Venezuela: Zunehmend Morde an indigenen Völkern► Seite 2

mina carbones de guasare

Datum: 11. Oktober 2012
Uhrzeit: 14:34 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Nach 17 Monaten wurde Sabino Romero dank dem unermüdlichen Kampf des Anthropologie-Professors der Universität Zulia, Lusbi Portillo, und dem Hungerstreik des 81-jährigen Priesters Jose Maria Korta freigesprochen. Der Rechtsanwalt des Viehzüchterverbands Machiques (GADEMA), Alfonso Chacin, der den Yukpa Olegario vertrat, veroffensichtlicht die Interessen des Vereins an der Inhaftierung von Sabino. Olegario gesteht das Verbrechen im nachfolgenden indigenen Yukpa-Gericht.

Die Verfolgung der mächtigen Landwirte
Der Präsident Hugo Chavez verschärfte die Spannung zwischen Indianern und Viehzüchtern in Folge einer öffentlichen Parteinahme für die Yukpa. Allerdings ohne die Landwirte für das von ihnen bewirtschaftete Land zu entlöhnen. Der Konflikt eskalierte Ende 2011, als das nationale Institut für Landwirtschaft (INTI) auf den Landkarten das von den Indianern beanspruchte Gebiet um 90% vergrösserte. In der Folge entzündete sich in Perija ein Bürgerkrieg. Der kollektive Hass wird täglich durch die Kriminalisierung der Yukpa-Indianer in Medien und durch den Viehzüchter-Verein GADEMA verstärkt.

Darauf wurden im 2012 die Yukpa-Indianer Wilfrido Ramos, Lorenzo Romero, Leonel Romero, Dario Garcia und die jungen Wayüu-Stammesmitglieder Alexander Fernandez und José Luis Fernández in Perija ermordet. Alexander war gleichzeitig mit dem Yukpa-Kazique Sabino wegen des Kampfes für das indigene Territorium verhaftet worden. 


Immernoch lauern bewaffnete Männer in der Nähe der Yukpa-Häuptling Carmen Fernandez. Carmen Fernández hat schon zwei Söhne verloren, darunter Alexander Fernandez. Einem Dritten fügte man eine schwere Magenverletzung zu, so dass eine wöchentliche kostenintensive medizinische Versorgung nötig ist. Als Carmen Anzeige erstattet, wiesen die Behörden diese zurück und drohten der Yukpa-Indianerin „ihre weiteren Kinder zu töten und ihr Blut zu trinken“.

Fiona Watson von Survival International betont: „Die Situation der Yukpa ist extrem ernst. Seit Jahrzehnten ist der Stamm Opfer von Gewalt der mächtigen Landwirte in Perija. Obwohl seit 1999 die venezolanische Verfassung indigenen Völkern ein kollektives Eigentum an ihrem Territorium gewährleistet, hat der Staat wenig unternommen, um diese Rechte zu sichern. Die Besetzung durch das Militär hat verheerende Auswirkungen auf ihre Kultur und Lebensweise. Yukpa-Indianer werden politisch verfolgt, um sie im Gefängnis zum Verstummen zu bringen.“

Die Yukpa-Indianer 

Die Yukpa sind ein indigener Stamm, der seit 2‘500 Jahren am Maracaibo-See beheimatet war und dessen Siedlungsgebiet bis in die Sierra de Perija in Venezuela und Kolumbien reicht. Anlässlich der Expedition des Deutschen Ambrosio Alfinger kam es 1528 zum ersten Kontakt mit der westlichen Kultur. 1722 gründeten die Kapuzinermissionare das Macuaes-Dorf, das heutige Machiques, um die Indianer zu „zivilisieren“. Zwischen 1908 und 1935 übergab der Putschist Juan Vicente Gómez viele von den einheimischen Wäldern und Flüssen an Grosskonzerne wie Shell. Dank Nestlé wurde die Massentierhaltung in den 40er Jahren verdreifacht. Während ein wirtschaftlicher Aufschwung der Landwirtschaft stattfand, usurpierte die schwere Invasion durch Viehzüchter, Bauern und Pächter zwischen 1956 und 1975 90% des indigenen Territoriums im Zulia-Staat.

