Mexiko: Klage in Milliardenhöhe gegen US-Waffenfirmen

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Laut dem von "Reuters" eingesehenen Dokument sind die Behörden und die Bevölkerung des lateinamerikanischen Landes seit Jahrzehnten Opfer "einer tödlichen Flut von Militärwaffen und anderen besonders tödlichen Waffen, die aus den Vereinigten Staaten über die Grenze in kriminelle Hände gelangen" (Foto: Policía mexicana)
Datum: 05. August 2021
Uhrzeit: 10:19 Uhr
Ressorts: Mexiko, Panorama
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Die mexikanische Regierung hat am Mittwoch (4.) gegen mehrere US-Waffenhersteller in den Vereinigten Staaten vor einem Bundesgericht Klage eingereicht. Sie werden beschuldigt, den lokalen kriminellen Markt zu beliefern. Mexiko fordert eine finanzielle Entschädigung in Höhe von bis zu zehn Milliarden US-Dollar. Seit Jahren haben mehrere mexikanische Regierungen Washington aufgefordert, mehr gegen den illegalen Waffenhandel zu unternehmen. Dies ist jedoch das erste Mal, dass die Forderung vor Gericht landet, was auf das Interesse von Präsident Andrés Manuel López Obrador zurückzuführen ist. Das Staatsoberhaupt will neue Wege finden, um das Problem zu bekämpfen. In der beispiellosen Zivilklage, die bei einem Bundesbezirksgericht in Massachusetts eingereicht wurde, werden Einheiten von Smith & Wesson, Barrett Firearms, Colt’s Manufacturing Company, Glock Inc, Sturm, Ruger & Company und anderem „fahrlässige Praktiken“ vorgeworfen, die den illegalen Handel mit ihren Produkten nach Mexiko erleichtern.

Laut dem von „Reuters“ eingesehenen Dokument sind die Behörden und die Bevölkerung des lateinamerikanischen Landes seit Jahrzehnten Opfer „einer tödlichen Flut von Militärwaffen und anderen besonders tödlichen Waffen, die aus den Vereinigten Staaten über die Grenze in kriminelle Hände gelangen“. Im Text wird behauptet, dass es sich dabei nicht um ein natürliches Phänomen oder eine unvermeidliche Folge des Geschäftslebens handelt, sondern um „das vorhersehbare Ergebnis der bewussten Handlungen und Geschäftspraktiken der Beklagten“. Laut der Klage vermarkten, vertreiben und verkaufen die Beschuldigten Waffen in einer Weise, von der sie wissen, dass sie routinemäßig Drogenkartelle in Mexiko bewaffnen“. Unter anderem können die Produkte leicht modifiziert werden, um automatisch und damit tödlicher zu werden, heißt es weiter.

Die Regierung wirft diesen Unternehmen vor, sich über die Empfehlungen der Behörden beider Länder zur Unterbindung des illegalen Handels hinwegzusetzen. „Stattdessen beliefern sie weiterhin den kriminellen Waffenmarkt in Mexiko, weil sie davon profitieren“, heißt es. Der Schaden, den das lateinamerikanische Land als Entschädigung fordert, beläuft sich nach offiziellen Angaben auf etwa zehn Milliarden US-Dollar. Das Außenministerium schätzt, dass jedes Jahr eine halbe Million Waffen illegal ins Land kommen und in die Hände der organisierten Kriminalität gelangen. Demnach handels es sich bei „siebzig bis neunundneunzig Prozent der an fast allen Tatorten in Mexiko sichergestellten Waffen um Schmuggelware aus den Vereinigten Staaten“.

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  1. 1
    Peter Hager

    Den Waffenlieferanten, gleich aus welchem Land, die Schuld am Missbrauch zu geben und sie verklagen zu wollen, ist speziell von Seiten der mexikanischen Regierung an dummdreister Unverschämtheit kaum zu überbieten. Sie sind es doch, die mit den Mördern aus der Drogenmafia gemeinsame Sache machen und deren hemmungslose, fast ungestörte Existenz überhaupt erst ermöglichen, zum Leidwesen der Bürger auch vieler anderer Nationen.
    Kommen die Waffen nicht aus den U.S.A., dann holen die Ganoven sie sich aus Rußland oder China. Und dann möchte ich die großmäulige mexikanische Regierung sehen,wie siedie Hersteller in diesen Ländern verklagen.

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