Mit Beginn des neuen Jahres findet das kulturelle Leben Paraguays wieder seinen Rhythmus entlang der Flussufer, an historischen Stätten, in Bibliotheken und Gemeinschaftsräumen im ganzen Land. Durch eine Vielzahl von Initiativen, die vom Nationalen Sekretariat für Kultur (SNC) unterstützt werden, verbinden Kunst, Kulturerbe und kollektives Gedächtnis die Menschen weiterhin mit ihren Regionen und gemeinsamen Geschichten. Die Kultursaison wurde im Hafen von Asunción eröffnet, wo Embarcate – Tardes Culturales en el Puerto mit seiner ersten Ausgabe 2026 zurückkehrte. Am 10. Januar verwandelte sich das historische Hafengebiet in einen Treffpunkt unter freiem Himmel, der Familien und Besucher zu einem Nachmittag und Abend voller Musik, Kreativität und sommerlicher Freizeit am Flussufer einlud. Am Nachmittag lud eine Messe für Kunst, Design, Kunsthandwerk, Gastronomie und lokales Unternehmertum die Öffentlichkeit ein, die paraguayische Kreativität in einer entspannten, offenen Umgebung zu entdecken, umrahmt vom Blick auf den Paraguay-Fluss bei Sonnenuntergang.
Im Mittelpunkt stand die Musik mit dem El Barullo Festival, bei dem sechs nationale Bands mit einem breiten Spektrum an Stilen und Generationen auftraten. Die kostenlose, frei zugängliche Veranstaltung bestätigte erneut die Bedeutung des Hafens als Ort des kulturellen Austauschs und der Bürgerbeteiligung, ergänzt durch die Ausstellung Del río las coronas, die das Erlebnis um eine visuelle Dimension bereicherte. Zusammen unterstrichen diese Aktivitäten die Rolle öffentlicher Räume als Orte, an denen Kultur gemeinsam gelebt wird. Außerhalb der Hauptstadt wird die Arbeit zum Erhalt des kulturellen Erbes durch Tekorenda fortgesetzt, ein nationales Programm, das sich auf die Wiederherstellung und Revitalisierung historischer Stätten konzentriert. Anfang 2026 laufen Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten an ehemaligen Bahnhöfen, Kirchen, Kulturhäusern und Korridoren in Städten wie Areguá, Ybytymí, San Salvador de Guairá, San Pedro del Ycuamandiyú, Piribebuy, Isla Umbú, Yaguarón und Asunción.
Diese Projekte verbinden architektonische Restaurierung mit sozialen und pädagogischen Aspekten und arbeiten eng mit den lokalen Gemeinschaften zusammen, um die Verbindung zwischen Kulturerbe, alltäglicher Nutzung und Wissensvermittlung zu stärken. Dieser gemeinschaftsorientierte Ansatz spiegelt sich auch in Initiativen wider, die das Lesen, Schreiben und mündliche Überlieferungen fördern. In der Region Chaco würdigt das Buch „Sooso’“ das Geschichtenerzählen in der Sprache der Enlhet und bewahrt so lebendige Erzählungen, die in der kollektiven Erinnerung und den alltäglichen Erfahrungen verwurzelt sind. Die Veröffentlichung wird vom SNC durch den CONALIB-Kulturfonds unterstützt und stärkt indigene Sprachen und erweitert den Zugang zu kulturellen Inhalten, die von und für indigene Gemeinschaften geschaffen wurden.
Auch die Vermittlung von Kulturerbe bleibt ein wichtiger Schwerpunkt. In San Salvador lädt ein praktischer Workshop zur Registrierung von Kulturgütern die Teilnehmer dazu ein, zu lernen, wie man Eisenbahnkulturgüter inventarisiert und dokumentiert, und bietet praktische Werkzeuge, um diese Stätten als Teil der lokalen Geschichte zu erkennen und zu schätzen. Die Initiative ermutigt junge Menschen und Erwachsene gleichermaßen, sich direkt an den Prozessen zur Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses zu beteiligen. Auch Bibliotheken werden als aktive Kulturräume neu gedacht. Durch Projekte wie die Biblioteca Viva in der Volksbibliothek El Cántaro wird das Lesen mit künstlerischen, pädagogischen und gemeinschaftlichen Erfahrungen verknüpft. Workshops und offene Aktivitäten laden Kinder und Jugendliche dazu ein, durch Kunst, Natur, Bewegung und Fantasie mit Büchern zu interagieren – und verwandeln die Bibliothek so in einen gemeinsamen Raum der Teilhabe und Kreativität.
Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht die Erkenntnis, dass das kulturelle Erbe nicht nur in Gebäuden oder Archiven, sondern auch in den Menschen lebt. Geschichten wie die der Bewohner von Isla Umbú, die von ihrer Beziehung zur Kirche San Atanasio erzählen, erinnern uns daran, dass Kulturstätten durch Erinnerung, Pflege und tägliches Engagement erhalten bleiben. Durch Festivals, Restaurierungsprojekte, Bücher, Workshops und Gemeinschaftsgeschichten bekräftigt Paraguay weiterhin, dass Kultur ein lebendiger Prozess ist – verwurzelt in einem Ort, geprägt von seinen Menschen und offen für alle.
