Der Água-Negra-Tunnel steht weiterhin im Mittelpunkt eines lang gehegten Ziels: eine Andenüberquerung in extremer Höhe in einen stabilen Korridor zwischen Argentinien und Chile zu verwandeln. Laut der Interamerikanischen Entwicklungsbank zielt das Projekt darauf ab, die grenzüberschreitende Integration zu verbessern und den regionalen Zugang zu internationalen Märkten über den Korridor Coquimbo–San Juan–Porto Alegre zu erweitern. Das chilenische Ministerium für öffentliche Arbeiten teilt mit, dass der Plan einen 13,9 Kilometer langen Tunnel in etwa 4.000 Metern Höhe vorsieht. EBITAN, eine binationalen Einrichtung, die zur Durchführung des Vorhabens gegründet wurde, führt aus, dass die technische Lösung zwei Tunnel von jeweils etwa 13,9 Kilometern Länge umfasst.
Die Gebirgskette als Weg
Den Dokumenten der IDB zufolge ist das Megaprojekt Teil eines bioozeanischen Korridors, der produktive Regionen im südamerikanischen Hinterland näher an die Pazifikhäfen bringen soll. In der Praxis bedeutet dies, die Abhängigkeit von einem Gebirgspass zu verringern, der Schnee, extremer Höhe und saisonalen Unterbrechungen ausgesetzt ist. Die chilenische Regierung vertritt dieselbe Logik. In offiziellen Mitteilungen erklärt das MOP (Ministerium für öffentliche Arbeiten von Chile), dass das Bauvorhaben die Anbindung verbessern und günstigere Bedingungen für Fracht, Passagiere und Tourismus schaffen kann. Daher erscheint Água Negra weniger als lokales Projekt, sondern vielmehr als logistisches Element mit regionaler Reichweite.
Ein langjähriger Plan, geprägt von Ingenieurskunst und Diplomatie
Die institutionelle Geschichte des Tunnels hat nicht erst jetzt begonnen. Im Jahr 2010 verzeichnete das chilenische MOP die Gründung der binationalen Kommission, die sich der Umsetzung des Projekts widmen sollte. Jahre später teilte dasselbe Ministerium mit, dass zehn Konsortien, bestehend aus 29 Unternehmen, an der Vorqualifikation für die Planung und den Bau des Projekts teilgenommen hätten. Auch die IDB hat ihre Unterstützung für das Vorhaben bekräftigt. Auf ihrer offiziellen Website teilt die Bank mit, dass sie Maßnahmen im Zusammenhang mit der Strukturierung des internationalen Agua-Negra-Tunnels genehmigt habe. Mit anderen Worten: An technischen Entwürfen, diplomatischer Koordination und institutionellen Anstrengungen, um das Projekt voranzutreiben, mangelte es nicht.
Die Durchquerung, die noch nicht wirklich begonnen hat
Dennoch bleibt die tatsächliche Umsetzung der Schwachpunkt der Geschichte. Auf der Website der IDB selbst ist zu sehen, dass das 2016 genehmigte Strukturierungsprogramm den Status „abgeschlossen“ aufweist. Zudem besagt eine unabhängige Bewertung der Bank, dass der Tunnel nicht gebaut und dass ein Teil der für die technische Unterstützung vorgesehenen Mittel umgeleitet wurde. Diese Information verändert den Kontext der Nachricht. Agua Negra ist heute kein fest etabliertes Bauprojekt, sondern ein strategisches Vorhaben, das weiterhin zwischen Absicht, Planung und unvollständigen Wiederaufnahmen feststeckt.
Zwischen dem Korridor und dem Berg
Die EBITAN präsentiert den Tunnel als zentrales Bindeglied eines bioozeanischen Korridors zwischen Atlantik und Pazifik. Auch Planungsdokumente der Provinz San Juan behandeln Agua Negra als ein Bauvorhaben, das den Landverkehr und die regionale Entwicklung vorantreiben kann. Im wissenschaftlichen Bereich hat das Projekt sogar Vorschläge wie das unterirdische Labor ANDES angeregt, das innerhalb des Straßennetzes des Tunnels eingerichtet werden soll. Der Berg stellt zwar Hindernisse dar, doch das strategische, diplomatische und logistische Interesse bleibt ungebrochen und wartet darauf, dass das Projekt endlich über das Papier hinausgeht.
