche von Familienangehörigen und Freunden der stationären Patienten. Von den lokalen Landschaften begeistert, machten viele die Stadt bekannt und trugen so dazu bei, neue Besucher anzuziehen. Mit dem Rückgang der Sanatoriumsaktivitäten festigte sich der Tourismus als wichtigster Wirtschaftszweig der Gemeinde.

Die ersten Aufzeichnungen über eine Siedlung in Campos do Jordão stehen im Zusammenhang mit einem Befehl des portugiesischen Hofes, der an der Stelle, an der heute die Stadt liegt, einen Weg anlegen ließ, um Gold aus den Minen von Itajubá (MG) nach Pindamonhangaba (SP) zu transportieren. Obwohl der Weg später wieder geschlossen wurde, blieb Gaspar Vaz in der Region und verkaufte das Land an den ebenfalls portugiesischen Brigadegeneral Manuel Rodrigues Jordão – nach dem die Stadt benannt wurde –, bis das Land schließlich von Matheus erworben wurde.

Warum „brasilianische Schweiz“?

Agnes Yuri Uehara Bezerra, Professorin für Architektur und Stadtplanung an der Staatlichen Universität von Minas Gerais und ehemalige Dozentin am Bundesinstitut von São Paulo (IFSP) in Campos do Jordão, hebt eine Veränderung hervor, die eintrat, als die Gemeinde den Tourismuszyklus betrat: die Inspiration durch die Architektur von Ländern mit ähnlichem Klima, wie beispielsweise der Schweiz, um ein bestimmtes Bausystem zu übernehmen. Sie sagt jedoch, dass der Stil der Stadt als „eklektisch“ betrachtet werden könne. „Was sich im Laufe von mehr als einem Jahrhundert herausgebildet hat und bis heute fortbesteht, war eine echte Mischung aus Stilen, die fast immer von außen durch den starken Einfluss der ausländischen Einwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg mitgebracht wurden“, sagte sie.

Ihrer Meinung nach gehören zu den Beispielen dieser Mischung Chalets im Schweizer Stil, wie das Hotel Toriba, oder solche, die an die Tudor-Architektur englischen Ursprungs angelehnt sind. „Der polnische Architekt, der den Palácio Boa Vista entworfen hat, ließ sich bei der Errichtung des Gebäudes genau von diesem Stil inspirieren. Am Stadteingang hingegen findet man eine Nachahmung der Fachwerkbauweise im normannischen Stil, die als „falsches Fachwerk“ bekannt ist“, erklärte sie. Die Entwicklung von Campos do Jordão erhielt durch den Bau der 1914 eingeweihten Eisenbahnlinie „Estrada de Ferro Campos do Jordão“ neuen Schwung. Laut Edmundo Rocha Campos wurde das Bauvorhaben vom Portugiesen Sebastião de Oliveira Damas geleitet, der Arbeiter aus Castelo de Paiva in Portugal herbeiholte, um beim Bau der Eisenbahnlinie zu helfen.

Eine dieser Familien ist die des Unternehmers Nelson Gonçalves, deren Mitglieder bereits zur Zeit der Sanatorien in die Stadt kamen. „Mein Onkel kam hierher, um sich zu erholen, und ließ sich schließlich hier nieder. Meine Mutter und mein Vater kamen, um zu helfen, und gründeten ihr eigenes Geschäft“, erzählte er. Er betont, dass es in Campos viele Nachfahren von Portugiesen gibt, die bis heute einen starken Zusammenhalt pflegen. „Viele Jahre lang organisierte sich die Gemeinschaft, um portugiesischen Familien in der Stadt zu helfen. Es war eine lebendige Kolonie.“ Genau wie andere Nachfahren von Portugiesen in der Stadt begann auch Nelsons Familie, die portugiesischen Traditionen durch die Küche zu bewahren. Neben Stockfisch serviert das Familienrestaurant typische Gerichte wie Alheira und Lamm.

Deutsche Küche

Aber auch die Küche der Stadt weist einen starken deutschen Einfluss auf. Die Deutschen kamen zu einem anderen Zeitpunkt als die Portugiesen nach Campos do Jordão. Laut dem Historiker Edmundo Rocha Campos kam ein Teil von ihnen nach der Ankunft des deutschen Schiffes „Windhuk“ in Brasilien im Jahr 1939 in die Stadt. Zunächst waren sie in Konzentrationslagern festgehalten worden; nach ihrer Ankunft auf brasilianischem Boden begab sich ein Teil von ihnen nach Campos do Jordão, um dort vor allem im Hotelgewerbe zu arbeiten. Sie trugen auch dazu bei, die Gastronomie und die touristische Infrastruktur der Gemeinde zu festigen. Zu den Hinterlassenschaften dieser Familien zählen Rezepte, die zu Wahrzeichen der Stadt geworden sind, wie der Apfelstrudel, sowie Beiträge zur gastronomischen Kultur, die mit dem Winter in Campos do Jordão verbunden ist.

Menschen aus dem Nordosten bauen die Stadt auf

Mit dem Wachstum von Campos do Jordão ab den 1960er Jahren kamen Arbeiter aus dem Nordosten der Stadt, um im Baugewerbe zu arbeiten. Laut dem Historiker Edmundo Rocha Campos kamen viele aus Bahia und wirkten am Bau von Hotels, Sanatorien und Ferienhäusern mit. Cicero Roberto Rodrigues da Silva, Vorsitzender des Vereins der Nordostbrasilianer und Besitzer eines Radiosenders in Campos do Jordão, kam Anfang der 1990er Jahre aus Ingá in Paraíba, um als Hausmeister zu arbeiten. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters, der bereits in der Stadt war und in einem Hotel arbeitete. Nach und nach zog auch die Familie nach. Heute hat er zwei Kinder, die in Campos do Jordão geboren sind. „Viele Menschen sind von außerhalb gekommen, um hier zu arbeiten und sich ein Leben aufzubauen. Ich bin einer dieser Menschen und bin Campos do Jordão sehr dankbar, denn diese Stadt hat meine Familie aufgenommen und es uns ermöglicht, unsere eigene Geschichte zu schreiben“, erklärte er.

Obwohl die aus Minas Gerais stammende Gemeinschaft in Campos do Jordão die größte ist, lässt sich die Zuwanderung von Menschen aus Minas – anders als bei der Gemeinschaft aus dem Nordosten – durch die geografische Lage und die kulturellen Verbindungen erklären. Die Stadt grenzt an drei Gemeinden im Bundesstaat Minas Gerais – Brazópolis, Piranguçu und Wenceslau Braz. Diese Lage begünstigte den natürlichen Austausch von Menschen, Produkten und Arbeitskräften aus dem Süden von Minas Gerais. Die Menschen aus dem Nordosten kamen hingegen in einer Phase des Aufschwungs im Baugewerbe an, nach der Zeit der Sanatorien.

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