Mehr als 1,2 Millionen Brasilianer haben freiwillig ihren Selbstausschluss von Online-Wetten beantragt, während die Gesamtzahl der Personen, deren Zugang zu den Plattformen gesperrt ist, bei fünf Millionen liegt. Die brasilianische Regierung verschärft damit die Maßnahmen gegen Spielsucht und Verschuldung. Die größte Volkswirtschaft iun Lateinamerika treibt ihre Strategie zur Begrenzung der wirtschaftlichen und sozialen Schäden voran, die mit dem Wachstum der Online-Sportwetten verbunden sind. Das brasilianische Finanzministerium beziffert die Zahl der Personen, deren Zugang zu den Plattformen – im Land im Volksmund als bets bekannt – derzeit eingeschränkt ist, auf fünf Millionen, wobei die Gründe für die Sperrung unterschiedlich sind.
Der Selbstausschluss gewinnt in Brasilien an Boden
Über die zentralisierte Selbstausschluss-Plattform kann jeder Bürger freiwillig beantragen, von allen vom Sekretariat für Lotterien und Wetten des Finanzministeriums zugelassenen Wettanbietern ausgeschlossen zu werden. Das Tool sperrt bestehende Konten und verhindert die Eröffnung neuer Konten mit derselben CPF, der brasilianischen Steueridentifikationsnummer. Darüber hinaus wird der Nutzer während des gewählten Zeitraums von den zugelassenen Plattformen ausgeschlossen und darf auch keine zielgerichtete Wettwerbung erhalten. Das System ermöglicht es, die Beschränkung für einen bestimmten Zeitraum oder auf unbestimmte Zeit festzulegen. Bei einem befristeten Ausschluss kann dieser vor Ablauf der Frist nicht widerrufen werden, während ein unbefristeter Ausschluss erst nach 12 Monaten aufgehoben werden kann. Anhand der von den Behörden veröffentlichten Daten lassen sich die wichtigsten Gruppen unterscheiden, denen der Zugang zu Online-Wetten bereits eingeschränkt ist.
Brasilien schränkt Glücksspiele für Sozialhilfeempfänger ein
Die größte Gruppe der von den Beschränkungen betroffenen Bürger besteht aus etwa drei Millionen Empfängern von Sozialleistungen. Die Maßnahme soll verhindern, dass Mittel aus öffentlichen Hilfen zur Finanzierung von Glücksspielen verwendet werden. Hinzu kommen rund 800.000 Personen, die am Umschuldungsprogramm „Desenrola“ teilnehmen und bereits im Wettmanagementsystem registriert waren. Der Ausschluss von den Plattformen ist Teil der Maßnahmen, die ergriffen wurden, um das finanzielle Risiko für Personen zu begrenzen, die ihre finanziellen Verpflichtungen umstrukturieren müssen. Durch die Gesamtheit der Beschränkungen steigt die Zahl der Bürger, die vom regulierten Wettmarkt ausgeschlossen sind, auf etwa fünf Millionen Brasilianer – sei es aus eigener Entscheidung oder weil sie unter einen der von den Behörden festgelegten Tatbestände fallen.
Mehr Kontrolle über die Wettanbieter
Die Politik des verantwortungsvollen Spielens wird parallel zum Regulierungsprozess der Branche weiterentwickelt. Das Sekretariat für Lotterien und Wetten ist die Behörde, die für die Zulassung, Regulierung, Überwachung, Kontrolle und gegebenenfalls die Sanktionierung der Unternehmen zuständig ist, die in Brasilien Festquotenwetten betreiben. Die nationalen Genehmigungen im Rahmen des neuen Regulierungsrahmens sind seit dem 1. Januar 2025 in Kraft. Unternehmen, die legal tätig sind, müssen die vom Finanzministerium festgelegten Vorschriften einhalten und die Mechanismen zum Schutz der Wettenden anwenden. Die Regierung geht zudem gegen Betreiber vor, die diesen Verpflichtungen nicht nachkommen. Nach dem letzten bekannten Stand wurden die Lizenzen mehrerer Marken, die zu ein und demselben Betreiber gehören, aufgrund von Mängeln ausgesetzt, die unter anderem die Kontrollmechanismen für Spielsüchtige und die erforderlichen Unterlagen betrafen.
Der zentralisierte Selbstausschluss wird damit zu einem der wichtigsten Instrumente Brasiliens, um den Folgen des rasanten Wachstums des digitalen Glücksspiels zu begegnen. Der Mechanismus beschränkt sich nicht auf die Schließung bestehender Konten: Er verhindert auch Neuanmeldungen bei zugelassenen Anbietern und unterbindet personalisierte Werbung während der Sperrfrist. Die Zahl von 1,2 Millionen freiwilligen Selbstausschlussanträgen verdeutlicht die Tragweite, die dieses Instrument mittlerweile erlangt hat, während die fünf Millionen Zugangsbeschränkungen ein Zeichen für eine zunehmende staatliche Intervention in einem Markt sind, den Brasilien neuen Aufsichts- und Verbraucherschutzvorschriften unterwirft.







© 2009 – 2026 agência latinapress ist ein Angebot von
Leider kein Kommentar vorhanden!