Der lateinamerikanische Automobilmarkt durchläuft mit der zunehmenden Verbreitung der Elektroflotte einen historischen Wandel. Nach aktuellen Daten des kolumbianischen Verbandes der Autohändler (Aconauto) beliefen sich die Verkäufe dieser Modelle allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres auf 136.575 Einheiten. Dieses Volumen stellt einen deutlichen Sprung dar im Vergleich zu den 80.635 Zulassungen im gleichen Zeitraum des Jahres 2025. Derzeit machen Elektrofahrzeuge bereits einen Anteil von 14,5 % am gesamten regionalen Markt aus, was zeigt, dass die lokalen Verbraucher zunehmend bereit sind, auf traditionelle fossile Brennstoffe zu verzichten. Vor dem Hintergrund dieses Wachstums wurden 33.772 rein elektrische Modelle verkauft, was einem Marktanteil von 3,6 % entspricht. Die Mehrheit bevorzugt jedoch weiterhin Hybridfahrzeuge, von denen 77.039 zugelassen wurden. Auch Plug-in-Hybride zeigen mit 25.664 verkauften Einheiten eine starke Dynamik.
Laut Pedro Nel Quijano, Präsident des lateinamerikanischen Verbandes der Automobilhändler (Aladda), hat diese Entwicklung in jedem Land unterschiedliche Gründe. „Lateinamerika treibt die Energiewende seiner Fahrzeugflotte entschlossen voran, jedoch aus unterschiedlichen Motiven. In den Ländern des Südkegels beispielsweise aus Umweltbewusstsein; in Kolumbien, um die ‚Pico y Placa‘ [Fahrzeugbeschränkungen zur Vermeidung von Staus] in den Städten zu umgehen“, sagte er gegenüber Bloomberg Línea. Die Entscheidung für Zwischenmodelle spiegelt den aktuellen Stand der verfügbaren technischen Unterstützung wider. Der Manager erklärte, dass die in Lateinamerika noch in den Kinderschuhen steckende Ladeinfrastruktur die Verbraucher dazu veranlasst, sich für Zwischenlösungen wie Hybridfahrzeuge (HEV) und Mild-Hybrid-Fahrzeuge (MHEV) zu entscheiden, anstatt für Optionen, die stärker vom Stromnetz abhängig sind. In dieser Hinsicht sticht Brasilien als sicherer Hafen der Elektromobilität hervor. Daten der Lateinamerikanischen Energieorganisation (OLACDE) zeigen, dass das Land im Jahr 2025 mit 14.827 installierten Ladestationen die Liste der öffentlichen Ladestationen anführte und Nachbarn wie Mexiko und Chile deutlich übertraf.
Rekordleistung belebt die Märkte in Argentinien und Mexiko
Brasilien festigte seine Position als größter Markt der Region mit 55.713 verkauften Elektrofahrzeugen in den ersten beiden Monaten, was einem Anstieg von 69 % und einem Anteil von 15,7 % am heimischen Markt entspricht. Das Wachstum wurde von rein elektrischen Fahrzeugen angeführt, die einen beeindruckenden Anstieg von 103,4 % verzeichneten. Mexiko folgt mit 27.840 Einheiten und verzeichnet einen bemerkenswerten Sprung im Segment der Plug-in-Hybride. Kolumbien behält den dritten Platz und weist mit 36 % den höchsten prozentualen Anteil an Elektrofahrzeugen am Gesamtmarkt auf.
Überraschenderweise verzeichnete Argentinien das stärkste prozentuale Wachstum in diesem Zeitraum. Mit 12.583 verkauften Einheiten wuchs die Elektroflotte des Nachbarlandes um 263,4 %, wobei insbesondere das Segment der Plug-in-Hybride exponentiell zulegte. Auch Chile befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs mit einem Anstieg der Zulassungen um 60 %. Dieses regionale Bild unterstreicht, dass der Übergang zu einer saubereren Mobilität trotz struktureller Herausforderungen kein Zukunftsversprechen mehr ist, sondern im Jahr 2026 auf den Straßen Lateinamerikas bereits fest verankert sein wird.
