Mercosur: Hormonfleisch für die einen, Armut für die anderen

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Keine Hormone und keine Antibiotika: Nur Fleisch aus Weidehaltung, welches ohne Hormone und antimikrobielle Leistungsförderer produziert wurde, soll importiert werden dürfen (Foto: Ministerio)
Datum: 03. Mai 2018
Uhrzeit: 15:14 Uhr
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Autor: Redaktion
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Diese Woche ist Bundesrat Schneider-Ammann mit einer Entourage aus Wirtschaft und Politik auf PR-Mission in Südamerika. Mit Besuchen bei Regierungsvertretern, landwirtschaftlichen Vorzeigebetrieben und High-Tech-Messen möchte er der hochkarätigen Delegation das Freihandelsabkommen (FHA) mit den Mercosur-Staaten schmackhaft machen. Obwohl das FHA die soziale Ungerechtigkeit im Süden verstärkt und drastische Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat, werden keine kritischen Stimmen angehört. Auch Konsumenten in der Schweiz haben das Nachsehen: Kommt das Abkommen zustande, bedeutet das nicht nur Aussicht auf günstige Steaks, sondern auch auf Fleisch, das häufig aus tierquälerischer Haltung stammt, mit Hormonen und Antibiotika belastet ist und Kleinbauernfamilien in Existenznöte bringt.

Die Absicht des Bundesrates ist klar: So rasch als möglich möchte er das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay abschliessen und der Schweizer Wirtschaft erleichterten Zugang zu einem Markt von 260 Millionen Käufern schaffen. Knackpunkt ist die Landwirtschaft: Während die Aussicht auf günstiges Fleisch Schweizer Konsumenten lockt, widersprechen die dortigen Produktionsbedingungen vielen Nachhaltigkeitskriterien ganz klar.

„Beim freien Handel zählt in erster Linie der Preis. Gewinner sind jene Produzenten, die kurzfristig am günstigsten produzieren können – und das zumeist auf Kosten von Mensch und Umwelt“, sagt Christine Badertscher, Landwirtschaftsexpertin von SWISSAID. Die durch das FHA gesteigerte Exportnachfrage nach Fleisch heize die Bodenspekulation weiter an. Viele Kleinbauernfamilien gerieten in Existenznot.

Tiefe Preise hin oder her: Auch für die Schweizer Konsumenten bietet die Marktöffnung beträchtliche Nachteile: Ihnen wird vermehrt Fleisch vorgesetzt, das den Schweizer Standards nie und nimmer entspricht. Wer heute an Fleisch aus Südamerika denkt, denkt an riesige Weiden. Ein Trugbild. Das südamerikanische Rindfleisch wird immer öfter in tierquälerischer Mast produziert, mit leistungsfördernden Hormonen und Antibiotika sowie gentechnisch veränderten Futtermitteln.

SWISSAID fordert deshalb, dass das Abkommen mit Mercosur nur abgeschlossen werden darf, wenn zwingend folgende Bedingungen erfüllt sind:

-Keine Hormone und keine Antibiotika: Nur Fleisch aus Weidehaltung, welches ohne Hormone und antimikrobielle Leistungsförderer produziert wurde, soll importiert werden dürfen.

-Keine Gentechnik: Weiterhin darf nur GVO-freies Soja in die Schweiz eingeführt werden. Der freiwillige Verzicht der Schweizer Landwirtschaft auf GVO-Futtermittel darf nicht geschwächt werden.

-Studie zu den Auswirkungen: Der Bundesrat muss die Auswirkungen des FHA auf die Kleinbauern in Südamerika, auf die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft sowie die Folgen der intensiven Soja- und Fleischproduktion für die Umwelt untersuchen.

Pressemitteilung

Swissaid ist ein Schweizer Hilfswerk, das 1948 gegründet wurde und in neun Ländern in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Die Stiftung ist politisch und konfessionell unabhängig und in den ärmsten, meist ländlichen Regionen der Entwicklungsländer tätig. Die Organisation setzt auf Selbsthilfeprojekte in den Bereichen Ernährungssicherung durch agroökologischen Landbau, Frauenförderung, Zugang zu Wasser und Unterstützung der Zivilgesellschaft. Darüber hinaus nimmt die Stiftung auf entwicklungspolitische Fragen in der Schweiz Einfluss (Wikipedia)

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