Die Bevölkerungsexplosion in den 50er Jahren, als sich die venezolanische Bevölkerung alle drei Jahre verdoppelte, vertrieb die Yukpa-Indianer mehr und mehr in die Höhen der Sierra-Berge in Perija. Machiques entwickelte sich zum Mekka der Viehzucht, die billige Arbeitskräfte benötigte. So ergab sich, dass sich Indianer als Dienstmädchen, Chauffeure und Schichtarbeiter gegen Obdach, Nahrung und Almosen verdingten. Andere Indianer suchten Zuflucht in der Zulia-Hauptstadt Maracaibo, wo sie noch heute als Bettler das Strassenbild prägen.

Heute leben in Venezuela rund 15.000 und in Kolumbien 7.000 Yukpa-Indianer in der Sierra de Perija.

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  1. 1
    Der Bettler

    Anscheinend ist das der übrigen Bevölkerung,sche… egal,sonst hätten sie den Hampelmann nicht wieder gewählt.

    • 1.1
      Helge

      Das kommt einfach im TV kaum vor…und wenn, dann dahingehend, dass Chavez sich mal verbal auf die Seite der Indigenen stellt, oder das die Landfläche für sie um 90% vergößert wurde. Wenn aber so extreme Interessenskonflikte vorhanden sind, müßten die systematisch moderiert und verhandelt werden, um es für alle Seiten halbwegs akzeptabel zu machen. Da würde ich meinen, gehen die Anhänger des Sozialismus davon aus, dass das in diesem besser möglich ist als anderswo, oder…?
      Und hernach hat der Staat natürlich für die Einhaltung der Vereinbarungen zu sorgen, d.h. Nichteinhaltung zu verfolgen und zu sanktionieren.
      Noch mehr gilt das ja für die Grundrechte des Einzelnen, die ja nicht erst irgendwi verhandelt werden müssen.
      Aber wie man liest, klappt ja leider nicht mal das…
      Es handelt sich um lauter offene, ungeregelte Baustellen, wo Chavez ab und zu, wie’s scheint, mal „nen Spruch macht“ – und das war’s dann erstmal wieder. Ansosnten wie beim „Faustrecht“ Keine Systematik beim Regeln dieser Probleme – das ist jedenfalls das Bild.
      Und das kommt im TV so nicht vor. Und da es sich ja um Minderheiten handelt…die Mehrheit vermisst ja dann auch nicht die öffentliche Darstellung ihrer Probleme und Gefährdung in den Medien.
      Es ist alles sehr traurig.

  2. 2
    Helge

    Dieser Artikel ist sehr verdienstvoll, Danke für die Veröffentlichung! Er zeigt die ganze „Gemengelage“. Von diesem „Bermudadreieck“ Viehzüchter – Indigene Völker – Regierung/Wirtschaftsinteressen im In- und Ausland hört man sonst nicht allzu viel. Aber das ist wohl schon seit langer Zeit sehr dramatisch.
    In der Verfassung von 1999 wurden ja die Rechte der indigenen Völker gestärkt und bekräftigt. Aber was praktisch passiert, scheint dem ja nicht gerade zu entsprechen. Solches perverses Verhalten von Seiten der großen Viehzüchter und staatlichen Kräften hat es wohl auch vor Chavez schon gegeben. Es hat Zeiten gegeben, da hatten die großen Landbesitzer in verschiedenen Landesteilen quasi Privatarmeen, und das Militär hat sie irgendwann mal zerschlagen, oder das versucht (in den 90ern, unter Caldera), weil die ganze Sache da schon etwas überhand genommen hatte, anscheinend.

