Kostengünstiger ästhetischer Tourismus für plastische Operationen im Ausland führt zu einem Anstieg des Medizintourismus. Experten und medizinische Fachgesellschaften warnen vor einem starken Anstieg schwerwiegender Komplikationen. Die Türkei, Kolumbien, Brasilien und Argentinien sind Hotspots für solche kostengünstigen Eingriffe. Die Folgen belasten die öffentlichen Gesundheitssysteme in Europa und den Vereinigten Staaten. Der weltweite Markt für Medizintourismus wird bis 2030 ein Volumen von 97,9 Milliarden US-Dollar erreichen. Laut der British Association of Aesthetic Plastic Surgeons (BAAPS) machen plastische Operationen etwa 25 % dieses Gesamtvolumens aus. Dieses Wachstum verursacht Probleme. Die BAAPS meldete für die letzten drei Jahre einen Anstieg von 94 % bei korrigierenden Operationen im Vereinigten Königreich aufgrund von verpfuschten Eingriffen im Ausland.
Risikoreiche Eingriffe und häufige Komplikationen
Fast 90 % der Komplikationen stammen aus Operationen zur Körperformung. Die Bauchstraffung (Abdominoplastik) führt mit 64 % der Fälle. Folgt die Fettabsaugung und die Gesäßvergrößerung, wie beispielsweise das Brazilian Butt Lift (BBL). Häufige Probleme sind Wunddehiszenz (offene Wunden, 33 %) und Serome (Flüssigkeitsansammlungen, 29,1 %). Auch Infektionen treten häufig auf. Diese Probleme erfordern lange Krankenhausaufenthalte, mehrere Nachbehandlungen oder Notfallmaßnahmen wie die Entfernung von Implantaten im Heimatland der Patienten. Experten machen unzureichende präoperative Untersuchungen, kurze Krankenhausaufenthalte und minimale postoperative Versorgung dafür verantwortlich. Sicherheitsprotokolle sind oft unzureichend. Patienten sind außerdem dem Risiko einer Exposition gegenüber multiresistenten Bakterien ausgesetzt. Zu frühe Rückflüge auf Langstreckenflügen erhöhen die Risiken nach größeren Operationen.
Warnungen von Gesundheitsbehörden
Die US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) raten Reisenden, die sich für Schönheitstourismus interessieren, Wochen im Voraus einen Hausarzt und einen Reisemediziner zu konsultieren. Patienten müssen ihren Gesundheitszustand und ihre Medikamentenversorgung überprüfen. Sie sollten das Komplikationsmanagement mit den Anbietern im Ausland besprechen. Die Überprüfung der Versicherung für medizinische Evakuierungen und die Beschaffung englischsprachiger Krankenakten sind von entscheidender Bedeutung. Der rechtliche Schutz und die Qualität der Versorgung variieren von Land zu Land. Die Infektionskontrolle ist oft mangelhaft. Die CDC erklärt, dass Patienten ihren zukünftigen Ärzten ihre vollständige Reise- und Behandlungsgeschichte offenlegen müssen. Im Vereinigten Königreich empfehlen die BAAPS, der National Health Service (NHS) und das Royal College of Surgeons, Qualifikationen und Akkreditierungen zu überprüfen. Patienten sollten „Urlaubspakete” vermeiden. Sie sollten Flüge nach einer Fettabsaugung oder Brustoperation um 5 bis 7 Tage verschieben. Bei Bauchstraffungen oder Gesichtsbehandlungen ist eine Wartezeit von 9 bis 10 Tagen erforderlich.
Bedauern der Patienten und regionale Probleme
Die Daten der BAAPS zeigen ein starkes Bedauern. Sechsundsechzig Prozent der Patienten, die sich im Ausland einer Schönheitsoperation unterzogen haben, würden dies nicht noch einmal tun. Fast die Hälfte äußert absolutes Bedauern. Achtundachtzig Prozent der britischen Fachleute haben unzufriedene Patienten behandelt. Diese Patienten kamen hauptsächlich aus der Türkei (42 %), Kolumbien (38 %) und Argentinien (18 %). In Argentinien führen Nicht-Spezialisten wie Kinderärzte oder Psychiater manchmal Injektionen oder Operationen in nicht zugelassenen Einrichtungen durch. Kliniken bringen Patienten oft vom Flughafen direkt zu sofortigen Eingriffen. Dies führt zu hohen Infektionsraten und Unzufriedenheit. Fachärzte betonen die Notwendigkeit gründlicher Vorabkonsultationen, einer sorgfältigen Auswahl des Reiseziels und einer angemessenen Erholungszeit. Der kostengünstige Schönheitstourismus nimmt weiter zu. Die Botschaft ist klar. Vorab gespartes Geld kann später zu teuren oder lebensbedrohlichen Folgen führen.







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