In Brasilien wird künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz stärker genutzt als im weltweiten Durchschnitt. Die von der Beratungsgesellschaft PwC in 48 Ländern durchgeführte Studie „Global Hopes and Fears 2025“ zeigt, dass 71 % der brasilianischen Berufstätigen angeben, in den letzten Monaten mindestens ein KI-Tool genutzt zu haben – ein Prozentsatz, der über dem weltweiten Durchschnitt von 54 % liegt. Trotz der hohen Akzeptanz unterscheiden sich die Zufriedenheitswerte hinsichtlich der Nutzung und der Auswirkungen auf den Arbeitsalltag zwischen Führungskräften und Mitarbeitern in den Unternehmen. Unter den Brasilianern, die angaben, künstliche Intelligenz bei der Arbeit zu nutzen, stellten 83 % eine Verbesserung der Arbeitsqualität fest und 79 % berichteten von einer Steigerung der Produktivität. Im globalen Vergleich liegen die Werte bei 75 % bzw. 74 %. Die Umfrage befragte zwischen Juli und August 2025 insgesamt 49.843 Fachkräfte. Trotz dieser positiven Indikatoren steht die Anpassung der Unternehmen an den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz, insbesondere der generativen KI, weiterhin vor Herausforderungen.
Eine Studie zum „Panorama de Sentimento de Lideranças“ (Stimmungsbild der Führungskräfte), die von der Beratungsfirma Newnew unter mehr als 300 Führungskräften mittlerer und großer brasilianischer Unternehmen durchgeführt wurde, zeigt, dass 80 % der Organisationen bereits irgendeine Form von KI einsetzen. Allerdings sind nur 11 % der Führungskräfte der Meinung, dass die Implementierung der Technologie „super gut“ funktioniert hat. Haben sich generative KI-Systeme schneller weiterentwickelt als die Fähigkeit von Fachkräften und Unternehmen, sich daran anzupassen? Was ist angesichts dieser Situation zu tun? Welche Kriterien können angewendet werden, um den Einsatz von künstlicher Intelligenz durch dieselbe Belegschaft zu standardisieren? Der Unterschied zwischen Einführung und Reife bei der Nutzung der Technologie deutet darauf hin, dass viele Unternehmen noch dabei sind, KI strukturiert in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Laut der Rechtsanwältin Tainah Corrêa, Partnerin und Leiterin der Abteilung für Innovation, Effizienz und internationale Beziehungen bei André Menescal Advogados, ist künstliche Intelligenz nicht mehr nur ein Produktivitätswerkzeug, sondern beeinflusst mittlerweile strategische Prozesse in Organisationen. „Heute kann KI Dokumente erstellen, Daten analysieren und wichtige Entscheidungen in Unternehmen unterstützen. Deshalb muss sie als Teil der technologischen Governance der Organisation behandelt werden“, erklärt sie. Eine der derzeit größten Herausforderungen ist laut der Expertin der Umgang mit der sogenannten spontanen Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeiter, die im Unternehmensalltag immer häufiger vorkommt. Generative Plattformen werden häufig zum Verfassen von Texten, zum Zusammenfassen von Dokumenten oder zur Beschleunigung von Aufgaben genutzt, oft ohne interne Richtlinien, die Grenzen oder Leitlinien festlegen.
Diese informelle Nutzung kann erhebliche Risiken mit sich bringen, wie beispielsweise das Durchsickern vertraulicher Informationen, die Eingabe sensibler Daten in externe Plattformen oder Entscheidungen, die auf automatisch generierten und ungeprüften Inhalten basieren. „Die rechtliche Verantwortung für Entscheidungen, die auf der Grundlage von KI-generierten Inhalten getroffen werden, liegt weiterhin beim Unternehmen. Daher ist der sicherste Weg nicht, die Technologie zu verbieten, sondern klare Nutzungsrichtlinien und minimale Governance-Strukturen festzulegen“, erklärt Tainah. Sie führt auf, dass zu den empfohlenen bewährten Praktiken die Festlegung gehört, welche Tools verwendet werden dürfen, die Angabe, welche Arten von Informationen auf den Plattformen eingegeben werden dürfen und welche nicht, sowie Verfahren zur manuellen Überprüfung von durch künstliche Intelligenz generierten Inhalten. Ein weiterer sensibler Punkt betrifft das Gleichgewicht zwischen technologischer Innovation und Arbeitnehmerrechten.
Laut der Anwältin können Unternehmen die Nutzung digitaler Tools überwachen, um sensible Daten zu schützen und die Informationssicherheit zu gewährleisten, doch diese Überwachung muss transparent sein. „KI-Governance erfordert Klarheit. Die Mitarbeiter müssen wissen, welche Tools sie nutzen dürfen, welche Daten sensibel sind und ob eine Überwachung stattfindet. Wenn Transparenz, Schulungen und klar definierte Regeln gegeben sind, ist es möglich, die Technologie auf innovative Weise einzusetzen, ohne das Vertrauen am Arbeitsplatz zu gefährden“, schließt sie.







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