Paraguay verliert seinen vierten Platz im globalen Bitcoin-Mining

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Bitcoin Mining ist ein Prozess, bei dem Rechenleistung zur Transaktionsverarbeitung, Absicherung und Synchronisierung aller Nutzer im Netzwerk zur Verfügung gestellt wird (Foto: WildBTC)
Datum: 21. August 2026
Uhrzeit: 13:36 Uhr
Ressorts: Panorama, Paraguay
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Kaum ein Jahr, nachdem Paraguay weltweit den vierten Platz im Bitcoin-Mining erreicht hat, steht die aufstrebende paraguayische Industrie vor einer ungewissen Zukunft – dabei stehen Investitionen in Millionenhöhe und eine wichtige Steuer Einnahmequelle auf dem Spiel. Die Zeit läuft gegen die Verträge, die dieses südamerikanische Land zu einer unerwarteten Macht im Bereich des digitalen Minings gemacht haben. Alle Lieferverträge zwischen der Mining-Branche und der Nationalen Stromverwaltung (ANDE) laufen am 31. Dezember 2027 aus und enthalten bislang keine Klausel zur automatischen Verlängerung. Je näher dieses Datum rückt, desto mehr drohen eine Abwanderungswelle von Investoren und eine weltweite Rentabilitätskrise, den bemerkenswerten Aufschwung zunichte zu machen, den das Land erst im Oktober 2025 erreicht hatte.

Im Oktober 2025 bestätigte der Branchen-Tracker Hashrate Index, was unwahrscheinlich schien: Paraguay konzentrierte 4,3 % der globalen Rechenleistung von Bitcoin, was 43 Exahashes pro Sekunde entspricht. Damit belegte das Land mit rund 7 Millionen Einwohnern den vierten Platz weltweit, direkt hinter den USA, Russland und China. Das Wachstum der Branche stützte sich auf eine reichlich vorhandene und strategisch ungenutzte Ressource: den Energieüberschuss seiner Wasserkraftwerke, insbesondere des Itaipú-Kraftwerks. Diese Verfügbarkeit lockte mehr als 60 digitale Rechenzentren mit geschätzten Investitionen in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar an.

Derzeit konzentrieren sich 730 Megawatt (MW) auf nur vier Unternehmen – ein Volumen, das die einzelne Erzeugungskapazität einer der Turbinen des binationalen Staudamms (700 MW) übersteigt. Für den Staat waren die finanziellen Auswirkungen bahnbrechend. Die jährlichen Einnahmen der ANDE aus diesem Sektor stiegen von 100 Millionen Dollar auf prognostizierte 350 Millionen bis 2026. Die Miner machen nun 60 % der Einnahmen des staatlichen Energieversorgers aus dem Verkauf von Überschussstrom aus und haben im Jahr 2025 240 Millionen Dollar in das System eingespeist. Doch diese Erfolgsgeschichte, die erst vor wenigen Monaten erreicht wurde, stößt nun auf eine unaufschiebbare Frist.
Der stille Abschied der Bitcoin-Mining-Farmen

Offizielle Aufzeichnungen zeigen, dass die Zahl der formellen Mining-Betreiber innerhalb nur eines Jahres um 42 % gesunken ist, von 71 auf 41 aktive Akteure. Vertreter der Branche nennen die regulatorische Unsicherheit als Hauptgrund. Bruno Vaccotti, Gründungsmitglied der paraguayischen Kammer für den Abbau digitaler Vermögenswerte, vertritt die Ansicht, dass die öffentliche Begeisterung der Regierung einen Mangel an Aufmerksamkeit für den zugrunde liegenden Rechtsrahmen verschleiert. „Das ist kein administratives Detail“, schreibt er in seiner Kolumne. „Es geht um die Lebensdauer einer ganzen Branche.“ Zu dieser Unsicherheit kommt eine Tariferhöhung um bis zu 16 % hinzu, die die ANDE im vergangenen Jahr verhängt hat, um Verluste durch illegale Anschlüsse auszugleichen – eine Anpassung, die nach Angaben kleinerer Wettbewerber dazu geführt hat, dass diese aus dem Markt gedrängt wurden.

