Techniken, die von Dienern des Inka-Reiches vor fünhundert Jahren zum Bau von Kanälen verwendet wurden, werden in Peru wiederbelebt, um dringend benötigtes Wasser in abgelegene Berggemeinden und in die darunter liegende Stadt Lima zu leiten. Die Kanäle wurden vor Jahrhunderten von der ethnischen Gruppe der Yapani aus Lehm und Steinen gebaut, die über einen langen Zeitraum hinweg kunstvoll verdichtet wurden. Die örtliche Gemeinde verwendete früher Beton, um neue, moderne Kanäle zu bauen, aber dieser erstickte das Pflanzenwachstum, beeinträchtigte das lokale Ökosystem und zerfiel nach nur zehn Jahren. Die Yapani-Kanäle hingegen sind mehr als fünfhundert Jahre alt. Neue Kanäle, die mit den alten Techniken gebaut werden, könnten bei richtiger Bauweise mehr als einhundert Jahre halten. Außerdem sind sie durchlässig, so dass das Wasser gefiltert wird und Pflanzenwurzeln helfen, die Struktur zu verankern.
Manuel Rios, dessen Arbeit von der in Warwickshire ansässigen Wohltätigkeitsorganisation „Practical Action“ unterstützt wird, erklärte: „Unsere Vorfahren haben die Kanäle mit Steinen und Lehm gebaut. Dieses Wissen ist verloren gegangen und es liegt in unserem Interesse, es wiederzuerlangen. Wir müssen die Kontrolle über die Bewirtschaftung des Wassers für die Kulturen übernehmen. Dies alles geschieht dank des Wissens unserer Vorfahren.“ Die Einheimischen ergriffen die Gelegenheit, die Kanäle wiederaufzubauen. Für die Wiederherstellung benötigten dreißig Arbeiter aus der Stadt vier Monate. Der größte Teil der Gemeinde ist an dem Projekt beteiligt, da die lokalen Kulturen wie Avocados, Äpfel und Mais davon abhängig sind. „Practical Action“ unterstützte die Gemeinde, indem es mit den örtlichen Verantwortlichen zusammenarbeitete, um freiwillige Arbeitskräfte zu organisieren und half bei der Finanzierung des Transports von Baumaterialien und Menschen in die Berggebiete, wo Quellen und kleine Seen entspringen. Außerdem werden einfache Regenmesser zur Messung der Niederschläge und zur Vorhersage von Überschwemmungen im weiteren Verlauf des Flusseinzugsgebiets bereitgestellt.
Besonders der Zugang zu Wasser in Lima, der Hauptstadt Perus, wird immer schwieriger. Sie ist die zweittrockenste Stadt der Welt und die Gletscher in den Anden schmelzen aufgrund der Klimakrise in alarmierendem Tempo. Die von Rios angewandten Techniken könnten sich als lebenswichtige Waffe erweisen, da das Wasser insbesondere in abgelegenen Gemeinden immer knapper wird.
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