Der Anbau von Rotalgen verändert das Leben der Frauen in der brasilianischen Fischergemeinde Icapui (Bundesstaat Ceará). Mit der erwerbsmäßigen Produktion von Algen bewahren sie die Natur und generieren ein zusätzliches Einkommen. Der Verzehr von Algen hat – zumindest in Asien – eine lange Tradition. Als Rohstoff für Lebensmittelzusätze wie Agar, Alginat und Carrageen sind sie für Lebensmittelindustrie von großer Bedeutung.
Rötliche Sandsteinfelsen neben Sanddünen sind einige der landschaftlichen Besonderheiten, welche die Region rund um Icapui im Nordosten Brasiliens prägen. Seit Menschengedenken lebt ein Großteil der Bevölkerung von Fischfang. Raimundo Sebastião fischte bereits mit neun Jahren und ging im Alter von 60 Jahren in den Ruhestand. Heute übt er einen besonderen Beruf aus: Algenbauer.
Algen sind im Wasser und an Land lebende, eukaryotische, pflanzenartige Lebewesen, die Photosynthese betreiben, jedoch nicht zu den eigentlichen Pflanzen gehören. Noch vor Jahren waren die Fischer von Icapui hauptsächlich damit beschäftigt, das ungehemmte Wachstum der Rotalge in ihren Fischgründen zu stoppen. Das Institut „Fundação Brasil Cidadão“ förderte ein Anbau Projekt zur Extraktion von Algen.
Seitdem hat sich die Welt von Raimundo verändert. Da er über Erfahrung in der Landwirtschaft verfügt, wurde er schnell zum Experten bei der Algenkultivierung. „Wir haben schnell gelernt, wie man diese Alge zu einem Lebensmittel mit echtem Mehrwert verwenden/entwickeln kann“. Die Gewinnung erfolgt direkt aus dem Meer. Die Phase des Mondes bestimmt, wann er und sein Sohn die Algen-Bank abernten. Zu Beginn der Neumondphase ist die dann herrschende Ebbe ausreichend, um die in etwa 1,5 Kilometer vor der Küste liegende Anbauregion zu Fuß zu erreichen.
Die Kultivierung von Algen bezeichnet er ähnlich wie die von Austern. Als Algenbauer muss er die Ansammlung von Schmutz verhindern, die eine Sonneneinstrahlung behindern und das Wachsen der Algen verhindern würden. Haben die Algen nach etwa drei Monaten die richtige Länge erreicht, erntet sie Raimundo mit seinem Helfer. Nach zwei Stunden Knochenarbeit kehren sie an Land zurück, und verkaufen die Ernte des Tages.
Die von ihm geernteten Algen werden von den Frauen in Icapui weiter verarbeitet. Zunächst werden sie gewaschen, anschließend getrocknet. Adeneide Maria da Silva kümmert sich um das Management und erinnert daran, wie die Menschen in der Region zu Beginn ihrer Arbeit reagierten. „Sie dachten, wir seien verrückt. Algen wurden immer als Abfall bezeichnet und über uns wurde mitleidig gelacht. Heute haben wir eine kleine Fabrik und ein Büro, die Skeptiker sind verstummt“.
Mehrere der Arbeiterinnen besuchten Kurse und lernten, wie man aus Algen Shampoos und Seife macht. Ein Teil der pflanzenartigen Lebewesen wird zu Gelee und Mousse verarbeit und kommt auch bei der Schulspeisung in Icapui zum Einsatz. Die Produktion ist noch klein und nur wenige profitieren von den Algen. Die Herausforderung besteht nun darin, Sämlinge im Labor zu erzeugen. Mit Hilfe der Biologin Rosi Rebouças und in Zusammenarbeit mit der Bundesuniversität von Rio Grande do Norte wird versucht, die Bedingungen des Meeres zu simulieren. Die Idee ist, dass Algen künstlich vermehrt werden, um das Abernten aus der natürlichen Bank zu verhindern.
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