Der Rückzug dieser Unternehmen innerhalb nur eines Jahres spiegelt eine Umverteilung der Rechenleistung wider. Im Bitcoin-Mining wird die in einem Land abgeschaltete Hashrate fast sofort von globalen Wettbewerbern mit vorhersehbaren Tarifstrukturen aufgefangen. Somit führt die Untätigkeit bei der Unterzeichnung neuer Verträge dazu, dass Paraguay den vierten Platz, den es 2025 erobert hatte, nach und nach wieder abgibt. Das Auslaufen der Verträge im Dezember 2027 ohne die Möglichkeit einer automatischen Verlängerung lässt ein kritisches Szenario erwarten: Bis 2028 würde dieser Cashflow versiegen.

Der Wind dreht sich gegen den Bitcoin-Mining in Paraguay

Die innenpolitische Unsicherheit in Paraguay fällt mit einer außergewöhnlich schwierigen Phase für die globale Mining-Branche zusammen. Die Rechenleistung von Bitcoin ist um bis zu 17 % gegenüber ihrem Allzeithoch gesunken, während die führenden Mining-Unternehmen einen Teil ihrer Energiekapazitäten und ihres Kapitals in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz umlenken. Laut einem Bericht von CoinShares ist der Hashprice, ein Schlüsselindikator für die Rentabilität des Minings, von einem Bereich von 36 bis 38 Dollar pro PH/s/Tag Ende 2025 auf nur noch 28–29 Dollar in den ersten Monaten des Jahres 2026 gesunken – weit unter der Gewinnschwelle von 35 Dollar, die ältere Geräte benötigen. Schätzungen zufolge arbeitet derzeit zwischen 15 % und 20 % der weltweiten Mining-Flotte mit Verlusten. Dennoch bleibt die Gesamtleistung des Netzwerks bei etwa 920 Exahash pro Sekunde (EH/s), was einen erbitterten Wettbewerb auf globaler Ebene belegt. Für Paraguay ist die Lage kritisch: die Unentschlossenheit der lokalen Regulierungsbehörden fällt mit der schwierigsten Phase des globalen Rentabilitätszyklus zusammen.

Das Dilemma: Energie für das Bitcoin-Mining oder für KI?

Vor diesem Hintergrund erwägt die paraguayische Regierung eine Alternative: die für das Mining verbrauchten Megawatt für das Training von Modellen der künstlichen Intelligenz (KI) umzuleiten. KI-Rechenzentren versprechen stabile Einnahmen und eine kurzfristige Positionierung in einer Zukunftstechnologie, doch es gibt ein zeitliches Problem, da für die KI noch keine unterzeichneten Verträge vorliegen, während das Bitcoin-Mining in diesem Jahr voraussichtlich 350 Millionen Dollar einbringen wird. In seiner Kolumne warnt Vaccotti vor den finanziellen Folgen der Untätigkeit: „Wenn der Stromfluss aus dem Mining 2027 versiegt, werden wir alle Paraguayer die Lücke in den Konten der ANDE schließen müssen, sei es durch höhere Tarife oder durch eine höhere Staatsverschuldung.“ Während Paraguay zögert, konkurrieren die KI-Rechenzentren bereits um dieselben Megawatt, wie eine Analyse angesichts des Streits um die Energieversorgung warnt, deren Neuausrichtung die Regierung derzeit prüft.

Die Regierung hat teilweise Maßnahmen ergriffen. Während der Amtszeit von Peña wurde das Gesetz 7300 erlassen, um die Strafen für Stromdiebstahl zu verschärfen, und es wurde sogar ein Pilotprojekt zur Wiederinbetriebnahme beschlagnahmter Geräte ins Auge gefasst, um strategische Bitcoin-Reserven im Besitz des Staates zu erschließen. „Dass der paraguayische Staat darüber debattiert, ob er seine ersten Bitcoins verkauft oder behält, ist etwas, das vor drei Jahren noch wie Science-Fiction klang“, räumt Vaccotti ein. Auf jeden Fall ermöglichten die ursprünglich im Jahr 2022 abgeschlossenen Verträge Paraguay den Durchbruch auf der Weltkarte des Bitcoin-Minings. Doch je näher das Ablaufdatum im Jahr 2027 rückt, desto mehr stellt das Fehlen einer rechtlichen Regelung das Land vor ein ungünstiges Szenario, nämlich den allmählichen Verlust seines Gewichts im globalen digitalen Mining, ohne dass die betrieblichen Voraussetzungen für den Übergang zu Rechenzentren für künstliche Intelligenz bereits konkretisiert worden sind.

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