Die Hypothese eines Erdbebens mit schwerwiegenden Folgen in Brasilien ist sehr selten, kann aber laut George Sand França, Leiter des seismologischen Observatoriums der Universität von Brasilia ((Obsis- UnB) nicht ausgeschlossen werden.
„Dieses Beben in Haiti, das Spitzenwerte bis zu 8,2 auf der Richter-Skala in einem Bereich in der Mitte der nordamerikanischen Platte aufwies, sollte uns als Warnung dienen. Brasilien ist ein Land in der Mitte des südamerikanischen Tellers, mit ähnlichen geologischen Eigenschaften und deshalb aufgrund seiner hohen Bevölkerungsdichte und einem Mangel an Erdeben-resistenten Strukturen auch gefährdet.
Seit Beginn der ersten Instrumental-Messungen in den frühen 50er Jahren trat das stärkste Beben, das jemals in Brasilien registriert wurde, 1955 in Porto dos Gauchos (MT) auf und erreichte 6,2 Grad auf der Richterskala.
„Heute ist die Bevölkerungsdichte in der Region viel höher und man kann sich vorstellen was passieren könnte, sollte ein Erdbeben in der Grössenordnung von Haiti dort auftreten“, teilte França mit. „Und es wird auftreten. Ich weiß nicht wann – ich weiß nicht einmal ob ich dann noch am Leben sein werde – aber es wird. “
Laut França sollte dringend die Bausubstanz der Gebäude überprüft werden, um die Möglichkeit einer Katastrophe zu verringern.
„Wir müssen uns vor Augen halten, dass in Brasilien ein Erdbeben zwischen 4,0 und 5,0 Grad einen starken Einfluss haben wird. Wir haben wir nicht die Bau-Struktur von Japan und den Vereinigten Staaten, wo die Gebäude widerstandsfähiger gegen Schockwellen von Beben sind. Ebenso fehlt uns eine gute Überwachung der Gebäude“, so der Experte.
Laut dem Briten Julian Bommer, Professor für Risikobewertung von Erdbeben am Imperial College in London, rechtfertigt die Häufigkeit und Intensität der Erschütterungen in Brasilien keine hohen Investitionen in bestimmte Strukturen, die einem starken Beben standhalten.
„Es ist besser, sich auf den Schutz der häufigsten Störungen, wie Gewalt und Überschwemmungen zu konzentrieren“, teilte Bommer mit. „Nur um kritische Strukturen wie Dämme und Kernkraftwerke sollte in anti-seismische Gebäude investiert werden.“
Bommer unterstützt allerdings die These, dass, obwohl es nur eine sehr geringe Möglichkeit gibt, Brasilien von einem schweren Erdbeben mit schwer wiegenden Konsequenzen heimgesucht werden kann.
„Wir erinnern uns, dass Erdbeben in Abständen auftreten. Es können Jahrhunderte vergehen-und Brasilien hat seit 500 Jahren noch nicht ein starkes Erdbeben erlebt“, so Bommer abschließend.
Kann man eigentlich ausschließen, dass ein (unterirdischer) Nukleartest in Brasilien für ein Erdbeben von Seismologen gehalten wird?