    Das nun aber nach knapp 14 Jahren Chavez und ca. 13 Jahren mit der jetzigen Verfassung anscheinend weiterhin solche Verbrechen an den Ureinwohnern praktisch von jeder Seite und am laufenden Band begangen werden, und strafrechtlich praktisch nur unter großem Druck, und dann auch nur ansatzweise verfolgt werden, das gibt schon wieder zu denken…Traurig, dass selbst im Umgang mit den Naturvölkern weitgehende Rechtlosigkeit zu herrschen scheint.

    Es ist eben wieder das gleiche Problem, die gleiche Frage, die auch an anderer Stelle aufscheint, und hier regelmäßig aus guten Gründen vieldiskutiert ist:
    Wenn der Staat, jenseits von den Fragen zum Recht auf die Landnutzung etc., nicht mal die Unversehrtheit und das Leben der Bürger garantiert, nicht mal derer, deren Rechte und besonderer Status sogar ganz speziellen Stellenwert in der Verfassung haben, dann fragt man sich natürlich, welche Art von Sozialismus das werden soll, wenn es fertig ist.

    Ich habe mal von einer Ungarin gehört, die Ungarn noch zu sozialistischen Ostblockzeiten kannte und nach Venezuela geheiratet hat. Darauf bezogen, dass bei allen bekannten Problemen im Ostblock wenigstens die Kriminalität, besonders die schwere, sehr niedrig und daher das Leben wenigstens diesbezüglich sicher war, sagte die mal:
    „Venezuela ist das einzige sozialistische Land, in dem man nachts nicht auf die Strasse gehen kann.“ Das stimmt sogar in Bezug auf’s heutige Kuba, und das ist schon traurig, katastrophal…in Worten im Prinzip nicht zu bescheiben.

    Man kann nicht aufhören zu fragen, was diese Regierung glaubt, wie überhaupt irgendeine Gesellschaft, in welcher Art auch immer, auf Dauer funktionieren kann, wenn Millionen von Schusswaffen und die entspechenden Idioten dazu, im Land herumgeistern, und schwere Kriminalität praktisch nicht verfolgt wird.
    Bis heute wird regelmäßig darüber geredet und werden Programme angekündigt, während die entprechenden Typen unbekümmert weiter herumballern, rauben etc. wie es ihnen passt.

    Das trifft die Schwächsten zuerst, und zu denen gehören natürlich die Indigenen, aber „schwach“ ist in dem Sinne eigentlich jeder, der versucht ein normales Leben zu führen, und natürlich keine Waffe besitzt, und damit erst recht dem kriminellen Gewaltpotential eben potentiell ausgeliefert ist.
    Es herrscht doch in diesen Punkten praktisch einfach „Faustrecht“ – wer glaubt, es hat einen Vorteil der raubt und ballert einfach, und es passiert denen – nichts, gar nichts.
    Das kann auf die Dauer doch keine Gesellschaft aushalten, und die Indigenen schon gleich gar nicht. Würde diese Regierung mal absolut darauf fokussieren, wäre schon viel verbessert.

  3. 3
    Linus Bracher

    @“nen Spruch macht“ – und das war’s dann erstmal wieder. Ansosnten wie beim „Faustrecht“ Keine Systematik beim Regeln dieser Probleme – das ist jedenfalls das Bild.
    Und das kommt im TV so nicht vor. Und da es sich ja um Minderheiten handelt…die Mehrheit vermisst ja dann auch nicht die öffentliche Darstellung ihrer Probleme und Gefährdung in den Medien.
    Es ist alles sehr traurig.

    —————————————-

    Das ist normal. Die einzigen, die darauf hereinfallen, sind die dümmlichen linken Medien. Gehört anscheinend alles zum vaterländischen Pol der Vollpfosten.

  4. 4
    Helge

    Naja, was sagen Steffen und Olivia, das wäre doch mal interessant. Der Artikel stellt sicherlich nicht alles dar, aber das, was aufgezählt ist, kann doch eigentlich nicht zu deren Erwartungen passen. Mich hat es in dieser Schärfe auch überrascht.
    Venezuela und sein „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ sind eben für viele Überraschungen gut.

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