Das Schweizer Unternehmen Crypto Finance hat gerade seine ersten Schritte in Lateinamerika unternommen, und Brasilien ist der Ausgangspunkt. Der CEO erläuterte die Gründe für diese Wahl, bewertete die regulatorische Reife des brasilianischen Marktes und zeichnete einen Ausblick für den Kryptosektor bis zum Jahr 2026.
Warum Brasilien?
In Europa etabliert, insbesondere nach der MiCA-Regulierung (Markets in Crypto-Assets), und in der Schweiz vollständig reguliert, erhielt Crypto Finance zunehmend Anfragen von Kunden, die auch in Lateinamerika bedient werden wollten. Die Antwort war der Einstieg in die Region, wobei Brasilien ganz oben auf der Prioritätenliste stand. „Brasilien ist einer der größten und aus meiner Sicht fortschrittlichsten Märkte, insbesondere nach der Einführung des Regulierungsrahmens Ende letzten Jahres“, erklärte Vander Straeten.
Das Unternehmen prüft zudem Möglichkeiten in Argentinien und anderen Ländern der Region. Für den Geschäftsführer überrascht der lateinamerikanische Markt positiv in Bezug auf Akzeptanz und technische Reife und übertrifft in dieser Hinsicht sogar den europäischen Markt. Europa hingegen biete größere rechtliche und regulatorische Klarheit. „Ich bin beeindruckt vom Entwicklungsstand des brasilianischen Marktes, einschließlich der Institutionen, die bereits ohne festgelegte regulatorische Rahmenbedingungen operierten“, betonte er.
Die Lehre aus MiCA und der Wettlauf der Institutionen
Crypto Finance war eines der ersten Unternehmen, das eine Regulierung nach MiCA erhielt, und der CEO beschreibt die unmittelbaren Auswirkungen der Maßnahme: eine Flut von RFPs (Ausschreibungen) von Institutionen, die genau auf diese Rechtssicherheit gewartet hatten, um Krypto-Produkte auf den Markt zu bringen. Vander Straeten betont, dass das Unternehmen nicht nur aus Insidern des Kryptomarktes besteht, sondern auch aus Fachleuten aus dem traditionellen Finanzsektor. Daher stellten regulatorische Anforderungen wie Governance, Funktionstrennung und Compliance keinen Bruch dar, sondern eine Formalisierung bereits angewandter Praktiken. „Für uns war das nichts Neues. Wir haben lediglich formalisiert, was wir bereits taten“, sagte er.
Werden traditionelle Banken den Kryptomarkt dominieren?
Eine der häufigsten Debatten in der Branche dreht sich darum, ob die großen traditionellen Finanzinstitute den Kryptomarkt absorbieren werden. Für Vander Straeten ist die Antwort differenziert. Seiner Ansicht nach werden Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum zu Rohstoffen im Finanzsektor werden – Vermögenswerte, die jede Bank in spätestens fünf Jahren anbieten wird. Die nativen Krypto-Plattformen hingegen sind führend, wenn es um Innovation geht: Produkte zur Ertragsgenerierung, DeFi-Protokolle und der Handel mit Vermögenswerten am Wochenende sind Beispiele für Fortschritte, mit denen traditionelle Banken noch nicht Schritt halten können.
„Die neue Generation versteht nicht, warum sie beim Verkauf einer Aktie heute zwei Tage auf die Abwicklung warten muss. Sie will sofort wieder investieren, mit einem Fingertipp“, erklärte der CEO. Dieser Druck sei laut ihm gesund für das System, da er die Modernisierung vorantreibe, doch die Großbanken würden immer einen Schritt hinterherhinken, da sie darauf warten müssten, dass die Regulierungsbehörden auf den neuesten Stand kommen, bevor sie voranschreiten können.
Ausblick für 2026: Vorsicht im ersten Halbjahr, Optimismus im zweiten
Auf die Frage nach dem Szenario für den Rest des Jahres antwortete Vander Straeten direkt: Das erste Halbjahr wird turbulent. Geopolitische Spannungen und anhaltende Konflikte belasten den Markt, verbunden mit dem Risiko einer hohen Inflation und Unsicherheit über die Zinspolitik der Zentralbanken. Dennoch gibt sich der Manager für das Gesamtjahr optimistisch. Seiner Einschätzung nach dürfte eine Lösung der wichtigsten Konflikte bis zum dritten oder vierten Quartal Erleichterung für risikoreiche Anlagen bringen, einschließlich Kryptowährungen. „Ich bin für dieses Jahr recht optimistisch, aber nicht vor dem dritten Quartal. Das erste Halbjahr wird eine Achterbahnfahrt sein. Ich glaube, dass die Konflikte bis zum dritten oder vierten Quartal gelöst sein werden, was dem Markt für risikoreiche Anlagen wie Kryptowährungen mehr Ruhe bringen dürfte“, erklärte er und fügte hinzu, dass dies keine Anlageberatung darstelle.







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